Liveticker
BVB – Bayern 0:1
Bundesliga

10:14 Uhr

Stel­lung­nahme? Wir haben Bes­seres zu tun. Zum Bei­spiel: tickern! Heute um 18:15 Uhr geht’s los.

18:15 Uhr

Herz­lich will­kommen beim Spiel BVB gegen Bayern. Für einige ein inter­es­santes Spit­zen­spiel. Für manche auch deut­sche Cla­sico. Also für die, die sich gerne Wie­der­ho­lungen der Oliver-Pocher-Morningshow anschauen und dazu Camp-David-Pull­over mit fik­tiven Yacht­klub­namen tragen.

18:17 Uhr

Womit wir bei meinen zwei Kol­legen wären: Ste­phan Reich (Typ Klassik mit Faible für Zwölf­ton­musik) und Max Nölke (Typ Traum­schiff­ka­pitän a.D.). Hi Fans.

18:20 Uhr

Die Bayern-Fans zuhause und die hier anwe­senden Sky-Reporter haben eines gemeinsam: Sie haben Angst vor Erling Haa­land. Die einen, weil er heute sieben Tore mit drei Ball­kon­takten schießen könnte. Die anderen, weil er sie im Field-Inter­view tot­schweigen könnte.

18:22 Uhr

Eben auf kicker​.de einen Lewan­dow­ski/Haa­land-Ver­gleich gelesen. Der Nor­weger, so schreibt das Fach­blatt, ver­füge über einen pfun­digen Abzug“ und betä­tigt diesen zackig“. Aus­drücke, die ich mir merken werde. Für den Fall, dass ich mit meinem Delo­rean mal wieder einen Aus­flug in die fünf­ziger Jahre machen möchte.

18:25 Uhr

Auf der Tri­büne oder in irgend­einer Qua­ran­täne-Lounge: Uli Hoeneß. Der nun sicher weiß: Auch im West­fa­len­sta­dion ist jemand für die Scheiß­stim­mung ver­ant­wort­lich. Und das ist ganz bestimmt nicht er.

1.

Anpfiff. Oder wie es bei Sky heute heißt: DER ANPFIFF!!!

3.

Find’s eigen­artig, muss ich sagen, dass die Sta­di­on­spre­cher trotz Geis­ter­spiel den­noch die Auf­stel­lungen ver­lesen, als wäre nix. Löst ein eigen­ar­tiges Ein­sam­keits­ge­fühl in mir aus, das ich sonst nur aus diesen Träumen kenne, in denen man keine Hose anhat. Oder aus dem Super­markt, wenn man keine Hose anhat. Oder wenn einen der Bus­fahrer nicht in den Bus lässt, weil man keine Hose anhat. Na, ihr wisst schon, wel­ches Gefühl ich meine…

5.

Übri­gens direkt eine kleine Mini-Chance durch Haa­land, der den Bayern hier mehr hätte wehtun können, wenn er den Ball ein­fach in den Knick geschweißt und sich nicht für die Vari­ante ent­schieden hätte, dem her­aus­ge­eilten Neuer den Ball leger durch die Beine zu schieben. Aber gut, Haa­land ist ja Genera­tion You­tube-Tun­nel­video, und was ist schon ein mög­li­ches 1:0 im Ver­gleich zu Mil­lionen Klicks auf Spack­o­por­talen wie Sport­bible usw.

9.

Hat eigent­lich jemand gerade Oli Kahn im Vor­be­richt gesehen? Im Gegen­licht schloh­weißes Haar, dezentes Alt­her­ren­jäck­chen. Wenn ihm jemand wäh­rend des Inter­views eine schwarze Son­nen­brille auf­ge­setzt hätte, hätte er ange­fangen, seine Ant­worten in Bariton zu singen.

11.

