Liveticker
Salzburg – Bayern München 1:1
Champions League

20:45 Uhr

Hallo und herz­lich Will­kommen. End­lich wieder Cham­pions League. End­lich wieder die Bayern. Zu Gast bei RB, tschul­di­gung, FC Salz­burg. Dem kleinen, großen Bruder der Leip­ziger. Denn wie heißt es so schön? Großer Bruder, du bist immer da. Großer Bruder, kann dir alles geben.“ Und das beschreibt die Trans­fer­po­litik der beiden ja ganz gut. Ölt also die Stimm­bänder: Ste­phan Zlatko“ Reich und Tobi Jürgen“ Ahrens.

20:51 Uhr

Kol­lege Reich macht mich den­noch nervös. Beim Anblick des Kon­zern­klubs schwillt ihm die Hals­schlag­ader an und er tickert mit den Fäusten. Jetzt noch eine Fackel­mann­mütze auf dem Kopf und es tickert Axel Schulz.

20:54 Uhr

Ganz liebe Grüße gehen raus an die Scouts aus Leipzig. Ihr Lieben, die die nur nach harten, aber immer fairen Ver­hand­lungen zu euch kommen könnten, spielen in Weiß. Die in Rot kommen eh nicht mehr zurück.

20:58 Uhr

Neuer wei­terhin ver­letzt. Für ihn spielt Ulreich. Mich über­fallen spon­tane Stefan-Wes­sels-Gefühle. Streife mir soli­da­risch eine Jack-Wolfskin-Jacke über und ver­handle mit dem 1. FC Köln.

1.

Anstoß. Wün­sche vor allem auch all den Fans viel Spaß, die wegen der neuen DAZN-Preise eine Niere ver­kaufen mussten und das Spiel nun im Dia­ly­se­zen­trum gucken. Enjoy!

4.

Uiuiui, Süle direkt mit dem Wackler, ver­liert den Ball und legt sich dann sogar lang. Aber gut, der Mann muss nächstes Jahr an der Seite von Mats Hum­mels sichere Punkte gegen Frei­burg, Union, Augs­burg, Mainz und wie sie alle heißen ver­dad­deln. Schon ok, dass er sich da jetzt schonmal niveau­mäßig ein­groovt.

8.

Spiele der Bayern gegen RB-Klubs sind für mich, eigent­lich pas­sio­nierter Bay­ern­hasser, übri­gens sel­tene Gele­gen­heiten, den Bayern mal die Daumen zu drü­cken. Hier mal ein exklu­siver Blick, wie ich heute tickere:
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10.

Flottes Spiel von Salz­burg zu Beginn. Hier mal eine Ecke, da mal ein Fern­schuss. Schade, dass das kein rich­tiger Fuß­ball­verein ist, sonst könnte man die fast mögen.

12.

Erste Chance für die Bayern, Gnabry zieht von außen aufs lange Eck, schei­tert aber am Keeper. Naja, kann ja nicht jeder ein Gerrit Holt­mann sein.

15.

Bei RB Salz­burg an der Sei­ten­linie übri­gens: Mat­thias Jaissle. Die älteren unter euch kennen ihn noch von Hof­fen­heim circa 2008. Die noch älteren als siebtes Mit­glied von Bro’Sis:
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17.

Die Bayern kommen so langsam ins Spiel, werden beim Gegner in dessen Sech­zehner vor­stellig. Oder wie wir Nord­deut­schen sagen würden: Ahoi, Brause.

19.

Kol­lege Philipp Pern­kopf aus der 11FREUNDE-Foto­re­dak­tion ist Öster­rei­cher. Saß heute Abend ver­zwei­felt auf seinem Stuhl und sagte: Wenn’s irgendein öster­rei­chi­scher Klub wäre, irgend­einer, der end­lich mal wieder im Ach­tel­fi­nale wäre, ich wäre so auf­ge­regt.“ Nur um den Kopf zu schüt­teln und mit ver­bit­teter Ton­lage zu sagen: Und jetzt? Jetzt sind’s die Salz­burger.“ End­lich wieder inter­na­tional eine Rolle spielen und dann nur dank Brause-Gelder. So müssen sich also Öster­rei­cher fühlen. Oder alle Men­schen in Ost­deutsch­land. Und also: Bei­leid.

