BVB

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Inter Mailand

Borussia Dortmund gegen Inter Mailand im Liveticker

Hakimi Matata

Dortmund dreht in einer furiosen zweiten Halbzeit das Spiel gegen Inter Mailand, am Ende sorgt Achraf Hakimi mit zwei Treffen dafür, dass die Sorgen von Dortmund fern bleiben. Sagte diesen Spruch gern: der Liveticker.  

20.45 Uhr

Freunde, 5. November, Dienstag, Champions League. Oder wie Niko Kovac sagen würde: Sofaabend. Dortmund braucht gegen Inter Mailand irgendetwas Zählbares. Der Ticker hält mit Paybackpunkten dagegen. In diesem Sinne: Gutes Gelingen, uns allen.

20.47 Uhr

Uff, Julian Brandt gleich mit dem Frontalangriff auf Mario Götze: »Uns hat zuletzt die Leichtigkeit gefehlt.«

20.50 Uhr

Emotionale Geste: Nach dem miesen Ergebnis am Wochenende wird die Mainzer Hymne gespielt.

20.51 Uhr

Aha. Ein DAZN-Kollege sagt: »Alle müssen liefern.« Und ab jetzt müssen wir alle hoffen, dass mein Pizzabote zusieht.

20.53 Uhr

So will Dortmund heute spielen: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels, N. Schulz - Witsel, Weigl, Sancho, T. Hazard - M. Götze, Brandt.

20.56 Uhr

EIL: Borussia Dortmund beantragt Zweitspielrecht auf internationaler Ebene. 


20.58 Uhr

Okay, wenn ich das richtig sehe, dann wird gerade auf der Südtribüne eine alte »Vierter Stern für Deutschland«-Choreo vom Fanclub powered by Oli Bierhoff recyclet. In diesem Sinne: Volley! 

20.59 Uhr

Entschuldigung, habe mich vertan. Die Choreo zu Ehren von »20 Jahren Desperados Dortmund«. Alkoholfrei, versteht sich, ist ja internationale Bühne.

21 Uhr

Inter läuft hingegen zu Ehren von Jose Mourinho mit drei Wannen Beton auf. Auch nicht schlecht. 

1.

Anstoß. Und sofort Gelb für Biraghi. Ob er gestern mit Jerome Boateng telefoniert hat?

4.

Und dann das. Lautaro Martinez marschiert über die linke Dortmunder Abwehrseite, schüttelt alle Abwehrspieler ab, geht noch halb an Bürki vorbei und schließt dann furztrocken ab. 0:1, der BVB mit dem Rücken zur Wand. Für eine derart kalte Dusche muss man normalerweise drei Monate die Rechnungen nicht bezahlen. 

6.

KOVAC RAUS!

8.

Und dann fehlt auch noch Kapitän Reus mit einer Sprunggelenks-Verletzung. Mal wieder. Der Mann erinnert mich mehr und mehr an einen guten Dichter: Wird durch seine Ferse berühmt. 

10.

Ein Gegentor wie Polizeieinsätze am Dortmunder Hauptbahnhof: extrem bitter.  

11.

Es steht jetzt 0:1. Und Dortmund muss eigentlich gewinnen. Gegen ein italienisches Team. Trainiert von Antonio Conte. 

14.

Übrigens verstößt es meiner Meinung nach gegen Artikel 1 des Grundgesetzes, dass nach Gegentoren für Dortmund nicht sofort auf einen bedröppelt dreinschauenden Aki Watzke gezoomt wird! 

16.

Dortmund jetzt so doll mit dem Rücken zur Wand, die haben morgen alle Probleme mit der Wirbelsäule.

18.

Großchance Götze. Der im Straufraum frei zum Abschluss kommt, ihn machen könnte, bloß: Er macht ihn nicht. Und irgendwo in den USA entfolgt ihm Rihanna  enttäuscht bei Instagram. 

20.

Kurzer Blick auf Antonio Conte - Teil 1: 

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22.

Das Dortmunder Spiel jetzt wie die Werte Union: In der Mitte ist gar keiner mehr.

24.

Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass Inter das Jumbo-Schreiner-Rezept gefunden hat (keine Sorge, nicht das mit den Riesengarnelen, das andere): Anfangs unbekannt, frisst hier mittlerweile alles auf. Und das ist, siehe Jumbo Schreiner, ja nicht die schlechteste Idee, wenn man unter der Woche ins Fernsehen will. 

26.

Dortmund wie das Personalausweisamt vor zehn Jahren: Versucht es jetzt mit kleineren Pässen. 

28.

Götze lässt sich jetzt schon in die eigene Hälfte fallen, bietet sich Bürki im Spielaufbau an. Dortmund wirkt ein bisschen verzweifelt. Weshalb Lucien Favre mal über einen Wechsel von Tine Wittler nachdenken sollte. Die findet eigentlich immer Räume, die keiner für möglich gehalten hätte.

30.

Hakimi spurtet die rechte Seite entlang, dass Skriniar ihn foulen muss und ebenfalls die Gelbe Karte sieht. Und wenn das die Taktik der Dortmunder ist, dann muss man wohl sagen: Genial! Zumindest wenn es hier in die Verlängeru... Verdammt.

32.

Möchte beim Anblick der Mailänder Defensive einfach mal anfragen, ob es eine Lücke im EU-Gesetz gibt, die es uns ermöglicht, Gäste für ein paar Wochen im Inland zu halten. Einige Großbauprojekte könnten sicherlich noch Beton gebrauchen.

34.

Kompliment an Inter. Hatte es wegen Frauke Petry eigentlich für unmöglich gehalten, dass man in blau cool und erfolgreich sein kann. 

37.

Ich finde es total verwunderlich, dass Aki Watzke überhaupt noch Jacken trägt. Wo er sich doch einfach in die Erinnerungen an die warme Lache von Jürgen Klopp kuscheln könnte…

39.

Lautaro Martinez für deutsche Spitzenteams jetzt schon der neue Champions-League-Angstgegner aus Mailand. Wie stolz Pippo Inzaghi wohl gerade ist?

41.

Es steht 0:2. Und was das bloß für ein traumhafter Angriff? Brozovic schlängelt sich durchs Mittelfeld, spielt dann raus auf eben erwähnten Martinez, der schlägt erst einen Haken und dann einen unglaublichen Diagonalball, dieser wird verarbeitet, quer gelegt und am Ende von Vecino eiskalt verwertet. Man, man, man. Ich würde dieses Tor gerne adoptieren. Um ihm die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient. Denn ich bin mir sicher: Ich könnte es lieben wie ein eigenes. 

44.

Sätze, die zu guten Currywurst-Ständen und diesem Tor genau gleich gut passen: Was ne Bude!

45.

Kurz danach hat Sancho eine gute Möglichkeit, den Anschluss herzustellen. Macht es aber wie so ziemlich jeder Techniker jedes großen deutschen Netzanbieters, wenn es diese Chance gibt: pfeift einfach drauf. 

21.52 Uhr

Halbzeit. Mailand eiskalt vor dem Tor und hinten entweder clever oder glücklich oder gut auf der Linie. Weshalb sie verdient mit 2:0 gegen irgendwie überforderte Dortmunder führen. Eins, zwei Tore noch, und die Maut-Pleite ist nicht mehr die bitterste des Jahres. 

21.55 Uhr

Aber was will man auch machen, wenn ein so wichtiger Spieler wie Reus verletzt fehlt? Barcelona gewinnt ja  nicht mal gegen Prag, wenn Luis Suarez wegen einer OP kurzfristig ausfällt...

21.58 Uhr

DAZN zeigt noch mal die Tore. Und jetzt muss ich einfach mal fragen: Wäre es rein rechtlich möglich, Flugbälle von Lautaro Martinez zu ehelichen?

22.00 Uhr

Wie gut das wäre, auf Klassentreffen oder 20-Jahre-Abi-Unangenehm-Veranstaltungen. »Tach Marcel, ja, stimmt, ist schon irgendwie komisch, mit einem Flugball verheiratet zu sein, aber du, was wir an Steuern sparen, Wahnsinn! Und joa, ja, ich kann mir schon gut vorstellen, irgendwann mal ein paar kleine Flugbälle zu bekommen..«

46.