Hui, Konter Dort­mund, top Gele­gen­heit, aber derart unsauber zu Ende gespielt, dass ich das Gesund­heitsamt Dort­mund bitten würde, mal zu schauen, ob da die Hygie­ne­be­stim­mungen ein­ge­halten wurden. 

16.

Schon abge­fahren, was die Abwe­sen­heit von Fan­ge­räu­schen mit so einem Spiel macht. Dadurch, dass man das ganze Geblöke der Spieler hört, Komm“, Hin­ter­mann“, raus!“ usw., hat das alles sofort eine schöne, erdige Bezirks­li­ga­haf­tig­keit. Warte auf den ersten, der ruft: Männer, kommt, wir müssen doch alle am Montag wieder zur Arbeit.“ Oder auf den Kame­ra­schwenk, der Lucien Favre dabei zeigt, wie er einen schönen, großen Schluck Pils aus einem Plas­tik­be­cher nimmt und sich den Bal­lon­seide-Trai­nings­anzug von 1988 voll­s­ab­bert. Nobby Dickel, der in fle­ckiger Schürze Würst­chen vom Rost ver­kauft und den Leuten ein Schwätz­chen auf­zwingt. An der Eisen­bal­lus­trade ums Spiel­feld die ange­grauten Kalle Riedle, Günter Kuto­wski und Martin Kree, die, vom Früh­schoppen schon schön ange­zündet, den klo­bigen Außen­ver­tei­diger vom Gäs­te­team ver­ar­schen und sich aufs Skat­kloppen im Ver­eins­heim freuen, wenn der Grot­ten­kick dann end­lich vorbei ist. Hach, watt schön. Nobby, machse mich ne Brat?

17.

Der BVB tritt hier bis­lang äußerst dis­zi­pli­niert auf. Wenn das hier so wei­ter­geht, wird das viel­leicht ja doch noch was mit dem Okto­ber­fest… Ach, nee das war in Mün­chen, ne? Dann wird das wohl doch eher nix.

19.

Uff, Gnabry mit der dicksten Chance bis hierher. Aber der ewige Pisz­czek klärt mit der Hacke auf der Linie. Genau, jene Hacke, mit der er bereits in den Sieb­zi­gern seinen Garten gepflügt hat.

22.

Bayern lässt hier gerade lässig den Ball durch die eigene Kette wan­dern. Davies auf Alaba, der auf Boateng. Man­no­mann ist das viel Swag auf so engem Raum. Und genau an dieser Stelle fehlt ein Mit­chell Weiser. Statt­dessen steht Pavard da mit seinen Acht­zi­ger­jahre-Locken. 

26.

Thomas Müller mül­lert hier quer über den Rasen, posi­ti­ons­un­ge­bunden wie eh und je. Also, wenn der mittig“ spielen soll, dann darf sogar die CDU sich als Partei der Mitte“ bezeichnen.

30.

Gute Kon­ter­chance für die Dort­munder. Hazard macht’s wie am Bahn­gleis: lässt einen aus­steigen. Haa­land ver­passt dann aber den Anschluss.

35.

Hakimi mit dem nächsten Sprint. Hieß ja im Vor­be­reicht, dass der mal mit 36,5 Kmh in einem Bun­des­li­ga­spiel gestoppt wurde. Finde ich nur so halb-beein­dru­ckend. Ich wurde hier letz­tens gemessen, wie ich mit 20.000 Kilo­joules auf der Couch lag. Ha. 

39.

Wun­der­bare Szene: Davies macht vier Leute im BVB-Straf­raum nass, dann kommt Hum­mels und räumt dieses Sen­sa­ti­ons­solo in spe im Stile eines 7‑Tonners ein­fach aus dem Weg. In einer per­fekten Welt würde er jetzt den CB-Funk anma­chen, die neue Pra­line aus dem Hand­schuh­fach holen, einen absolut ekel­haften Ter­mos­kannen-Kaffee in den Ter­mos­kannen-Deckel im Geträn­ke­halter ein­schenken, und dann schön die A9 runter Rich­tung Balkan.

