Liveticker
Wales – Dänemark 0:4
EM

17:45 Uhr

Guten Abend, liebe Freunde, will­kommen zum Ach­tel­fi­nale! Da denkt man vor der EM, alles Mist, kein Bock auf Corona-Ball und einen auf­ge­bla­senen Tur­nier­modus, keine Lust auf Uefa und Kom­merz. Und nun sitzt man wieder hier als wäre man zehn Jahre alt und würde sich bei der EM 1992 über Danish Dyna­mite freuen, zit­ternd nach zwei Tagen Fuß­ball-Entzug und tat­säch­lich voller Vor­freude sich auf das Ach­tel­fi­nale zwi­schen den Wales und Däne­mark.

17:48 Uhr

Das Spiel findet übri­gens in Ams­terdam statt. Waliser dürfen wegen der Delta-Vari­ante nicht anreisen. Es wird also ein Heim­spiel für die Dänen, die ohnehin nach dem Tur­nier­ver­lauf die Sym­pa­thien auf ihrer Seite haben. Wo wir schon mal in Ams­terdam sind, bal­lern wir uns nach dem Fuß­ball-Entzug gleich mal eine ordent­lich Ladung Dyna­mite Haze aufs Smør­re­brød.

17:51 Uhr

Wäh­rend Gerd Gottlob anmo­de­riert und doch ein paar Waliser unter den 16.000 Fans im Sta­dion aus­ge­macht hat (wahr­schein­lich in irgend einem Coffee-Shop auf Red Dragon hängen geblieben), prä­sen­tieren wir nochmal in der 11-Freunde-Taktik-Ana­lyse alles, was man über das Spiel der Waliser wissen muss: Gareth Bale.

17:54 Uhr

Die wali­si­sche Hymne der Waliser wird offenbar in der »Land­schaft-Men­schen-Sprache« der Waliser vor­ge­tragen. Zumin­dest behaupt Gottlob das. Dann singen aber doch voller Inbrunst die Dänen. Nun ja. Kasper Hjul­mands im Bild. Dessen Vor­bilder sind im Übrigen Pep Guar­diola und Diego Simeone. Wie er das zusammen bekommt? Trägt Slim Fit Pull­over, ballt sein Gesicht zur Faust und gewinnt dann die EM, ganz ein­fach.

17:57 Uhr

Von wegen keine Waliser im Sta­dion. Laut­hals singen hier zahl­reiche klas­sisch bri­ti­sche Fans die »Land­schaft-Men­schen-Sprache« mit. Emo­tionen, wo man schwer beschreiben kann.

17:58 Uhr

Die Auf­stel­lungen: Bale (Wales) vs. Schmei­chel – Chris­tensen, Kjaer, Ves­ter­gaard – Stryger Larsen, Höjb­jerg, Delaney, Maehle, Braithwaite, Dams­gaard – Dol­berg (Däne­mark).

1.

Anpfiff. Bzw., für Gareth Bale: Abschlag.

3.

Erste Szene: Langer Ball der Dänen, Braithwaite wetzt hin­terher, getragen von einer Welle aus tau­senden Jaaaaaaaa„s der däni­schen Fans. Wird dann zwar nur ein Ein­wurf, habe aber das Gefühl, dass die däni­schen Spieler heute z.B. gar nicht in Flanken springen müssen. Sie lassen sich von den 16.000 Fans ein­fach in die Flanken pusten.

5.

Erst­mals Gareth Bale am Ball, was erstaun­li­cher­weise ein sofor­tiges Buh-und-Pfeif­kon­zert nach sich zieht. Frech­heit. Finde, so ein Ver­halten hat beim Golf nichts zu suchen.

7.

Ecke Wales. Bzw. wie es in der Lan­des­sprache heißt: Eck­lanfairpwllgwyn­gyll­go­ge­rychwyrn­drobwll­l­lan­ty­si­liogogo­goch­stoß.

12.

