Bayern München

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FC Liverpool

Bayern - Liverpool im Liveticker

Mo Mané, Mo Problems

Ein Spiel wie ein guter Song von Biggie: Aufregend, böse und mit schmerzhafter Botschaft: Die Bayern verlieren gegen Liverpool und fliegen aus der Champions League. Saß hypnotized vorm TV: der Ticker.

20:45 Uhr

Freunde, herzlich Willkommen zum Liveticker. Und was soll man sagen: Es geht um nicht weniger als alles. Bayern oder Liverpool, Klopp oder Kovac, Sekt oder Selters, All or nothing, Mia oder Mia. Let's go.

20:48 Uhr

Großartig: Erster Gesprächspartner ist direkt mal Kaiser Franz. Und was macht der: Gibt erstmal Kovac eine mit. Klopp bei den Bayern, das wäre ganz wunderbar, so Kaiser Franz. Hat dabei einen Hut auf wie Humphrey Bogart in Casablanca Schließt das Interview mit "Schau mir in die Augen, Kleines" und fliegt dann per Propellermaschine auf seinen VIP-Platz zurück, das Publikum bleibt schmachtend zurück. Wenn es einen Menschen auf der Welt gibt, der aus persönlicher Korruptionskrise und Herz-OP lässiger rausgeht als er reingegangen ist, dann wohl Kaiser Franz.

20:50 Uhr

Wunderschöner Schwenk übrigens über das Sky-Studiopublikum. Schmärbauche, Erdkundelehrerbrillen, C&A-Flanellhemden. Wie viel Sexieness darf um diese Uhrzeit schon gezeigt werden, frage ich euch?

20:55 Uhr

Aber mal zum Sportlichen: Franck Ribéry heute in der Startelf. Bayern außerdem mit zwölf Mann, weil nach Erteilung einer Ausnahmegenehmigung auch Ribérys Zivildienstleistender Malte, 19, aus Eckernförde, mit auflaufen darf, um Ribérys Hüften zu entkalken, die Bettpfanne zu wechseln und ihn wenn nötig mit dem Rollstuhl von Rechts nach Innen zu schieben, damit er mal abziehen kann.

20:56 Uhr

Kommentator heute: Wolf Fuss. Halte diese ganze Diskussion um den Problem-Wolf ja für idiotisch, aber wenn ich jetzt so drüber nachdenke...

20:59 Uhr

Lol. Die Mannschaften laufen ein, Fuss so: »This is Allianz Arena, kann auch was.« Dann: Nichts. Stille. Irgendwo das Knipsgeräusch eines chinesischen Fußballtouristen beim Selfiestangen-Selfie. Im Liverpooler Vereinsmuseum fällt scheinbar grundlos die Jukebox um.

1.

Manuel Neuer reklamiert erfolgreich auf Anstoß.

2.

Erstmal Langholz von beiden Teams. Wunderschön. Sieht nach Kreisliga aus. Gehe gleich zur Würstchenbude und flirte die schöne Tanja an, bevor ich mir das neunte Bier bestelle, samstags um 14 Uhr, und mich auf das Spiel der Dritten freue.

5.

Die Bayern-Fans derweil: »Auf geht's, ihr Roten.« Auf der VIP-Tribüne pulsieren Uli Hoeneß Schläfenarterien plötzlich ganz besonders motiviert.

8.

Oha, Henderson am Boden, scheint umgeknickt zu sein. Dabei wirkt der wie einer dieser Spieler, die selbst einen offenen Splitterbruch ungerührt rauslaufen würden.

11.

Es wird, liebe Bayernfans: Chance Bayern, Gnabry tastet sich vor, dann schließt James ab, zielt aber viel zu hoch. Dann nochmal Ribéry, dann irgendwann Lewandwoski, der in einem Zweikampf darniedersinkt, leider aber keinen Elfer bekommt. Dennoch: Liverpool hier in der Anfangsphase dünner als Reinhard Grindels Nervenkostüm.

14.

Henderson wieder auf dem Boden, muss wohl ausgewechselt werden. Was schade ist, denn damit platzt auch sein Duell mit James um den Spielernamen, der am meisten nach einem guten Whiskey klingt.

18.

Tja, wenn die Leute sagen, der Fußball sei ein schnelllebiges Geschäft, dann ja nur, weil diese verkackte Floskel ja tatsächlich einen wahren Kern hat. Denn was war das für ein Gelächter, so viel Spott und Häme, als die Bayern Liverpool zugelost bekamen, irgendwann kurz nach einem Heim-Remis gegen Augsburg oder so, x Punkte hinter der Tabellenspitze und kurz vor der Beurlaubung des frisch verpflichteten Trainers vor gerade einmal ein paar Monaten. Und nun? Wirkt Jürgen Klopps ehemalige Supertruppe wie ein besserer Regionalligist und wird von den altbekannten Dominanz-Bayern unweigerlich in Richtung CL-Aus gedrängt. Der Fußball, er ist halt wirklich einfach ein schnellleb... ach, lassen wir das.

