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Schweden – Ukraine 1:2
EM

20:40

Herz­lich will­kommen zum letzten Ach­tel­fi­nale. Ukraine gegen Schweden. Blau­gelb gegen Gelb­blau. Bra­si­lien wollte auch noch mit­ma­chen, aber die UEFA hatte wegen der Corona-Delta-Vari­ante eine Teil­nahme ver­boten. Kon­se­quent. Man kennt es nicht anders vom euro­päi­schen Super­ver­band.

20:42

Wie viele Leser:innen begrüße ich hier wohl? 23? 17? 112? Frage mich wirk­lich, wer sich dieses Spiel jetzt noch rein­pfeift. Ich meine, das ist so, als wür­dest du nach einem 90-minü­tigen Kampf in der Wildnis, bei dem drei aus­ge­wach­sene Grizzlys und fünf ehe­ma­lige Lum­ber­jack-Welt­meister auf LSD über dein Gesicht gefegt sind, der­weil ein extra-tra­gi­sches A‑Moll deinen Körper durch­flutet hat, zu einem Bas­tel­abend an der ört­li­chen Grund­schule ein­ge­laden wirst – und du hin­gehst. Aber hey, wahr­schein­lich gucken dieses Spiel, Ukraine gegen Schweden, genau die Leute, die auch nach Nord­finn­land reisen, um dort ein Dritt­li­ga­spiel zwi­schen Turun Pal­lo­seura und Rova­niemen Pal­lo­seura zu sehen – und danach Ehren­prä­si­dent bei Kuo­pion Pal­lo­seura III werden. Oder die Leute, die ein Kon­zert einer samoa­ni­schen Zwölf­ton­musik-Band in einer Garage in Nowo­si­birsk besu­chen. Kurzum: Ich liebe euch!

20:45

Was man aber wissen sollte: Wenn ich Fuß­ball gucke, fällt selten mehr als ein Tor. Huub Ste­vens wollte mich schon mal als Assis­tenten ver­pflichten, aber das ist eine andere Geschichte, die ich in einem der nächsten 11Freunde-Spe­zial-Hefte (Thema: Die besten 1:0‑, 0:1 und 0:0‑Spiele aller Zeiten“) erzählen werde. Jeden­falls, wenn ein Spiel hoch­ka­rätig wird, bin ich nicht vor dem Fern­seher oder im Sta­dion. Und wenn doch, mache ich mich zu früh vom Acker. Erin­nere mich noch gut, wie ich bei Liver­pool gegen Dort­mund 2016 ein paar Minuten zu spät den Fern­seher anmachte. Oh, schon 2:0 für Liver­pool? Ach, komm, lass in die Kneipe gehen, ist ent­schieden die Kiste. Kurzum: Bei mir steht die Null. Oder anders: Ich habe im Fuß­ball mehr Nullen gesehen als Xavier Naidoo auf einer gewöhn­li­chen Quer­denker-Ver­samm­lung.

20:47

PS: Chef hat gerade ange­rufen. Die Leute schalten die Fern­seher ab und ver­lassen 11freunde​.de. Kleine Kor­rektur also: Alles nicht so wild, Freunde. Das wird heute Abend super. Die beste Zweite Liga aller Zeiten! 4:4. Danach Rele­ga­tion mit Hin- und Rück­spiel. Bleibt bitte dran, meine 38 Freunde.

20:50

Heute also wieder ARD. Jetzt wird das Spiel so sehr ana­ly­siert und erforscht und psy­cho­lo­gi­siert, dass gleich das Fraun­hofer Institut oder die Mathe­ma­tisch-Natur­wis­sen­schaft­liche Fakultät der Hum­boldt-niver­stitä Ber­linan­ruft und vier Doktor-Titel ver­leiht. Immerhin, Kevin-Prince Boateng hat sich für die Pro­mo­ti­ons­party schon in Schale geworfen. Ich liebe diesen Drei­teiler. Danach noch Sport­schau-Club, dann ARD-Test­bild in Zeit­lupe. Die Nacht, die Lichter, wird alles so mega, ver­spro­chen.

