Liveticker
Bayer Leverkusen – Eintracht Frankfurt 3:1
Bundesliga

18:16 Uhr

Guten Tag, liebe Lese­rinnen und Leser. Mein Name ist Jonah Lemm, ich bin freier Autor bei 11FREUNDE und ich möchte heute Danke sagen. Danke an alle Leser unseres Maga­zins, die seit jeher uner­müd­lich, ver­ant­wor­tungs­voll und mit klarer Hal­tung dafür sorgen, dass die Qua­li­täts­be­richt­erstat­tung in Sachen Fuß­ball-Bun­des­liga da bleibt, wo sie hin­ge­hört: Näm­lich hier, in den 11FREUNDE-Live­ti­cker. Und dafür sorgen, dass keine unnö­tige, flap­sige Floskel des Kicker“ uns ablenken kann von der Zustim­mung zu den sinn­vollen und immer ange­mes­senen Pointen unserer Redak­tion. Ver­ant­wor­tungs­losen, Gag-ver­ach­tenden Sport-Jour­na­listen, die zu anderen Schlüssen kommen, als die hier schrei­benden Hohl­birnen und die sich mit Stellen in renom­mierten Medi­en­häu­sern und Jour­na­lis­ten­preisen schmü­cken – ich möchte sagen tarnen – dürfen wir keine Bühne geben. In letzter Zeit habe ich aller­dings das Gefühl, dass einige Por­tale damit beginnen, alte, über­wunden geglaubte Vor­stel­lungen von seriöser Fuß­ball-Bericht­erstat­tung wieder auf­leben zu lassen. Dagegen müssen wir uns wehren. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir sollten uns ein­fach über alles und jeden lustig machen, der bei Sky“ ein Inter­view geben darf. Nur so kommen wir gut durch diese Saison. Bleiben Sie Fan. Ver­zwei­feln Sie ruhig (etwa wenn Sie Anhänger des FC Schalke 04 sind so wie ich), aber zwei­feln Sie nicht.

18:18 Uhr

So, Adi Hütter jetzt im Inter­view. Sagt: Ich glaube, es ist besser auf sich zu schauen und seine Haus­auf­gaben zu machen.“ Viel­leicht wech­selt er nach der Saison doch in die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz. Wir bleiben dran.

18:21 Uhr

Nach dieser kurzen Ein­lei­tung noch ein kleines Updatechen vorab: Der FC Bayern ist soeben mit 1:2 dem FSV Mainz unter­legen. Und somit noch nicht sicher Meister. Und in Mün­chen weiß man ja spä­tes­tens seit Karl-Theodor zu Gut­ten­berg: einen Titel kann man auch sehr spät noch ver­lieren.

18:23 Uhr

Aber wir sind hier, liebe Lese­rinnen und Leser, um über Ein­tracht Frank­furt gegen Bayer Lever­kusen zu spre­chen. Für die Ein­tracht geht es um nichts weniger als die erste Cham­pions-League-Teil­nahme der Ver­eins­ge­schichte. Laut 11Freunde-Infor­ma­tionen ist bereits Klaus Topp­möller auf einem lebenden Stein­adler in die Kabine geflogen gekommen, um der gesamten Mann­schaft noch eine Moti­va­ti­ons­zi­ga­rette zu spen­dieren.

18:25 Uhr

Was aller­dings gegen Frank­furt spricht: die Sta­tistik. 1:4, 0:4, 1:6, 1:4, 0:3, 0:3 lau­teten die Ergeb­nisse aus den ver­gan­genen Gast­spielen in Lever­kusen. Wird die Serie heute noch schlechter, wird das nächste Duell zwi­schen den beiden Klubs bei RTL2 über­tragen.

18:27 Uhr

Bayer-Trainer Hannes Wolf sagte vor dem Spiel über Frank­furt: Sie haben Spieler, die eine gewisse Physis und Härte haben. Das wird mit Sicher­heit ein inten­sives Spiel, wo wir voll dage­gen­halten und uns auch wehren müssen in den Duellen.“ Makoto Hasebe erleich­tert: Er kann heute also unbe­hin­dert auf­spielen.

1.

Und los gehts! Frank­furter bei den Pillen. Bahn­hofs­viertel repre­sent.

3.

Wirtz hängt im Abi-Stress, habe ich gerade gehört. Kennt man in Frank­furt glaube ich gar nicht. Da gibt’s nur Abi-Tour.

7.

Uff! Geht gut los hier. Gleich mal Dop­pel­chance für Lever­kusen. Erst Schick, dann Bailey, beide schei­tern an Kevin Trapp. Und auf der anderen Seite Silva frei­ste­hend aus acht Metern neben das Tor. Das Chan­cen­plus damit aus­ge­gli­chen.