43.

Aaaaaaaalter, was ein Traumtor für die Bayern. Kim­mich aus 16 Metern, hebt den Ball über Bürki in den Winkel wie Ster­ne­köche Sahne unter eine Sauce heben. Unglaub­li­ches Tor. Ich will sofort den Chef­koch spre­chen, um ihm zu sagen, wie lecker das war. 

45.

Was mich aber ernst­haft traurig macht: Dass sich die Bay­ern­spieler, laut hörbar via Außen­mikro beim Jubel, gegen­seitig Bro“ nennen. Nennt mich alt­mo­disch, aber ich finde, das geht höchs­tens als Kurz­form von Brun­hilde. 

45.+1

DER PAU­SEN­PFIFF!!!

19:20 Uhr

Abpfiff, gleich geht’s weiter mit der här­testen 2. Halb­zeit aller Zeiten“ (DSF). Bis dahin geben ab zu den Lum­ber­jack-Games 1998.

19:21 Uhr

Das größte Come­back der Corona-Zeit ist für mich: Gio­vanni Tra­pat­toni als Netto-Tes­ti­mo­nial. Träume sofort von einem schönen Aben­teuer am Pfand-Auto­maten – bis Lothar mich zurück in die Sky-Rea­lität holt. 

19:24 Uhr

Wir sehen noch mal Bürki beim Gegentor. Sieht so ele­gant aus wie ich beim Eis­kunst­laufen. Auf Roll­schuhen. Mit einem Bier­helm auf dem Kopf.

19:30 Uhr

BREA­KING +++ BREA­KING +++ Wir unter­bre­chen die aktu­elle Bericht­erstat­tung für eine Mel­dung aus der Zweiten Liga: Dennis Diek­meier hat nach 9383 Pro­fi­spielen (circa) sein erstes Pro­fitor geschossen. FÜr den SV Sand­hausen. Gegen Wehen Wies­baden. Das klingt mehr nach Fake-News als die gesamten You­tube-Chan­nels von KenFM und Xavier Naidoo zusammen, ist aber wirk­lich wahr! Ver­dammt! Wir haben schon Par­ty­hüte auf! Und ihr?

46.

Weiter geht’s! Und zwar mit Emre Can auf Dort­munder Seite. Und man hört ihn gleich mal kräftig her­um­pö­beln. Seine Aggres­si­vität ist anste­ckend. Viro­logen befürchten in ihm einen Super­spre­ader.

50.

Übri­gens auch neu mit dabei: Jadon Sancho. Den Jungen bringen zu können ist in etwa so ein Gefühl wie nachts betrunken bei McDo­nalds ne nor­male Pommes zu bestellen und darin eine Curly Fries zu finden. Ein­fach nur magisch.

53.

Leon Goretzka mit einem starken Abschluss, Bürki mit guter Parade. Meiner Mei­nung nach ja die schönen Brunos unter den Spie­lern.

61.

Falls ihr Flick und Favre nicht mehr an der Trai­ner­bank seht: Die beiden werden gerade in den Kata­komben für eine Spontan-Doku­men­ta­tion Leben und Wirken des Dennis Diek­meier“ inter­viewt, die direkt im Anschluss aus­ge­strahlt wird. Die nach­fol­genden Sen­dungen werden sich des­halb um zwei bis drei Stunden ver­schieben.

66.

Ges­tern behaup­tete ja der win­dige UK-Pre­mier­mi­nister-Berater Dominic Cum­mings als Ent­schul­di­gung für seine Ver­feh­lungen, dass COVID-19 auch auf die Augen gehe. Und was soll ich sagen, nachdem ich gerade gesehen habe, wie sich Jerome Boateng mit dem Ell­bogen im Straf­raum im Fallen in einen Ball drehte und ihn zur Ecke abfälschte, haben wir wohl im Kölner Keller ein paar neue COVID-Infek­tionen.