20:54

Kom­men­tator bei Ukraine gegen Schweden ist Tom Bar­tels, der heute im Eriksen-Trikot kom­men­tiert. Falls es län­gere Sprech­pausen gibt, keine Sorge, der Kol­lege schaut sich auf einem zweiten Bild­schirm hin und wieder die besten Szenen seiner Super-Dänen gegen Wales an. Und als Co-Kom­men­tator begleitet ihn Thomas Broich. Mit Gitarre. In Dis-Dur.

20:58

Die Hymnen. Auch beide in blau­gelb. Nur fair.

20:59

Das Schieds­richter-Gespann trägt das alte Tor­wart­trikot von Tim Wiese auf. Wir rollen mit einem Finis­hing Move direkt rein ins Spiel.

1.

Anstoß. Los geht’s im Ikea-Haus mit der blau-gelb-blauen Mega­party. Dem Spieler des Spiels winkt eine Ukrunde aus weißem Press­span und ein Bil­ly­regal für seine Kuschel­rock-CD-Samm­lung mit den besten Hits von Abba, gesungen von Sergej Bubka.

3.

Am Anfang ist es ja immer wie am Flug­hafen: abtasten, über­prüfen, che­cken. Moment mal, wofür ist dieses Klapp­messer im Stutzen? Und was haben Sie mit dem weißen Pulver in ihrem Magen-Darm-​Trakt vor? Ah, Magne­sium! Ah, Eigen­be­darf! Guten Flug, gutes Spiel!

5.

Schön jeden­falls, dass Zeit Online für den Fuß­ball-Liver­ti­cker erneut Wla­dimir Putin als Gast­autor ver­pflichten konnte. Erster Tick: Shvet­siya! Shvet­siya! Sve­rige! Sve­rige!“

8.

Emil Fors­berg macht alles selbst. Eben gerade ein paar Ver­suche aufs Tor. Jetzt Ecke. Drei der vier schwe­di­schen EM-Tore hat er übri­gens erzielt. Sein Vater erzählte mal in einem Inter­view: Als Kind hatte Emil vor fast allem Angst. Vor Höhen, vor Wasser, sogar vor Spinnen und Fliegen.“ Wes­halb es nicht son­der­lich über­rascht, dass Ukraines Keeper Buscht­schan heute im Spi­derman-Kostüm auf­läuft. Und falls das nicht hilft, habe ich noch zwei Was­ser­pis­tolen und einen Super-Soaker dabei!“ Fors­berg signa­li­siert bereits, dass er bald runter muss.

10.

Ich kann nicht sagen, dass ich bis­lang viele EM-Spiele der Ukraine gesehen habe, genau­ge­nommen: null. Das hat die Ukraine nicht ver­dient? Hey, immerhin sind das genau­so­viele Spiele wie ich in meinem Leben von Borussia Neun­kir­chen gesehen habe – und die waren mal in der Bun­des­liga.

13.

Ukraine mit einer Art Chance. War es Yar­mo­lenko oder Yarem­chuk? Oder beide? Jeden­falls, guter Schuss, Olsen muss parieren. Wäre diese Chance ein Ebay-Kauf, würde drunter stehen: Gerne wieder!“

15.

Bis­lang besteht Schweden nur aus Fors­berg. Der ist wirk­lich überall. Schlägt Ecken, spielt Pässe, schießt Schüsse, köpft Kopf­bälle. Würde mich nicht wun­dern, wenn er gleich als Mas­seur auf den Platz läuft – nachdem er sich selbst ver­letzt hat.

18.

Absolut selt­sames Rum­ge­passe im Mit­tel­feld. Rechts, links, zum Gegner, zum Lini­en­richter. Und der letzte Pass wieder beim Gegner. Auf dem ewigen Selt­same-Ideen-Ran­king ran­giert er aller­dings nur Platz drei. Platz 2: Grün­dung von Nickel­back, Platz 1: Hanf­pa­rade in Pjöng­jang.