10.

Bayer ist am Drü­cker. Die scheinen was gut machen zu wollen. Gegen Bayern letzte Woche weich, wil­lenlos, ängst­lich“, wie Sven Bender es zusam­men­fasste. Bezie­hungs­weise wie Olaf Scholz das nennt: Wahl­kampf.

13.

Autsch! Frank­furts Hin­ter­egger streckt Pala­cios am Mit­tel­kreis nieder, der muss behan­delt werden. Hin­ter­egger auch irgendwie so ne Art Schlä­gertyp, der aber aus­sieht als würde er sich von Frucht­zwergen ernähren.

17.

Frank­furts Stürmer André Silva bisher noch nicht wirk­lich im Spiel. Aber mal ganz kurz: Wie krass ist das eigent­lich, so einen da vorne drin zu haben und als Backup sitzt Jovic auf der Bank!? Das hät­test du auch keinem erzählen können, dass Frank­furt mal so einen Sturm haben wird. Für mich ist die Ein­tracht immer noch Tabel­len­mit­tel­feld bis Abstiegs­zone, Sturmduo aus Ioannis Amana­tidis und Nao­hiro Taka­hara, Mit­tel­feld Ben­jamin Huggel, hinten drin Markus Pröll und auf der Brust Fra­port.

18.

POV: Der Chef des hippen Ber­liner Start-Ups (Ver­gleichs­portal für Bohr­ma­schi­nen­auf­sätze), in dem du 60 Stunden die Woche für 1500 Euro netto schuf­test, will mit dir beim Mit­tag­essen im Super­food-Restau­rant über Fuß­ball reden.

Lahm

20.

Meine Fresse, Lever­kusen presst hier so aggressiv, dagegen hast du in der ersten Reihe beim Iron-Maiden-Kon­zert Bein­frei­heit. 

22.

Frank­furt schafft es den­noch irgendwie nach vorne, holt einen Frei­stoß aus gut 25 Metern raus. Kostic flankt von links rein, aber Lever­ku­sens Abwehr hier mit klarer Soli­da­ri­täts­be­kun­dung in Rich­tung deut­sche Schau­spiel-Elite: machen #alles­dicht. Wei­terhin 0:0.

24.

Man hört im Stream jetzt das Mar­tins­horn eines Poli­zei­wa­gens. Aus einer Loge schreit Rudi Völler: Ey, der Kree spielt hier doch schon lange nicht mehr. Fahrt weiter!“

26.

Demirbay mit Stan­dard von rechts, Tap­soba köpft vorbei. Knappes Ding. Soll nochmal einer sagen, es gäbe keine schönen Ecken in Lever­kusen.

29.

Lever­ku­sens Flo­rian Wirtz hier so prä­sent, so raum­er­grei­fend, so ent­schlossen – es würde mich nicht wun­dern, wenn er seine Posi­tion am Ende an Armin Laschet ver­liert.

32.

Frank­furter mitt­ler­weile mit psy­cho­lo­gi­schem Vor­teil, weil im Hin­ter­grund seit ein paar Minuten Sirenen heulen. Kennt man ja von zu Hause. Jetzt über rechts mit Maghreb Erik Drum, Rie­sen­eisen am Hosen­bund, will flexen und zieht ab. Hra­decky aber macht kein Tijara und pariert. Weiter 0:0, Cho!

37.

Frank­furt mit Kostic. Macht’s hinten rum. Wie die FIFA beim Gründen einer Quat­sch­liga.

40.

Das Spiel flacht gerade ein biss­chen ab. Mir hat das Zeit gegeben, mal zu schauen, wer Vierter Offi­zi­eller ist (was man halt so macht). Na ja, jeden­falls ist es Sven Jablonski. Ein­fach ein geiler Name, oder? Der könnte sich in Bang Boom Bang gut an Kalle Gra­bowski, Keek und Andy Fink reihen. 90 Minuten Hard­core – echte Gefühle. Bezie­hungs­weise 60 noch. Weiter geht’s.

45.

Ui. Drei­er­chance für Lever­kusen jetzt. Erster Schuss geblockt, zweiter gehalten, dritter drüber. Was würde mit einem poten­ti­ellen vierten pas­sieren? Wir werden es nie wissen. Wahr­schein­lich hätte den einer flach oben rechts in den Knick gesto­chert oder so. Wie auch immer. Wir machen mal Pause.

19:21 Uhr

Pause. 0:0. Und damit wei­terhin ein Tor­ver­hältnis aus den letzten sechs Auf­ein­an­der­treffen von 3:24 aus Sicht der Frank­furter. Oder wie sie auf Schalke sagen: Her­aus­ra­gender Wert“.