21.

Und jetzt? Tor. Für Salz­burg, die hier auf­treten, wie in einem Comic. In dem jeder Spieler ein­fach sehr viel schneller ist als die Jungs vom FC Bayern. In dem Fall gewinnen die Öster­rei­cher den Ball an der eigenen Straf­raum­kante und dann geht es ganz schnell, bezie­hungs­weise: BÄNG, WOOSH, ZOOOOM. Und dann macht es BOOM! und Ulreich ist geschlagen. Salz­burg führt, zumin­dest in diesem Mul­ti­versum.

24.

1:0. Ein Zei­chen, dass die Abschaf­fung der Aus­wärts­tor­regel – wenn ich sie richtig ver­standen habe – keine gute Idee war.

25.

25 Minuten gespielt. Erstes Fazit: Mat­thias Jaissle rasiert.
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27.

Keine Frage, guter Fuß­ball, den die Salz­burger dort spielen. Wird bestimmt toll für die Bun­des­liga, wenn sie dort in ein­ein­halb Jahre alle­samt auf­treten.

30.

Die Bayern mit der ersten starken Chance! Weil Coman an der Mit­tel­linie gelegt wird, aber Kim­mich sofort nach­setzt und den Ball auf die rechte Seite ver­la­gert. Dort kommt Sané am Sech­zehner an den Ball, dann aber wie meine Gesichtszug, wenn es in der Mensa wieder nur Gutes vom Vortag“ gab: Ver­zieht.

35.

Wird ein biss­chen inten­siver, erst Gelb für RB, dann Gnabry und irgendein Salz­burger mit Schma­ckes Knie an Knie. Und ich weiß nicht warum, viel­leicht habe ich einen Hirn­pa­ra­siten oder so, aber immer wenn ich die Phrase Knie an Knie“ höre, wün­sche ich mir eine Fuß­ball-Ver­sion von Blüm­chens Euro­dance-Hit Herz an Herz“ von 1996. Knieeeee an Knieeee, hörst du mich, S.O.S, was für ekel­hafte Schmerzen, ich und du, immerzu, tret ich dich aus dem Spiel.… utz utz utz utz utz…

37.

Liebe übri­gens diesen Zirkus, dass sich RB Salz­burg im Euro­pacup FC Salz­burg nennt. Erin­nert mich an den Dude aus dem Stu­dium, der sich den Frauen wochen­ends im Klub als Snake“ vor­stellte. Ist klar, Bene­dict, viel Erfolg.

40.

Ohlala, was ein Sei­ten­wechsel von Tolisso. Wer ihn nochmal sehen will: Wird bestimmt dem­nächst bei You­porn hoch­ge­laden.

44.

Was die Kameras nicht zeigen: An der Sei­ten­linie zer­dep­pert Julian Nagels­mann vor Frust sein Long­board an der Kante der Quar­ter­pipe.

45.+1

Und Pause. Geiles Pfeiff­kon­zert der Salz­burger, weil sie gerade noch einen Elf­meter haben wollten. Aber viel­leicht ist das auch nur Didi Mate­schitz‘ Dog Whistle.

21:58 Uhr

Dass Sandro Wagner jedes Mal daran schei­tert, FC“ Salz­burg zu sagen, lässt nur hoffen, dass er nie mit seinen Neffen über die Exis­tenz des Weih­nachts­manns spre­chen muss.

46.

Noch 45 Minuten in Salz­burg. Oder wie Berater sagen würde: Junge, der Mint­z­laff hat gerade ange­rufen.“

48.