19.

Wieder Fors­berg. Mit einem Kopf­ball-Ver­such. Flanke kam von Mikael Lustig. Fips Asmusen klopft sich irgendwo im Himmel auf Schenkel. Witze am lau­fenden Band.

21.

Nächste Chance Schweden. Diesmal Isak. Am Tor vorbei. Egal. Der bewegt sich immer so ele­gant über den Platz. Ich würde ihm alles abnehmen. Einen Traum­pass. Aber auch eine Ver­si­che­rung für Innen­ein­rich­tungen auf Kajaks.

25.

Gesto­cher im Mit­tel­feld. Für Fans des Rat­ge­bers: So macht Sup­pen­essen mit Gabeln richtig Spaß!“

28.

Tor. Zin­chenko zim­mert den Ball mit Schaum vor dem Mund und acht Aus­ru­fe­zei­chen samt drei Einsen ins Netz!!!!!11!1 Habe Sorge, dass er sich gleich einer Quer­denker-Demo anschließt.

30.

Wohooo! Feiner Ver­such von Larsson. Einen Frei­stoß aus 30 Metern täuscht er als Flanke an, schlenzt den Ball dann aber aufs Tor. Bush­chan ist auf der Hut. Für die Älteren: Exakt so traf Manni Kaltz im DFB-Pokal-Finale 1987, das der HSV gegen die Stutt­garter Kickers gewann. Für die Jün­geren: Manni Kaltz war ein Fuß­baller, der die Bana­nen­flanke erfunden hat. Die Bana­nen­flanke war in den Acht­zi­gern der ein­zige Super­trick neben dem Über­steiger. Die Acht­ziger waren die Zeit, in der wir bunte Kla­motten anhatten und Ober­lip­pen­bärte trugen und sonst auch ziem­lich spitze. Äh, ja, und die Stutt­garter Kickers… nun, wie viel Platz habe ich hier noch? Chef?

35.

Kurzer Blick auf die Coa­ching­zonen. Janne Andersson. Toller Typ. Sieht aus wie eine Mischung aus Out­door-Katalog-Model, geal­terter Bank-Azubi und sym­pa­thi­scher Drill-Instruktor. Würde am liebsten sofort ein Konto bei ihm eröffnen, dann auf nach Nord­schweden und Elche beob­achten und schließ­lich im Schlamm nach Tromsö rüber­robben. Aber er reagiert nicht auf mein Angru­scheln bei Stu­divz.

38.

Wla­dimir Putin, Gast-Live­ti­ckerer bei Zeit Online, wird lauter, fast unge­halten: Sve­rige!!!! Sverige!!!1!!“ Noch ein Aus­ru­fe­zei­chen mehr und Atilla Hild­mann schickt ihm eine Freund­schafts­an­frage.

41.

Hab eben nicht auf­ge­passt, weil ich wegen des vorigen Posts gerade Stress mit dem FSB hatte, aber Broich erzählt etwas von einer gelben Schlinge“. Was für eine schöne For­mu­lie­rung, denke ich. Ich sollte auch mehr Mozart lesen oder Goethe hören.

43.

Fooooors­berg! 1:1. Mit links, leicht abge­fälscht, ins Netz. Hätte ziem­lich sicher ein drittes Loch in die Tor­wand geschossen. Irgendwie ein echt anar­chi­scher und wilder Spieler. Mag ich. Fühl ich. Wie damals, als ich mal ein After Eight um 19:59 Uhr gegessen oder ein Knop­pers um 8:30 Uhr aus­ge­packt habe.

45.

Halb­zeit. Pause. Aber Freunde, bleibt dran, es wird NOCH besser. Die Schweden schießen ein wei­teres Tor. Fors­berg eh. Und die Ukrainer erst. Und wenn Zlatan am Ende als Sur­prise-Guest auf­taucht, gibt es ein wahres Tor­fes­tival. Das ist so sicher wie eine Zug­tei­lung in Hamm (bei der ich, ebenso safe, im fal­schen Teil sitze).