Ach, ach ach, diese Dänen. Als Geheim­fa­vorit gestartet, dann diese fürch­ter­liche Tra­gödie im ersten Spiel, Leben oder Tod nur eine Frage von Minuten und ein paar rich­tigen Hand­griffen. Und dann die Spiele, in denen man ihnen dabei zusehen konnte, wie sie sich diesen kolos­salen Schock nach und nach aus den Klei­dern schüt­telten, bis hin zu diesem kathar­ti­schen Füh­rungstor von Andreas Chris­tensen im letzten Grup­pen­spiel. Wahn­sinn. Und gäbe es einen Funken kos­mi­sche Gerech­tig­keit, dann würden sich diese Dänen, dieser ver­schwo­rene Haufen Freunde, die bei­nahe einen der ihren ver­loren hätten, ein­fach bis ins Finale durch­kämpfen, weiter und weiter, und am Ende reckt Chris­tian Eriksen den ver­dammten Pott, der so viel und doch auch gar nichts bedeutet, vom Rat­haus­balkon Kopen­ha­gens in ein Meer aus Armen und Tränen, ach ach.

15.

Gareth Bale mit dem ersten Abschluss, ver­zieht aber kolossal und meter­weit vorbei. Mault sofort den Caddy an: Mann, ich wollte das Holz, nicht das 9er-Eisen.“ Der Caddy: Ich bin der Lini­en­richter.“ Bale: Das ist eure Stan­dard­aus­rede, mh?“

18.

Das Spiel bisher eher aus­ge­gli­chen. Und unter Par ist hier bis­lang auch noch keiner. Außer viel­leicht die däni­schen Fans und ihre Emo­tionen. Wir pfeifen solange dieses Lied, damit wir nicht zu ein­seitig werden wie Tom Bar­telson.

21.

Triple-Ecke Däne­mark. Alle drei lächer­lich unge­fähr­lich. Haben sich bei ihren Stan­dards offenbar durch Lars von Trier beein­flussen lassen. Als Dogma: keine Action, keine Effekte, keine Tore. Dafür gibt es von mir kein Applaus.

23.

Plötz­lich steht Delaney voll­kommen frei an der Grund­linie im Straf­raum und muss nur noch den Ball anständig rein­bringen. Hält sich aber leider auch ans däni­sche Dogma und ver­wa­ckelt den Ball per Hand­ka­mera in Rich­tung Ver­tei­diger, der zur Ecke klärt. Ergebnis: bekannt.

27.

Aus dem Hin­ter­grund müsste Dol­berg schießen. Dol­berg schießt. Tooooooooooor! Bzw: Tøøøøøøøøøøøøøøøøør! Mit ähn­li­chem Effet wie einst ein Rivaldo per Frei­stoß zieht Kasper Dol­berg von der Straf­raum-Kante ab. Traumtor. Tom Bar­tels gefällt das. Uns auch.

30.

Falls der letzte Tick zu ein­seitig war, bitten wir um Ent­schul­di­gung. Hier unser offi­zi­elles State­ment dazu: »Der 11Freunde-Live­ti­cker kom­men­tiert die Spiele mit bestem Wissen und Gewissen aus einer neu­tralen Per­spek­tive. Dass das in manch einer emo­tio­nalen Situa­tion gege­be­nen­falls nicht immer gelingt, bitten wir zu ent­schul­digen.«

33.

Geil, wie absolut über­schaubar die Stim­mung war, und dann eine gute Aktion und die Hütte explo­diert. Erin­nert mich an unsere Dorf­dis­ko­partys früher. Alles eine eher ver­hal­tene Ange­le­gen­heit, aber dann kickt der Ein-Euro-Pseu­do­Cu­ba­libre und der DJ spielt end­lich Rednex und jaaaaaaaa geiiiiil, kommt alle auf die Tanz­fläche, ich geb gleich ne Runde Babalou, scheiß auf die Dop­pel­stunde Mathe in den ersten beiden!

37.

Par­ty­stim­mung jetzt auf den Rängen, lachende, sin­gende, tan­zende Men­schen, dicht an dicht, Arm in Arm. Und das mitten in einer Pan­demie. Apropos, da fällt mir ein Witz ein: Wel­chen Abba-Song spielt man auf Corona-Partys? Inzi­den­cing Queen. Hahaha. Haha. Ha. Bzw. Hust. Hust­hust. Hust­hust­hust.

39.

Gareth Bale übri­gens über­haupt nicht zu sehen, gerade mal mit einem ver­suchten Sei­ten­wechsel, der aber bei den Dänen landet. Aber gut, was will man von ihm erwarten. Er macht das hier ja neben­be­ruf­lich.