Frage: Wenn Salz­burg hier die Bayern aus­ein­ander nähme und ins Vier­tel­fi­nale ein­ziehen würde, wären sie dann wieder die Nummer 1 im RB-Impe­rium? Würden dann bald wieder die besten Leip­ziger über die Alpen zurück­wan­dern? Dome­nico Tedesco wochen­tags ein Prak­tikum in Öster­reich machen? Leipzig zu einem her­un­ter­ge­stutzten Teil­nehmer der Regio­nal­liga Nordost ver­kommen? Denn falls ja, dann habt ihr meine Stimme. Lauft, ihr Salz­burger, lauft, ihr drol­ligen Nichts­nutze.

50.

Bin übri­gens emo­tional ange­schlagen, weil ich gerade einen Umzug orga­ni­siere. Ziem­lich stressig. Auch weil mich die stän­dige Erwäh­nung von Brause“ daran erin­nert, dass ich noch einen Dusch­kopf aus dem Bau­markt holen wollte. Keine unan­ge­nehmen Asso­zia­tionen beim Anblick von Niklas Süle hin­gegen. Mein Kühl­schrank funk­tio­niert.

53.

Moment mal – ist es nicht so, dass die in Leipzig und Salz­burg und New York und Bra­si­lien überall den glei­chen Fuß­ball spielen lassen? Und dass der jah­re­lange Chef­trainer dieses Kon­strukts nun mit den Bayern kein Mittel gegen diesen, also irgendwie auch seinen eigenen Fuß­ball findet? Also wenn mich ein Klei­der­schrank aus 365 Jacken und ein Long­board nicht längst den Ver­dacht hegen ließen, würde ich des­halb fragen wollen: Ist der viel­leicht auch ein kleines biss­chen doof?

57.

Salz­burg läuft Bayern weiter davon. Aber irgendwie ja auch ulkig, dass die Lösung auf den immer durch­dach­teren Fuß­ball scheint, dass eine Mann­schaft ein­fach nur sehr viel schnel­lere Spieler auf­stellt. Und dann gewinnt. Als würde ein Auto­mo­bil­kon­zern die Ener­gie­wende damit lösen wollen, dass seine Inge­nieure ein­fach nur noch stär­kere PS-Boliden baue… Oh.

59.

Bayern über­lässt Süle den Spiel­aufbau. Muss man den Jungen vor seinem Wechsel noch derart ver­un­si­chern?

61.

Müller lässt sich im Straf­raum fallen. Beim letzten Mal, als er so billig etwas gewinnen wollte, hat er seinen Pferden einen Unter­stell­bullen rein­ge­schoben.

63.

Langsam auch Gefühle wie beim Kanz­ler­duell, wenn einem nach 60 Minuten klar wird: Okay, das war bis hierhin ja ganz witzig, aber von den beiden gewinnt jetzt einer?!

65.

Die Bayern: Ver­lieren das zweite Spiel in Folge

Diverse Spieler der SpVgg Fürth vor der Abreise nach Mün­chen am Sonntag:

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69.

Wer mir wirk­lich gut gefällt ist der Camara im zen­tralen Mit­tel­feld. Stelle mir vor, dass Fritz Egner den für die Bayern ges­coutet hat und dann Nagels­mann und Co. ein High­light-Video mit dem Titel Vor­sicht, Kamera“ in der Ana­lyse prä­sen­tiert hat.

73.

So ein Abend als Bay­ern­sym­pa­thi­sant ist emo­tional schwierig für mich. Hab mich schon drauf ein­ge­stellt, im inneren Por­sche auf die Son­nen­seite des Fan­le­bens zu brausen, eine Hand am Hen­kel­pott, die andere an einem Maß­krug. Und dann ver­lieren die ein­fach. Liegt es viel­leicht an mir? Bin ich ver­flucht und zu einem Leben als erfolg­loser Fan ver­dammt, egal wel­chem Klub ich mich anschließe? Und: Ist das nicht viel­leicht auch eine Super­kraft, mit der ich unlieb­same Klubs in frus­trie­rende Mit­tel­ma­ß­exis­tenzen hin­ab­reißen kann? Wahr­schein­lich nicht. Ich kaufe mir aber trotzdem mal eben einen RB-Leipzig-Schal online, sicher ist sicher.

77.