46.

Weiter geht’s. Wie immer habe ich die Halb­zeit genutzt, um mich ein wenig wei­ter­zu­bilden. (Ihr auch, hoffe ich). Neben Sar­tres Früh­werk habe ich ein biss­chen über Fors­berg gelesen. Es gibt da diese Geschichte aus seiner Heimat Sund­s­vall. Eine Indus­trie­stadt, die er vor vier oder fünf Jahren besuchte – und dabei eine Fan­tasie-Gucci-Jacke im Wert von 3500 Pfund trug. Ich liebe Gucci“, sagte er damals. Man sollte nicht schüch­tern sein, solche Dinge zuzu­geben.“ Absolut, dachte ich da. Mein Lebens­motto: Wenn man Kohle hat, dann raus damit. Und nicht schüch­tern sein, es zuzu­geben. So mache ich es auch. Neu­lich erst wieder drei Kugeln Eis statt zwei bestellt. Mit Sahne. Und Streu­seln. Leute haben geguckt. BZ-Reporter direkt vor Ort. Blitz­in­ter­view. Ist das die neue Deka­denz? Mün­chener Ver­hält­nisse in Berlin? Ich liebe Eis!“, sagte ich. Inter­view erschien dann aber nicht, weil irgendwas anderes wich­tiger wurde. Ver­mut­lich Clans oder Merkel oder eine Spie­ler­transfer bei Vik­toria Berlin oder den Rei­ni­cken­dorfer Füchsen. Egal. Weiter.

49.

Die Ukraine baut sich nun die Defen­sive auf. Ver­tei­digt mit acht, neun, manchmal 13 Spie­lern. Kein Durch­kommen. Als hätten sie Kühl­schränke im Schuh. Das Gefrier­fach in den Stutzen. Und dann Ener­gie­klasse A+++++.

51.

Schweden aggresiv und offensiv. Aber die Anspiele wie alter Ber­liner Rap: ohne jedes Gefühl, ziem­lich rum­pelig und extrem takt­loss.

53.

Ste­pa­nenko schießt heute wie Dieter Nuhr spricht: Es geht ver­dammt viel daneben.

55.

Okay, jetzt stot­tert und ächzt und fla­ckert das Spiel, als hätte sich ein 56k-Modem mit einer Atari-2600-Kon­sole zusam­men­getan. Kurzum: Es ist unfassbar schnell und gera­dezu genial. Zumin­dest für Freunde von You­tube-Videos mit Titeln wie Wat­ten­scheid-Uer­dingen 0:0, 1991“.

57.

Wooooooooot! Fors­berg zun­ge­schnalzt den Ball mit rechts an den langen Pfosten. Und ich denke, ich finde es gut, dass dieser Ball nicht drin ist. So wird er ewig ein Geheim­tipp bleiben. So wie die erste Nir­vana-Single oder das Scho­koeis mit Mandel unten am Kanal. Und ich kann mit dem Schlenzer zusam­men­sein. Für immer. In den Urlaub fliegen, ins Freibad gehen und in die Disko. Es wird sehr schön.

63.

Albin Ekdal mit einem Traumpas auf Isak – aber Abseits. Egal. Mit Ekdal und Marcus Berg sind zwei ehe­ma­lige HSV-Spieler im Kader. Das macht mich als Ham­burger ein biss­chen weh­mütig. Wisst ihr noch, was für eine tolle Zeit wir gemeinsam erlebt haben? Rele­ga­tion 2015? Ach, nee 2017? Öh, egal, bei irgend­einer Rele­ga­tion wart ihr bestimmt dabei. Und dann der Nicht­ab­stieg und der andere Nicht­ab­stieg. Und Scooter sang für uns und auch Lotto King Karl, und am Ende lagen wir uns in den Armen auf der Schaum­party unseres Ver­trauens. Ich bin mitt­ler­weile über 60 Jahre alt. Circa. Ihr seid offenbar jünger geworden. Schwe­di­sche Geheim­nisse. Schön, dass ihr noch dabei seid. Nach dem Spiel wieder Rele­ga­tion?