Ein Satz, vor dem sich BVB-Fans mittlerweile fürchten: Es geht weiter.

48.

Als ich als angehender Abiturient irgendwann dann doch keine Lust mehr auf Schule hatte, als meine Französisch-Lehrerin meinen Eltern beim Elternsprechtag meine Klausurergebnis nannte und sagte: »Eins-sechs-eins-sechs-eins-sechs, ah ah ah. Das is nüsch die Ergebnis von die French Open.« Da drohte mir meine Mutter mit der Sparkassenausbildung: »Wenn du so weitermachst, dann kommst du auf die Bank.« Und ungefähr so stelle ich mir das Halbzeitgespräch zwischen Akanji und Lucien Favre vor.

49.

Candreva anders sehen: Gelb für Mailands Mittelfeldspieler.

52.

Und natürlich machen sich die Menschen dieser Tage mal wieder über Mario Götze lustig. Weil er nicht trifft, solange er keinen Elfmeter schießen darf, weil er das Derby fluchtartig verletzt (obwohl einfach verletzt), und überhaupt weil doch nicht besser als Messi. Aber ganz ehrlich: Wenn sich diesen Typen sehe, wie er den Ball auf seine ganz eigene Weise mit der Brust aus der Luft zieht, und mit dieser Leichtigkeit eines Straßenfußballers locker durchs Mittelfeld strunzt, dann ist mir egal, wenn das nicht mehr für die allergrößte Bühne reicht. Es sieht einfach nur fantastisch aus. Ich würde es mir deshalb auch ansehen, wenn er für Erndtebrück zocken und Oberliga-Viererketten-Verteidigern die Knoten in die knotigen Beine spielen würde. Und ich würde es mir gerne ansehen.

53.

TOOOOR für Dortmund! Eine Bude, als hätte die Mannschaft vor Anpfiff noch das Gesamtwerk von Sophie Passmann gelesen, oder zumindest den Teil, in dem sie erklärt, was der Fußball vom Handball lernen kann. Denn das reicht, so wie sich Brandt, Delaney und Götze den Ball im Halbkreis zupassen, auf die Lücke wartend, die sich dann auftut, als Götze vorprescht, sofort Hakimi in der Mitte bedient. Das schönste Tor, dass Blacky Schwarzer nie geworfen hat.

55.

Dortmund jetzt wie Donald Trumps Twitteraccount: Ein Angriff nach dem anderen. Aber halt auch traurig unkoordiniert.

57.

Dortmund natürlich mit mehr Raum im Rücken, Akanji und Hummels sichern ab, müssen aber höllisch aufpassen. Denn Inter, das war bekannt, spielt Contefußball.

60.

Dortmunds Angriffsspiel jetzt wie die thüringische CDU: Es werden ungeniert Seiten gewechselt.

62.

An dieser Stelle bitte ein bisschen Mitgefühl für den armen Teufel, der 300 Euro für ein Fancy-Haupttribünen-Ticket ausgegeben hat – und jetzt auf dem Platz genau hinter Jan Koller sitzt. 

66.

Und der jetzt nicht sieht, dass Brandt mal eben einfach ausgeglichen hat! Bzw.: TOOOOOOOOR für den BVB. Weil Paco Alcacer eben doch der besser Joker ist als Joaquin Phoenix, weil Alcacer mit seinem ersten Ballkontakt den Ball blitzgescheit an Brandt weiterleitet und der diesen eiskalt und technisch sauber ins lange Eck schieb. 2:2, alles drin, geiles Spiel. Außer für den armen Teufel hinter Jan Koller natürlich. 

68.

Nächste dicke Chance für Dortmund, aber Witsel köpft knapp vorbei. Inters Spiel plötzlich so tot, wäre Donald Trump dafür verantwortlich, er würde sich auf unangemessene Art und Weise in einer Pressekonferenz damit brüsten.

71.

Wenn die Medienabteilung von Dortmund nicht aufpasst, bastelt Klaas Heufer-Umlauf aus den Highlights dieses spektakulären Spiels noch heimlich einen YouTube-Hit...

72.