21.

Hummels Zweikampfsieger gegen Wijnaldum. Formt jubelnd ein C mit den Händen, als Dank an Grippostad C, das ihm aus der schweren Krise im Herbst herausgeholfen hat.

23.

Joel Matip gerade am Ball. Ein Ex-Schalker also. Allein das müsste nach deren gestriger Nicht-Vorstellung ein Straf-0:1 geben.

28.

Shit. Bzw., für unsere bayrischen Freunde: Kruzifixnsaupreissnbamhackleterbockfotzngsicht, gwamperte. Denn: Der FC Liverpool geht in Führung. Mané schüttelt Rafinha ab, dreht sich um Manuel Neuer und schiebt ein. Und die Bayern brauchen zwei Tore.

31.

Tja, im Liverpooler Stadionhit heißt es ja: You'll never walk alone. Und naja, und irgendwie stimmt das halt ausnahmsweise doch nicht, wenn man Mané im Laufduell mit Rafinha sieht.

33.

Der FC Liverpool hier kein würdiger Vertreter seines Landes: Will unbedingt in Europa bleiben.

35.

Nächste Chance Liverpool, dann Ecke, dann nochmal ecke. Die Engländer jetzt näher am 2:0 als die Bayern am Ausgleich. Hoeneß Kopf mittlerweile so rot, dass sich die »Reds« aus Ehrfurcht in die »Rose-coloured« umbennenen sollten.

39.

Und Tooooooooor für die Bayern, scharfe Hereingabe Gnabry und in der Mitte entdeckt Joel Matip den Ex-Schalker in sich und netzt ins eigene Tor ein. 1:1 für die Bayern. Bzw. 8:0 für Manchester City, wie man's sieht.

44.

Nächste Chance Bayern, Alaba mit dem Freistoß. Dann ein Flankenlauf von Ribéry, dann eine Großchance von Lewandwoski. Leute, gibt es eigentlich einen Doppelherz-Bringdienst? Frage für einen Freund.

45.+2

Pause. »Das Beste, was den Bayern passieren konnte, war das 0:1,« so Co-Kommentator Didi Hamann. Eine Logik, über die ich jetzt erstmal nachdenken muss. Möglicherweise lege ich dazu den Kopf in die Zimmertür und schlage sie ein paarmal zu. Das wäre nach Hamanns Logik schließlich das Beste, was mir für den Denkprozess passieren könnte. Oder so.

22:03 Uhr

Geil übrigens: Boris Becker als Studiogast bei Sky. Neben Lothar Matthäus. Würde mich nicht wundern, wenn gleich auch noch Detlef Schrempf, Anke Huber, Daniel Stephan und Erik Zabel reinschlendern. Werde gleich mal gucken, ob ich überhaupt Premiere empfange. Und ob nicht nachher vielleicht noch die Wochenshow auf Sat1 läuft, damit ich über Marco Rimas Sensations-Gags lachen kann. Aber erst geh ich E-Rotic pfeifend in die Küche und hole mir eine Packung Lunchables. In Buffalos.

22:04 Uhr

Oli Bierhoff mit Bayern-Schal auf der Tribüne. Wie im Pokalfinale. Hust.

46.

So, weiter geht's. 45 Minuten noch, Crunchtime also und oh mein Gott, jetzt habe ich mir vorgestellt, wie Lothar Matthäus das Wort »Crunchtime« ausspricht und habe eventuell einen Schlaganfall.

48.

Erstmal hat Thiago auf die Socken bekommen, quasi mit Anpfiff. Auch das die gute alte Kreisliga-Schule. Kann Klopps Kabinenansprache fast hören: »Hömma, den kleinen Sechser mit den bunten Schuhen, der mal höher gespielt hat, den trittste erstmal um, dann hammwer Ruhe.«

50.

Ui, Salah mit einem Gewaltschuss, den werden Neuers Enkel noch an den Fäusten vibrieren spüren. Junge, junge.

54.

Chance Liverpool, Konter Bayern, dann wieder Konter Liverpool. Geht hier jetzt mehr hin und her als im Grindel-Interview heute. Herr Salah, bitte. Nein, Herr Lewandowski. Herr Salah, wir haben doch noch gar nicht... Jetzt lassen Sie es sein, Herr Lewandowski. Herr Salah. Herr Salah? Herr Salah, bitte. Nein, Herr Lewandwoski. Bitte, Herr Salah. Wir lassen es jetzt sein, Herr Lewandowski. Herr Salah? Bitte, Herr Salah...

58.