67.

Auf Ver­län­ge­rung bei dem Spiel habe ich ähn­lich Lust wie damals in der Uni, wenn ich mich wochen­lang durch ein Buch zur Luh­mann­sche Sys­tem­theorie gequält habe, ein Bier auf­ge­macht habe und dann fest­ge­stellt habe, dass es noch ein 432-sei­tiges Appendix mit 376 Fuß­noten in der Länge eines han­dels­üb­li­chen Dos­to­jewski-Romans gibt.

68.

Yar­mo­lenko. Top-Spieler. Schießt mit links aufs lange Eck. Robin Olsen hält. Afton­bladet“ titelt schon Robin Good“.

70.

Jetzt Fors­berg. Fast wie Yar­mo­lenko eben. Nur mit rechts. Zieht in die Mitte. Schlenzt in aufs lange Eck – aber der Ball knallt an die Latte. Lest jetzt schon hier, was morgen auf trans​fer​markt​.de, im Mirror oder in der Marca steht: Fors­berg vor Wechsel zu Man­chester City“, Was läuft da mit Chelsea?“, Also doch: Real Madrid an Fors­berg dran!“

73.

Ukraine nur noch mit gele­gent­li­chen Vor­stößen in die schwe­di­sche Hälfte. Kurz mal Hallo sagen, kurz mal ein Schüs­s­chen. Danach eilen die Spieler schneller zurück, als deut­sche Urlauber aus Virus­va­ri­an­ten­ge­bieten.

76.

Bei der Ukraine geht wirk­lich viel über Yar­mo­lenko. Also über den rechten Flügel. Bernd Höcke wird schon ganz schwin­delig vor Glück.

78.

Ekdal gefällt mir wirk­lich gut. Eine Mischung aus Sechser, Achter und Zehner. Der Mann staub­saugt ein­fach alles weg. Bin mir recht sicher: Nach der Kar­riere wird er Miele-Ver­treter.

81.

Einige Angriffs­ver­suche machen regel­recht nervös, weil sie so zäh sind. Fast wie ein Zwan­ziger-Jahre-Stumm­film. Man sitzt davor, nickt, oh, aha, mmmh, denkt, das för­dert sicher­lich den Geist, da gibt es bestimmt etwas zu ent­de­cken – und am Ende ärgert man sich, dass man nicht lieber nur Bier getrunken hat.

84.

So, Tom Bar­tels kün­digt nun noch HSV-Fan Olli Dittrich für den Sport­schau-Club ab. Langsam wird das hier wirk­lich der große HSV-Legenden-Abend. Gleich fliegt Stefan Hall­berg auf den Mit­tel­kreis und singt Wer wird Deut­scher Meister“, wäh­rend Yar­mo­lenko bei Dietmar Bei­ers­dorfer eine Gehalts­er­hö­hung von 5 Mil­lionen Euro pro Monat durch­setzt. Aber du spielst doch gar nicht bei uns!“ – Aber Sie sind doch auch gar nicht mehr Sport­di­rektor des HSV!“ – Stimmt auch wieder, geht Paypal?“

89.

Stelle mich inner­lich schon mal auf die Ver­län­ge­rung ein. Was sich in etwa so anfühlt wie die Vor­freude auf eine acht­stün­dige Reise mit einem über­füllten Bus von Guat­e­lema City nach Tegu­cig­alpa. Ohne Kli­ma­an­lage.