19:23 Uhr

Dinge, die kein Tou­rist jemals, aber Lothar Mat­thäus sagt, Folge eins: Lever­kusen gefällt mir sehr gut.“

19:31 Uhr

Auch im internen Chat der Autoren dieses Live­ti­ckers hält man es mit Klaus Topp­möller. 

Bildschirmfoto 2021 04 24 um 18 48 51

19:33 Uhr

Die zweite Halb­zeit wird prä­sen­tiert vom Hanuta“-Riegel. Was mir ins Gedächtnis ruft, dass die Infor­ma­tion, Hanuta ist ein Akronym für Hasel­nuss­ta­sche“, schon zu beträcht­li­chem Maße mein Leben ver­än­dert hat. Also: Gern geschehen.

46.

Spiel jetzt wie Quer­denker auf einer Demo, wenn die Polizei sie ermahnt, Masken auf­zu­ziehen: Läuft weiter.

47.

Hui. Kamada bekommt den Ball direkt richtig schön auf­ge­legt, schießt aller­dings wenige Zen­ti­meter am Pfosten vorbei. Einen so schnellen Start kenne ich sonst nur aus Black-Metal-Songs.

50.

Lever­kusen hin­gegen unter Wolf echt so aufs Umschalten fokus­siert, man könnte meinen, hier spielen elf Elek­triker. Frank­furt ver­liert den Ball im Mit­tel­feld, Bel­la­rabi bekommt ihn, lässt sich viel Zeit, am Ende funk­tio­niert’s trotzdem nicht. Ver­spricht wie­der­zu­kommen, mit dem rich­tigen Schrau­ben­zieher, bittet noch schnell Trapp, einmal hier und hier und hier zu unter­schreiben, nimmt seinen Werk­zeug­kasten und ist weg.

53.

Kor­ri­giere, bei Alek­sandar Dra­gović denke ich oft: Mit der Frisur kann er zur Not auch noch eine Zweit­kar­riere als Tür­steher auf der Ree­per­bahn anfangen.

55.

Boah, irgendwie ist echt biss­chen lang­weilig hier gerade. Viel­leicht liegt’s aber auch daran, dass keiner der Lever­ku­sener Spieler mehr Bock hat, die Tor­hymne Rockin‘ all over the world“ zu hören. Wolf zu Völler: Mach mal Capital Bra, dann treffen die auch wieder.“ Völler: Kapital? Von Marx? Wir sind hier doch keine Kom­mu­nisten.“ Wolf: Was?“ Völler: Ihr Roten wart mir noch nie geheuer!“ Wolf: Rudi, ich mein den Künstler, Wla­dislaw Balo­wazki.“ Völler: Bara­nowski?!“ Wolf: Nein, der Rapper, man.“ Völler: Ach so. Also ich hab‘ jetzt nur Classic-Rock-CDs hier.“ Ab.

59.

Lever­kusen wech­selt: Bel­la­rabi geht, Diaby kommt. Wir kno­beln das kurz am Rechen­schieber aus … jap, immer noch 0:0.

62.

Kevin Trapp fragt nochmal nach: Diaby?“ Flo­rian Wirtz: Nein Kevin, DAS Abi.“

65.

Silva ist nach wie vor kaum zu sehen. Tab­soba und Tah nehmen ihn gut aus dem Spiel. Der Silva Surfer irrt hier eher ein wenig umher wie Eltern im soge­nannten Inter­netz. Immerhin ist er jetzt auch auf Face­book. Wenn er nur dieses blöde WLAN-Kabel finden würde.

69.

TOOOOOR! Da hatten wir schon die Milch mit Honig auf­ge­setzt, Kuschel­so­cken ange­zogen und uns bett­fertig gemacht, so ermü­dend das hier im zweiten Durch­gang lief. Und dann das: Diaby schau­felt den Ball herr­lich aus dem Halb­feld an die Grund­linie, wo Leon Bailey ein­ge­sprungen kommt und den Ball rein­strei­chelt. Zuckersüß. Wie dieser iri­sche Sahn­e­likör. 1:0 Bayer.

74.

Damit liegen die Frank­furter Stand Jetzt nur noch einen Punkt vor dem BVB. Und so kenne ich die Ein­tracht! Dass sie sich gegen Ende der Saison (ähn­lich wie Glad­bach und Hertha) alles ein­reißen, was sie sich das Jahr über auf­ge­baut haben. Aber, aber: Baryssau ist bestimmt eh schöner als Man­chester.

77.