44.

Mein heim­li­cher Held übri­gens: Wales-Trainer Robert Page, der in etwa genau so aus­sieht – Glatze, kno­tiger Körper, gewisse Grund­an­span­nung -, wie ich mir einen Non-League-Trainer irgendwo in Irgendwas-shire oder Sonstwas-hampton vor­stelle. Möchte wetten, er kom­mu­ni­ziert fast aus­schließ­lich mit gut­tu­ralen Oi„s und Aye„s, nennt seine Spieler Lads“ und jeden ein­zelnen Mate“, und obwohl er einen völlig grundlos durch ein 180-minü­tiges Non-League-Trai­ning und den Matsch und Regen der Wasau­chimmer-Lands schleift, denn in der Tabelle ist man eh nur 14. oder so, freut man sich auf jede Ein­heit, weil sie ja stets bei neun Pints und einem mit Aal oder einer sons­tigen Schwei­nerei gefüllten Pie im ört­li­chen Pub enden, wo der Boss“ dann von damals erzählt, als er mal ein Pro­be­trai­ning bei Don­caster hatte oder in einem League-Cup-Spiel bei den Tran­mere Rovers auf der Bank saß, und die Storys mit den besten Gags gar­niert, die du je gehört hast.

45.+1

Eieiei, ich laber hier rum und im TV macht Däne­mark fast das 2:0. Aber Maele schei­tert. Naja, das nächste maele.

45.+2

Und Halb­zeit. Nur Gareth Bale bleibt auf dem Platz und übt seinen Schwung. Vor­bild­lich.

18:57 Uhr

Schweini als Experte ist wie eine Gabel zum Sup­pe­essen, meine Mei­nung.

46.

Es geht weiter. Schafft Gareth Bale noch den Triple Bogey?

48.

Tøøøøøøøøøøøøøøø! 2:0 Däne­mark. Braithwaite läuft die Flanke runter und über­läuft ein­fach den wali­si­schen Außen­ver­tei­diger und bringt so einen mit­tel­guten Ball rein. Ruft dabei: »Braithwaite for it!« Und tat­säch­lich: Ein Waliser Ver­tei­diger flip­pert die harm­lose Kugel irgendwie zu Dol­berg, der sou­verän ein­locht. In your face, Gareth Bale!

52.

Sieht schlecht aus für Wales. Viel­leicht Zeit für Trainer Robert Page end­lich Hen­nessey in sein Glas ein­zu­wech­seln? Das bequemste Jäck­chen ist ja immer noch das Cog­näck­chen.

55.

Apropos Alkohol: Schweini und Wellmer haben in der Halb­zeit übri­gens davon erzählt, dass sie sich in der ersten Hälfte eine Bier­du­sche gegönnt haben. Soviel zum Thema Unvor­ein­ge­nom­men­heit. Aber schön, dass die Johan-Cruyff-Arena einen Well­ness-Bereich hat.

58.

Daniel James jetzt mal mit einem Abschluss. Der landet aller­dings an der Schulter eines Dänen. Wie ich damals in einer Kopen­ha­gener Kneipe, als das alles ein biss­chen viel war mit dem Alkohol und den Emo­tionen. Schnüff.

62.

Bei eng­li­schen Buch­ma­chern kann man übri­gens schon darauf wetten, dass nach Peter Schmei­chel mit Man­chester United und Kaspar Schmei­chel mit Lei­cester City auch noch dessen Sohn Max eines Tages die Pre­mier League gewinnen wird. Tja, meine Familie war immerhin durch alle Genera­tionen hinweg Hal­len­fuß­ball-Kreis­meister in der D‑Jugend. Zwar nur von der Bank, aber das muss doch auch was zählen.

66.

Wales immer noch ideenlos, Trainer Robert Page hat zwar schon gewech­selt, aber so richtig was getan hat sich nicht. Viel­leicht sollte Plant fix mal im App-Store gucken, dank Rene Adler gibt es für solche Situa­tionen jetzt ja tech­ni­sche Lösungen.

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70.