90. +2

Aus. Vorbei. Es gibt Dinge, die man sich nicht vor­stellen kann, die aber wahr sind: 1. Den Bravo-Otto gibt es immer noch (Auch 2020 konnte Mehmet Scholl nicht gewinnen). 2. Peter Maffay ist größer als Thomas Häßler (zwei Zen­ti­meter). 3. Ich gucke auch die Ver­län­ge­rung dieses Spiels. (Wer noch?)

22:51

Pause. Zeit, wieder was zu lesen. Diesmal über Victor Lin­delöf auf der Web­site des Guar­dian“. Vor einiger Zeit wurde dieser Lin­delöf Zeuge, wie ieiner Frau die Hand­ta­sche gestohlen wurde. Er rannte dem Dieb hin­terher, ent­riss ihm die Tasche und brachte sie zurück. Die Dame jubelte: Dieser Retter war sehr atle­tisch, es sah aus, als könnte er durch Mauern rennen.“ Das kann gut sein, denn er ist eine Art Mischung aus mensch­li­cher Amboss und Loko­mo­tive aus dem 19. Jahr­hun­dert. Ver­schie­dene Firms aus Schweden haben bei ihm um Audienz gebeten. Er winkte aber ab und rezi­tierte Mahatmi Gandhi: Gewalt ist die Waffe des Schwa­chen, Gewalt­lo­sig­keit die des Starken.“ Seitdem ist das Hoo­li­gan­pro­blem in Schweden gelöst. Idee für Deutsch­land?

91.

Weiter geht’s auf der Ach­ter­bahn der guten Laune. Kommt herein ins Spek­takel. Wenn ihr noch nicht wisst, für wen ihr seid, ich bin für Tom Bar­tels.

94.

Das Spiel hat sich um etwa 30 km/​h verl­angamt und ver­engt sich im Mit­tel­feld wie so ein A7-Stau zum Feri­en­be­ginn. Möchte sofort auf den Rast­platz und ein Ed von Schleck essen.

96.

Wirk­lich, Stand­fuß­ball gerade. Hat die ARD eine alte VHS-Kas­sette von einem Spiel aus den Sieb­zi­gern ein­ge­legt? Bra­si­lien gegen Boli­vien? In La Paz? Wo ist das Sauer­stoff­zelt?

98.

Viktor Claesson jetzt im Spiel. Der sagte neu­lich in einem Inter­view auf die Frage, was er machen würde, wenn er einen Tag unsichtbar wäre: Einen Spa­zier­gang durch den Prä­si­den­ten­pa­last in Nord­korea.“ Genial.

100.

Uuuuuuuh. Dani­elson mit einer fiesen Flug­grät­sche direkt auf das Knie seines Gegen­spie­lers Besedin. Stollen vorweg. Rot. Mr. Miyagi kom­men­tiert: Um Honig zu machen junge Bienen brau­chen junge Blumen, nicht alte Pflaume.“

105.

Nun liegt da Krafth völlig kraftlos am Boden. Hat sich in einen gefähr­li­chen Schuss eines Ukrai­ners geworfen. Ein Mann fast so nervig wie Markus Lanz. Immer dazwi­schen, wenn es gerade inter­es­sant wird.

105. +4

Jetzt liegt der nächste Spieler auf dem Boden. wefkwe­rüyomcgvr 33om 4 44mg4 Oh, sorry, hab mich hjegzt auch mal kurz auf der tas­tatur abge­legt. Sheint ja gerrrrade Trend zu sein.

105. +5

Und wieder liegt einer am Boden. Gleich kommt das Olym­pi­sche Komitee vorbei und zieht die Turner-EM 2025 vor.

106.

Juhhhhuuu. Also, Juhu“. Noch eine Halb­zeit beginnt.

107.

Schön wäre es ja, wenn es für diese Ver­län­ge­rung eine App auf dem Smart­phone geben würde – dann könnte man sie ein­fach löschen.

108.

Und wieder liegt einer. Werden die Elfmter gleich per Flug­kopf­ball oder Grät­sche geschossen?

109.