Damit würden mit Sicher­heit die Dis­kus­sionen um Adi Hütter wei­ter­gehen. Er bleibt ja, hat er ja gesagt. Um ein paar Wochen später bei Glad­bach zu unter­schreiben. Ich bin ja sowieso dafür, dass solche Lip­pen­be­kennt­nisse im Fuß­ball ver­schwinden. Lieber kom­plette Trans­pa­renz: Ob ich in Frank­furt bleibe? Haha, Sie sind ja lustig. Waren Sie mal dort? Dagegen wirkt Offen­bach wie Bel­lagio.“ Oder Hannes Wolf: Ob Lever­kusen mein Wunsch­ziel war? Jetzt wollen Sie mich aber auf den Arm nehmen. Das hältst du doch im Kopp nicht aus, diese Apo­theker-Truppe länger als ne halbe Saison zu trai­nieren. Ne, außerdem bin ich beim Fuß­ball gelandet, weil ich irgend­wann in meinem Leben auch mal was gewinnen will.“ Okay einer noch. Haa­land: Lang­fristig in Schwarz­gelb? Sieht man ja in NRW unter Armin Laschet was Schwarz-Gelb alles anrichtet. Also um es deut­lich zu machen: Ich würde den Fetzen lieber heute als morgen aus­ziehen. Sky­blue find ich hin­gegen ganz schön.“

81.

Und wäh­rend ich mir irgend­einen Quatsch zusam­men­dichte, spielt Lever­kusen weiter Fuß­ball. Bailey auf Alario. 2:0. Er macht hier alles klar. Die mensch­ge­wor­dene Scheu­er­milch.

82.

Hütter wech­selt zum fünften Mal. Irgendwo lacht John Bur­ridge und kriegt gerade noch so ein Anfänger“ her­aus­geprustet.

85.

Frank­furt jetzt wie die Ber­liner Dro­gen­streife vor der Groß­kon­trolle am Kotti: Hat noch nicht auf­ge­geben, weiß aber ins­ge­heim auch: das eine Tor ändert auch nichts mehr.

87.

Amiri pro­biert’s nochmal aus der Ferne. Gehalten. Wenn’s noch ein biss­chen egaler wird, schalte ich gleich für bes­sere Unter­hal­tung eine alte Bun­des­tags-Debatte ein.

90.+1

1:2. Flanke Zuber auf Silva, der köpft ins Netz. Anschluss Frank­furt. Die Frage nur: Wohin geht die Reise?

90.+1

Ant­wort: Ins Wir-holen-hier-auf-keinen-Fall-noch-einen-Punkt-Land. Demirbay aus 20 Metern mit einem Strahl, der alle Was­ser­werfer dieser Nation nei­disch macht. Tuta fälscht ab. 3:1. Martin Groß legt sich fest: Das Ding ist durch.“ Mir gefällt dieser neue Mut bei Sky“.

90.+3

Abpfiff. Lever­kusen gewinnt, und das ver­dient. Bewahrt sich so seine Chance auf die Cham­pions League. Der Akti­en­markt reagiert umge­hend.

Bildschirmfoto 2021 04 24 um 18 48 51

20:29 Uhr

Fredi Bobic im Inter­view. Lothar: Hallo Fredi!“ Bobic: Servus Lothar!“ Pro­gramm­un­ter­bre­chung. Plötz­lich im Bild: eine rie­sige Zere­monie, ein Orchester spielt. Sky“ kriegt den Ad-hoc-Grimme Preis ver­liehen, Kate­gorie: Beson­dere jour­na­lis­ti­sche Distanz“. Bewe­gend.

20:32 Uhr

Bobic: Wir müssen auf uns selbst schauen.“

Hell­mann: Lothar?“

Mat­thäus: Ja.“ 

Unter­hal­tungen wie bei Warten auf Godot.

20:35 Uhr

Bobic: Ein­tracht Frank­furt ist ein­fach eine gute Adresse.“ Wusste gar nicht, dass es das in Frank­furt gibt: Gute Adressen.

20:35 Uhr

So Leute, bevor jetzt Ecki Häuser noch Tah fragt, wie er Lothar Mat­thäus‘ Haar­schnitt findet, schalten wir ab. War doch in Ord­nung. Bezie­hungs­weise: Reicht dann auch. Tschüss. Bis bald. Hof­fent­lich. Bestimmt. Sicher­lich. Das sieht man dann. Wir schauen jetzt erstmal auf uns. Wichtig ist, dass wir für unseren Bei­trag für’s Team leisten. Wir müssen jetzt den Kopf hoch­halten. Die Zähne zusam­men­beißen. Nochmal alle Kräfte akti­vieren. Ist noch alles drin. Aber wo eigent­lich? Wir gehen mal suchen. Also dann.