Jun­ge­junge, Ecke RB, dann Bayern mit dem Konter, aber weder Sane noch Gnabry kriegen den Ball über die Linie. Bleibt also beim 0:1. Fänd es ja wirk­lich fast geil, wenn der FC“ Salz­burg ein­fach mal die Cham­pions League gewinnen würde. Ein­fach, damit auch dem letzten Men­schen klar wird, was der moderne Fuß­ball für eine kolos­sale Shitshow ist.

77.

Ich leg mich fest: Wenn die Bayern hier ver­lieren, ist es völlig egal, ob sie Por­sche oder Las­ten­fahrrad fahren.

78.

Bayern will Sabitzer bringen. Aber Leipzig kauft ihn vom Fleck weg und ver­leiht ihn schon wieder an die Salz­burger. Tja.

81.

Salz­burg mit der nächsten Chance! Sie laufen mit fünf Mann auf Ulreich zu, Pavard klärt auf der Linie. Wäre der Ball rein­ge­gangen, wäre es die Vor­ent­schei­dung gewesen, so bleibt es Salz­burg auf der Wunde.

84.

Kol­lege Reich schüt­telt den Kopf: Junge junge.“ Und immer wieder: Junge junge.“ Wie so ein Rentner am Ama­teur­sport­platz, der hier, bei der SpVgg Trost­los­dorf vor 40 Jahren auch die Schlappen hin­ge­halten und mit Jochen und Achim und Werner den Bezirks­pokal gewonnen hat, der noch immer in der Ver­eins­kneipe steht und heim­lich von den Ver­blie­benen jeden Sonntag blank poliert wird. Damals, als es noch keinen lila Schein am Monats­ende gab. Und der nicht glauben kann, dass die Jungs, die mit dem Golf GTI zum Sport­platz kommen, in ihren neon­gelben Schüh­chen auf­laufen und sich vor Anpfiff noch die Haare gemacht haben, wirk­lich kicken können. Und der dann mit ansehen muss, wie sie die SG Jawas­wei­ßich, gegen die Reich und seine Männer jahr­zehn­te­lang auf den Sack bekommen haben, an die Wand spielen. Und Reich steht an der Wer­be­bande und mur­melt: Junge junge.“ Und ich hol ihm schnell ein Bier.

86.

Salz­burgs Keeper Philipp Köhn nervt die Bayern der­maßen, würde mich nicht wun­dern, wenn es Chris­tian Ulmens stärkste Rolle wäre.

89.

Salz­burg sorgt weiter dafür, dass Süle den Ball bekommt. Soll keiner sagen, die Truppe wäre nicht per­fekt ein­ge­stellt worden.

90.

TOOOOR für die Bayern! Weil Pavard den Ball in die Mitte chippt, Müller im Luft­duell dafür sorgt, dass der Ball zu Coman kommt. Der hält drauf – 1:1 in der letzten Minute. Ein Tor, das schmeckt, so süß, sündig, ein Erwe­ckungs­er­lebnis, das die Kehle run­ter­rinnt, wie 330ml Monster-Energy.

90.+2

Wenn Thomas Müller jemals eine Statue gebaut werden sollte, und ich einen Wunsch frei hätte, dann bitte in jener Jubel­pose vom 1:1. Wie er dort steht, 100 Cham­pions-League-Spiele auf dem Buckel, alles gewonnen, aber einen späten Aus­gleich gegen die Truppe von RB offenbar so per­sön­lich neh­mend, dass ich ihm diese Statue bauen wollen würde. In Gold. Auf­ge­stellt direkt am Ufer von Fuschl am See.

90.+3

Natür­lich auch ein immens wich­tiges Tor im Hin­blick auf die Aus­wärts­torreg… ver­dammt.

90.+4

Com­ano­m­anoman: Was für ein Spiel. Die Bayern ent­führen ein Unent­schieden aus Salz­burg und haben im Rück­spiel nun alle Optionen. Wir ver­ab­schieden uns trotzdem jetzt, haben morgen in der Früh einen Termin beim Fri­seur. Einmal den jungen Jaissle, bitte.