Übrigens: Bastian Schweinsteiger ist heute im Stadion. Und verdammt, genau den bräuchten die Bayern jetzt, wo sie zusehends passiver werden. Den 2014er-Schweini bräuchten sie, der sich 120 Minuten lang von Argentiniern treten lässt, ohne dass ihm das was ausmacht. Der trotzdem als Sieger vom Platz geht, auch wenn ihm die Wange blutet. Den Helden-Schweini, den die Mitspieler in Momenten der Verzweiflung angucken und denken: »Ja. Danke.« Der Schweini, der eine ganze Mannschaft auf die Schultern nimmt und mit ihr in Richtung Gloria läuft, locker und voller Über- und Umsicht. Ach, Schweini, wink doch mal wenigstens von der VIP-Tribüne, um der alten Zeiten Willen.

60.

Nicht im Stadion unterdessen: Philipp Lahm, der auf einer Müsliinvestorenkonferenz zum Thema »Amaranth« weilt, in einem Luxusressort auf der Schneekoppe. Vielleicht.

64.

Kleiner Gag am Rande: Was würden sowohl die Vierten Offiziellen als auch Eunuchen gerne mal machen: Den Jürgen würgen. Hahaha. Haha. Ha. Tschuldigung. Gehe eben meinen Sexualtherapeuten anrufen.

68.

Wie bitter, Tor für Liverpool. Bei einer Ecke steigt Virgil van Dijk so hoch, dass ihm Frost auf der Nasenspitze liegt, als er wieder runterkommt und einnickt. Und die Bayern brauchen wieder zwei Tore. Jetzt muss Lisa Müller offensiv wechseln.

71.

Nächste Chance für die Engländer. Also das tut mir wirklich leid, aber das ist auch keine professionelle Vorbereitung, wenn man am Abend bevor man selber ein Spiel hat, Schalke guckt.

74.

Das droht hier ein sehr enttäuuschender Abend für die Bayen zu werden. Aber gut, ist ja ohnehin ja der Tag der Enttäuschungen. Vorhin war ja Facebook down, und bei Gott, für einen wunderbaren, flüchtigen, goldenen Moment dachte ich, wir wären von diesem widerlichen, gefährlichen, Gesellschaft-zersetzenden Höllenwerkzeug befreit. Schade.

78.

Eieiei, Salah fast mit dem 3:1, dann aber eigensinniger als Homer Simpson beim Donut-All-you-can-eat. Aber so ist das halt, Ball weg, der freistehende Mané meckert und es bleibt die alte Simpsons-Wahrheit: Man findet keine Freunde mit Salah-ah, man findet keine Freunde mit Salah-ah.

81.

»Alaba bleibt hängen«, so Fuss. Ein Satz, so dahingesagt nach einem verunglückten Dribbling. Und zugleich eine tiefergehende Analyse der sportlichen Entwicklung Alabas seit 2013.

84.

Virgil van Dijk also auf dem Weg zum Matchwinner. Kommt mir immer so vor wie einer, bei dem sich die Eltern nicht entscheiden konnten, ob sie ein Kind zeugen oder einen Kleiderschrank kaufen wollten.

85.

Oh, Roberto Firmino geht raus. Muss wahrscheinlich noch rechtzeitig zu seinem Nebenjob als Fernlicht.

85.

Und das war's, Salah mit der Flanke, Mané mit seinem zweiten Tor. 3:1 Liverpool. So ist das halt: Mo Mané, mo problems.

86.

Kurios: Damit ist Eintracht Frankfurt die letzte verbliebene deutsche Mannschaft im Europacup. Und mein 2016er-Ich zeigt mir gerade den Vogel.

89.

Bliebe die Frage: Hat das Aus Konsequenzen? Muss Kovac nun um seinen Job bangen? Allein: Wer soll es machen? Peter Neururer ist seit heute sportlicher Leiter von Wattenscheid 09. Damit ist eine, vielleicht die hochkarätige Option vom Markt. Waren die Bayern-Bosse mal wieder zu langsam, wie bei Tuchel oder Klopp? Bitter.

90.

Drei Minuten Nachspielzeit. Das Zeit-Äquialent zu einem resignierten Schulterzucken.

22:56 Uhr

Und das war's: Die Bayern verlieren gegen Liverpool 1:3 und fliegen aus der Königsklasse. Bester Münchner an diesem Abend: Ganz klar Franz Beckenbauers Gangster-Hut. Muss Niko Kovac nun zittern? Wird er vielleicht durch das von Hasan Salihamidzic gescoutete Kopfballpendel von Virgil van Dijk ersetzt? Und wie viele Sonnen hell strahlen Roberto Firminos Zähne? Antworten auf diese Fragen demnächst auf 11freunde.de. Vielleicht. In diesem Sinne: Schönen Abend noch.