Ich weiß nicht. Es ist wirk­lich eine häss­liche Ver­län­ge­rung. Fast so häss­lich, dass man sie sich als Knet-Beton-Skultpur in den Keller stellen möchte. Direkt neben die Lie­fe­rung von 500 Didl-Mäusen, die einem irgendein Freund mal zum 1. April bestellt hat („War doch nur Spaß!“).

111.

Dovbyk ver­gibt frei vor dem Tor. Also, er schießt den Ball in den Nacht­himmel von Glasgow, dass er in London wieder auf­kommt. Aber hey, war eh Abseits, jubelt sein Mit­spieler Mali­novskyi. High Five!

117.

Ganz ver­gessen: Gute Bes­se­rung, Besedin! Es läuft ein­fach nicht für ihn. Vor einem Jahr oder so hat ihn UEFA ja mal Dopings gesperrt. Was aber alles ein großes MIss­verstndnis war, wie er sagte. Angeb­lich hatte er Kopf­schmerzen, wes­halb er seinen Arzt um ein Medi­ka­ment bat – und der gab ihm das fal­sche. Quasi eine Art ana­loges Maus­ge­rutscht. Aber hey, pas­siert halt manchmal. Neu­lich habe ich wieder mal eine Brau­se­ta­blette nehmen wollen und plötz­lich lag ein LSD-Trip auf meiner Zunge. War dann drei Wochen auf einem Goa-Rave in einem Wald bei Lüne­burg. Glück­li­cher­weise hat mich mein alter Ver­trau­ens­lehrer gefunden und mich zum Bahnhof gebracht. Blö­der­weise hat er mich dort in die fal­sche Bahn gesetzt. Bin über Umwege in Wla­di­wostok und dann in Nord­korea gelandet, wo ich die ver­gan­genen drei Jahre als tibe­ta­ni­scher Mönch gelebt habe. Aber es franst aus. Was ich sagen wollte: Besedin, I feel you! Alles Gute!

119.

Unsere Sta­tis­tik­ex­perten infor­mieren: Bis­lang haben Schweden und die Ukraine viermal gegen­ein­ander gespielt. Einmal gabs ein Elf­me­ter­schießen. Die Bilanz ist aus Schwe­dens Sicht negativ. Aber was heißt das heut­zu­tage noch: negativ? Vorhin im Späti-Test­zen­trum meines Ver­trauens gewesen, Test gemacht und danach eine Nega­tiv­mel­dung für die Lot­to­zie­hung morgen Abend bekommen. Bleiben Sie also dran, es kann alles pas­sieren. Nur nicht nichts.

120. +1

Toooooooor! Sorry, Leute, ich habe mit offenen Augen geschlafen und mit geschlos­senen Augen geschrieben. Eine Flanke segelt in den Straf­raum – und Dovbyk flug­kopft den Ball irgendwie rein. Also, eine Flanke-Kopf-Kom­bi­na­tion am Ende, die so schön ist, dass man sie sofort als Geheim­zahl für sein Fahr­rad­zah­len­schloss fest­legen möchte – auch wenn man es danach nie wieder auf­be­kommt.

120. +2

Aus und vorbei. Die Ukraine erreicht zum ersten Mal ein Vier­tel­fi­nale eines Tur­niers. Glaube ich, nagelt mich nicht fest. Jeden­falls, Andrij Schewt­schenko ist völlig außer sich vor Freude, als ihm sein Co-Trainer das mit­teilt. Hatte eben noch das Grün in seiner Coa­ching-Zone gecheckt, dann den Putter aus dem Koffer geholt, aber das Loch knapp ver­fehlt. Wollte Beschwerde an die Uefa ist ein­rei­chen, weil der Rasen nicht adäquat geschnitten wurde. Aber jetzt ist das egal. Großer Jubel in Kiew, ich höre ihn bis hier. Schweden ist raus. Taktik fürs nächste Mal: Neben Fors­berg sollte Fors­berg spielen und vor ihm am besten auch Fors­berg. Bis es so weit ist: Gute Nacht!