Foul an Barella. Anders ausgedrückt: lecker!

73.

Romelu Lukaku muss runter. Weil er von Mats Hummels heute derart souverän abgemeldet wurde, dass diverse Bürgeramts-Mitarbeiter gerade eine Träne der Rührung verdrücken. 

77.

UND. DANN. DAS: Steckpass Sancho, Abschluss Hakimi, 3:2, Dortmund hat das Spiel gedreht! Und Hakimi sorgt hier mal eben dafür, dass die Sorgen der ersten Halbzeit komplett verflogen sind. Kurz gesagt: Hakimi Matata!

79.

Ich sag's, wie es ist: Inter Mailand braucht hier dringend ein paar Safety-Car-Runden...

81.

Mailands Spieler in den vergangenen Minuten so übel, Thüringer CDU-Politiker würden am liebsten sofort ergebnisoffene Gespräche mit ihnen führen. 

82.

Klarer Fall: Nach Spielschluss interviewt Marco Reus Ecki Heuser nach der Mentalitätsscheiße.

84.

Weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir entwickeln sich Nostalgiegefühle, wenn ich sehe, wie Valentino Lazaro auf der rechten Seite frischgemacht wird.

85.

Kurzer Blick auf Antonio Conte - Teil 2:

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86.

Und das ist natürlich alles ganz nett anzusehen, wie Dortmund hier das Spiel dreht. Vor allem, wenn man bedenkt, wie der BVB unter Jose Mourinho seit 70. Minuten erfolgreich das 0:1 verteidigen würde.

87.

Lazaro auf der rechten Seite ganz stark gegen zwei-drei Dortmunder. Dann aber eine Flanke ins Nichts. Hat den mitgelaufenen Conte übersehen.

89.

Bürki und Hummels jetzt mit einem klaren Statement für die Sommerzeit. Nehmen fast eine Stunde von der Uhr.

90.

Aber klar, krass wie die Borussen dieses Spiel gedreht haben. Das Westfalenstadion bebt. Die Südtribüne, ein magischer Ort, dieses mächtige Konstrukt. Dortmund klopft an alte Zeiten. Echte Liebe. Und was werden sie gleich staunen, wenn sie merken, dass Aki Watzke fürs Jubeln mit den Fans Jürgen Klopp eingeladen hat.

90.+2

Platzsturm Favre! 

90.+3

Und jetzt: Inter mit dem Konter. Hat endlich mal etwas Platz im Mittelfeld und dann rauscht Hakimi von hinten heran. Und tacklet den Mailänder so sauber weg, dass ich diesen Zweikampf heute Abend noch in die beste Spelunke Westberlins einladen möchte, um ihn zu verführen, morgen Frühstück zu machen, anschließend ein Spaziergang im Wald, um ein erstes Mal schüchtern über Kinder zu reden. Kleine Grätschen, die in neun Monaten an unseren Beinen herumspringen werden. Um gemeinsam lange und glücklich zu leben. Bis mich dieses Tackling sanft in den ewigen Schlaf treten wird.

90.+4

Und dann ist es aus! Borussia Dortmund dreht dieses Spiel, Lucien Favre hat sich die nächste Oberschenkelmuskelfaser gerissen, der BVB steht mit eineinhalb Beinen im Champions-League-Achtelfinale. Und irgendwo in Frankfurt murmelt Niko Kovac leise vor sich hin: »Meisterschaft, DFB-Pokal, Superpokal. War eine schöne Zeit.« 

23.02 Uhr

Und jetzt stehen sie zusammen, vor der Südtribüne, feiern sich und dieses Ergebnis. Nach einem Spiel, das an Batmans Two-Face erinnerte. Zwei völlig unterschiedliche Hälften. Und während die Zuschauer und Spieler noch den Moment genießen, macht DAZN schon Werbung. Für College-Basketball, NBA, NFL, Darts. Weil das nächste Highlight nur einen Klick auf der Fernbedienung entfernt sein könnte. Aber was soll's, lassen wie die dicken Männer Pfeile oder die halbdicken Männer eiförmige Bälle werfen, denn das hier war Fußball. Und das war schon ziemlich fantastisch.