Liebe es, wie über­for­dert Schwein­s­teiger mit seiner eigenen Drög­heit ist. Hat ja nie­mand mit gerechnet, dass er nicht so der gebo­rene Co-Mode­rator ist, und er selbst wohl auch nicht. Wurde gerade von Gottlob gefragt, ob das noch was wird für die Waliser. Wird schwer“ so Schwein­s­teiger. Dann Stille. Dann noch ein biss­chen mehr Stille. Dann Gottlob: Ja danke“, das er sagt wie einer, der einen schlechten Tag hat und es dann auch noch zu regnen anfängt. Hoffe, Schweini hat einen Regen­schirm dabei.

73.

Das wird hier nix mehr, wenn es mal gefähr­lich sind, dann sind es die Dänen. Tut mir schon leid für den Robert Page. Zumal sein Name quasi ein Schach­tel­name aus Robert Plant und Jimmy Page ist, was ihn mir noch sym­pa­thi­scher macht, schließ­lich ist das ein will­kom­mener Anlass, einen der besten Songs aller Zeiten hier zu tickern. Feu­er­zeuge jetzt in die Höhe bitte, danke.

76.

Das ein­zige, was Wales jetzt noch helfen kann, ist eine Zuschauerin mit Allez Opi Omi“-Schild.

78.

Das Spiel scheint mitt­ler­weile nur noch Test­spiel-Cha­rakter zu haben: Beide Teams wech­seln jeweils circa fünf Mal. Ich hätte noch Bock, auf die Platte gehen. Zur Not gehe auch nur an den Bass, Robert Page.

80.

Der ein­ge­wech­selte Cor­ne­lius ver­sucht ein Solo. Wird aller­dings von hinten abge­räumt. Den Frei­stoß aus 23 Metern haut Braithwaite unmo­ti­viert drüber. Kom­mentar Schwein­s­teiger: »Jagutäh, der geht drüber.« Ach was.

83.

Cor­ne­lius erin­nert irgendwie mit sei­nerm Nach­namen stark an den Nach­wuchs einer Mit­tel­schicht-Fami­lien aus dem Prenz­lauer Berg. Tanzt jetzt völlig außer Rand und Band den über­for­derten Erzieher in der wali­scher Hin­ter­mann­schaft auf der Nase herum. »Er ist immer so auf­ge­regt, wenn er seinen Dinkel-Crä­cker bekommen hat!« Zieht sich dann zum Glück in sein Back­fiets-Las­ten­fahrrad zurück und beru­higt sich am Smart­phone.

86.

Das muss das 3:0 sein. Nach einem Abpraller kom­plett frei vorm Wales-Tor schafft es ein däni­scher Stürmer tat­säch­lich, den Ball gegen den Pfosten zu setzen. Naja, gut, ist ja auch erst in der Dorn­rös­chen-Gruppe, der kleine Cor­nelsen.

89.

Jetzt aber! TOOOOOOOOOOR. Jensen mit einer genialen Flanke auf Maehle, der nimmt den Ball und lässt im Straf­raum einen Ver­tei­diger stehen, haut das Ding staub­tro­cken wie Schweinis Mode­ra­tion in den Willi und beendet das Tur­nier für Wales. Ene, Maehle, Mu, raus bist du!

90.+1

Rote Karte für Harry Wilson. Hat kein Bock mehr, dass die Dänen ihm auf der Nase rum­tanzen, und steckt Maehle den Stock in die Spei­chen. Daniel Sie­bert zeigt glatt Rot. Biss­chen über­trieben finde ich, aber wen inter­es­sierts. In der nächsten Aktion klatscht Bale dem Schiri höh­nisch Bei­fall und bekommt Gelb. Will wohl auch vor­zeitig duschen und auf den Golf­platz.

90.+4

Braithwaite! Tor! 4:0! Doch nicht. Var. Abseits? Was? Dann minu­ten­langes Warten auf kali­brierte Linien. Und dann zählt der Treffer doch. Und irgendwie freut sich Braithwaite dann auch. Und die Dänen sowieso. Däne­mark 4, Wales 0. Wir kali­brieren unter­dessen mal unseren EM-Tipp.

90.+6

Aus! Aus! Aus! Wäh­rend Gareth Bale schmol­lend im Sand-Bunker sitzt, feiern die Dänen den Einzug ins Vier­tel­fi­nale. Wahn­sinns­ge­schichte das. Wir müssen uns an dieser Stelle ent­schul­digen. Denn wir haben da was im Auge.