Liveticker
Kroatien – Spanien 3:5
EM

17.45

Ach, hallo. Sie auch hier. Nun gut, Kroa­tien gegen Spa­nien also. Ein Spiel wie ein Rap-Battle. Hier Kroa­tien, dieser etwas in die Jahre gekom­mene MC, der so seine Schiene fährt, nix beson­deres. Aber dann, wenn es eng wird, haut er halt doch noch immer die eine, den Sieg brin­gende Punch­line raus. Einen Luka-Modric-Außen­rist-Schuss zum Bei­spiel. Auf der anderen Seite Spa­nien, diese Maschine, die eigent­lich alles kann und das tech­nisch per­fekt, die aber eben auch biss­chen lang­weilig ist. Und jetzt, liebe Leser: Choose your fighter. Der­weil an den Decks: DJ Live­ti­cker. Immer frei nach dem Motto: Sie rufen an, wir legen auf.

17.48 Uhr

Apropos. Es ist klar, dass die Fla­sche ent­korkt wurde“, sagte Spa­niens Natio­nal­trainer Luis Enrique nach dem 5:0 gegen die Slo­wakei, wäh­rend Kroa­tiens Co-Trainer Ivica Olic über Spa­niens Mit­tel­feld­spieler Sergio Bus­quets zu sagen wusste: Er ist wie Wein, je älter, desto besser.“ Und ich sach‘ noch, Tiki-Taka klingt wie eine Cock­tailbar am Nackt­strand von Aloha-He!

17.51 Uhr

Küm­mern wir uns um rich­tige Sorgen: Peter Hyballa. Erklärt hier im ZDF den alten Wein Bus­quets zum Raum­spieler“, was er damit erklärt, dass er ein Magnet­spieler“ sei, was er mit Con­tra­ball“ und sexy Ball“ erklärt. Noch Fragen, Kienzle? Ja, Hauser, aber wie bekommen wir jetzt Thomas Broich ins ZDF?

17.54 Uhr

Beru­higen wir uns mit einem Blick auf die kroa­ti­sche Auf­stel­lung: Liva­kovic – Jura­novic, Caleta-Car, Vida, Gvar­diol – Bro­zovic, Kovacic, Vlasic, Modric, Rebic – B. Pet­kovic

17.55 Uhr

E‑Autos schön und gut. Noch besser fände ich jedoch, die Zukunft der Mobi­lität läge im Caleta-Car. Ange­trieben durch Ćeva­pčići. 100 Pro­zent bio­lo­gisch abbaubar. Durch mich.

17.56 Uhr

Und die Auf­stel­lung der Spa­nier: Unai Simon – Azpi­li­cueta, Garcia, Laporte, Gaya – S. Bus­quets, Koke, Pedri – Sarabia, Morata, Ferran Torres

17.57 Uhr

Liest sich wie die Wein­karte einer diesen alko­hol­freien Bars. Nur teures Zeug, nix, das bal­lert.

1.

Anstoß Spa­nien. Typisch Furia Roja: 100 Pro­zent Ball­be­sitz, aber 0 Tor­chancen.

3.

Hier riechts es irgendwie komisch. Achso, es ist nur der Schuh von Alvaro Morata.

6.

Noch immer das beste Mittel gegen Schlaf­lo­sig­keit: Tiki-Taka. Spa­nien hat noch immer den Ball, lullt die kroa­ti­sche Sech­ser­kette und mich glei­cher­maßen ein. Zzzzzzz. Chrrrr. Neu von Ratio­pharm.

9.

Liebe Freunde, wir brau­chen Eure Hilfe: Wie viele Luka Modric/​Beatrix von Storch-Gags sind heute okay? a) 0 b) 1 – 5 c) 6 – 10 d) 11 – 20. Bitte schreibt uns die rich­tige Ant­wort an lookism@​11freunde.​de.

12.

Erster Ball­kon­takt für Kroa­tien. Ante Rebic wird direkt von den Spa­niern umge­hauen. Gegen­pres­sing, dies das. Dann ergau­nert sich Spa­nien den Ball zurück und wir sind wieder im Tiki-Taka-Zzzzzzz-Chrrrr.

13.

Hui! Bin kurz auf­ge­wacht. Im Straf­raum legt Morata mit seinen etwas stin­kenden Fuß­ball­schuhen den Ball auf Sarabia zurück. Der rümpft die Nase und haut das Teil dann aller­dings nur ans Außen­netz.

15.