67.

Corona hat so viele Dinge ver­schwinden lassen, die im Alltag einst normal waren. Warum nicht auch den Bayern-Dusel? Warum?

71.

Naja. Ist Uli Hoeneß eigent­lich im Sta­dion? In diesem ganzen Corona-Fuß­ball-Heck­meck ist Hoeneß irgendwie ein Quell der Ruhe für mich. Glaube, weil er mit der knall­roten Bayern-Maske im Gesicht aus­sieht wie eine ster­bende Sonne. Und das rückt die Ärger­nisse des All­tags, z.B. einen nicht gege­benen Elfer gegen die Bayern, irgendwie wieder in den rich­tigen Kon­text.

75.

15 Minuten noch, aber im Ernst, der BVB macht einen so unsor­tierten, kon­fusen Ein­druck, ich sehe die Mann­schaft eher mit Attila Hild­mann vorm Reichstag als hier noch einen Aus­gleich beju­beln. 

76.

Das Quen­geln zahlt sich aus: Gio Reyna bekommt noch ein paar Minuten. Mit den Worten 20 Minuten, dann geht’s aber in die Falle“, schickt ihn Favre raus spielen. 

78.

Ben­jamin Pavard knüp­pelt das Ding in feinster Kreis­liga-Manier auf die Tri­büne. Hansi Flick steht am Rand, auf­ge­lehnt an die ein­gangs skiz­zierte Alu-Balus­trade, Böller aufm Zahn und brüllt: Lasst euch von dem Gepöhle der anderen nicht anste­cken.“

80.

Mario fucking Götze kommt ins Spiel. Kopf­schüt­telnd betritt er den Platz. 

84.

Kurzer Nach­trag zu Hansi Flick. Jetzt wo ich ihn nochmal in Groß­auf­nahme gesehen habe, muss ich zurück­ru­dern und den Kreis­liga-Ver­gleich stor­nieren. In seinem dun­kel­blauen Strick­pulli hat er aber auch rein gar nichts von einem Kreis­liga-Trainer. Viel eher wirkt er so besonnen und irgendwie auch lebens­er­fahren wie ein feiner Herr um die 70, der beim sonn­täg­li­chen Muse­ums­be­such in der Pina­ko­thek der Moderne vor einem Rem­brandt steht und leise in den luft­leeren Raum haucht: beein­dru­ckend“.

87.

Thomas Müller beackert jetzt den rechten Flügel bei den Bayern. Den hat er übri­gens schon beackert, da war der in Björn Höckes Augen noch nicht mal ein feuchtes Glimmen.

89.

Wort­ge­waltig wie eine Parkuhr“, hör ich gerade von Wolff Fuss. Den Joke find ich per­sön­lich ja flach – wie die Infek­ti­ons­kurve in Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

90.

Dort­mund drückt nicht wirk­lich. Die Münchner können eigent­lich gleich Rich­tung Bor­sig­platz durch­knat­tern.

90. + 3

So das Spiel ist aus. Bayern gewinnt mit 1:0 in Dort­mund. Wenn das die neue Nor­ma­lität sein soll, wäre mir die alte Absur­dität dann doch lieber.

20:28 Uhr

Freunde, das war’s vom Spit­zen­spiel. Beson­ders gefallen hat uns das Tor. Und Alp­honso Davies. Als ich so alt war wie er (circa 13), war meine größte Her­aus­for­de­rung, einen Turm aus Lego­steinen zu bauen. Und er? Ver­nascht die halbe BVB-Defen­sive, wäh­rend er den 100-Meter-Welt­re­kord bricht. Mit fünf Kegeln auf einem Einrad jon­glie­rend. Fazit: Wenn er groß ist, wird er viel­leicht mal so gut wie Dennis Diek­meier. Dem Gewinner des Abends. Tschüss!