WTF! Pedri seziert die kroa­ti­sche Defen­sive mit einem OP-Skal­pell-Pass. Koke steht allein vorm Tor und muss die Pille nur noch rein­schieben. Ent­scheidet sich aber dann doch, die Aktion ohne Betäu­bung duch­zu­ziehen und trifft per Kunst­fehler Tor­hüter Liva­kovic. Ver­klagen sollte man den Mann, meine Mei­nung.

18.

Der inter­na­tio­nale Hashtag zu diesem Spiel: CROESP. Der damit genauso klingt, wie ich mir das so vor­stellte, wäre ich kroa­ti­scher Natio­nal­spieler an diesem frühen Abend. Die Sonne brennt. Der Ball ist mal hier mal da, aber nie am eigenen Fuß. Mehr Fata Mor­gana denn Rea­lität. Und dann heißt es: laufen, laufen, laufen und immer hin­terher. Luka, wie fühlst Du Dich? Puh, mein Freund, mächtig geschafft. Ich sag‘ es Dir: Gleich bin ich CROESP.

20.

Hui. Bzw.: Morata. Bzw.: Hand. Bzw.: Nicht. Der Reihe nach. Schöne Flanke von rechts und dann steht Morata da freier am zweiten Pfosten als Superman am Waschtag, steht wun­derbar in der Luft und köpft dann eine Ver­zichts­er­klä­rung an jede Tor­ab­sicht und direkt an die Hand von Vida, der dafür im Gegen­satz zu seiner Frisur Marke Den Pro­zess gewinnst Du“ nun wirk­lich nichts kann. Morata, Mo Pro­blem? Si, claro!

21.

Oh je. Tor für Kroa­tien. Weil Spa­niens Tor­hüter Unai Simon einen Rück­pass von Pedri annehmen will, ohne ihn anzu­nehmen. Was unge­fähr so gut klappt wie damals, als ich die Chemie-Klausur bestehen wollte, ohne gelernt zu haben. Oder im Unter­richt gewesen zu sein. Ein schiefes Bild? Mög­lich, aber immerhin kein Eigentor. Und wenn sie das che­mi­sche Ele­ment Absurdon (Ab) irgend­wann doch nochmal ent­de­cken, guckt ihr alle in die Röhre. So wie Unai Simon. In diesem Sinne: q.e.d.

24.

Konter Kroa­tien, aber der Abschluss findet nur das Außen­netz. Was mich an das Jahr 2000 erin­nert, als ich mich mit einem Abitur-Schnitt von 3.2 auf einen Stu­di­en­platz … sorry.

27.

Zeit­lupe jetzt, wie sich die kroa­ti­sche Mann­schaft für das 1:0 durch Eigentor beju­belt. Bilden da eine schöne Traube. Haben wir doch super gemacht, scheinen sie sich zu sagen. Hatten wir zwar nix mit zu tun, aber was soll’s, fragt doch nachher keine Sau mehr nach. Nicht mehr lange also, und dieser Füh­rungs­treffer wird zu Part­ner­stadt der deut­schen Corona-Politik ernannt.

30.

Ganz klar: Spa­nien sucht jetzt hier das Gas­pedal. Pro­blem: der Motor ist aus.

32.

Die Bild­regie hört ein­fach nicht auf, das Eigentor von Unai Simon immer und immer wieder ein­zu­blenden. Das grenzt an Mob­bing, finde ich. In der Zeit­lupe ist deut­lich zu erkennen, wie Unai Simon nicht nur inner­lich zusam­men­bricht, son­dern auch phy­sisch eine Form wie einer nasser Sack annimmt. Falls sich wer gefragt hat, wie ein Häuf­lein aus­sieht: Schaut euch die Wie­der­ho­lung an. Aller­dings gehört die Bild­regie vor den inter­na­tio­nalen Straf­ge­richtshof in Den Haag. Meine Mei­nung.

34.

Wir erin­nern uns lieber an unver­fäng­liche Momente aus dem Jahr 2013 anstatt hier noch ewig mit dem schmut­zigen Daumen in der Wunde von Unai Simon rum­zu­drü­cken. So geht:

36.

Modric drib­belt am eigenen Straf­raum und ver­sucht von dort aus die Bälle zu ver­teilen. Ver­gisst aber den Außen­rist zu benutzen und befrei­ungs­schlägt den Ball zu Spa­nien. Gra­cias por Nada.

38.

Jaaaaa! Bzw: ¡Siiiiiiiiiii! Tor für Spa­nien. 1:1! Nach einem Gedränge im kroa­ti­schen Straf­raum, das mich in längst ver­gan­gene 90er-Jahre-Bun­des­liga-Mit­tel­mä­ßig­keit abdriften lässt, holt mich Sarabia per Brech­stange und bra­chialem Nach­schuss wieder zurück in die Rea­lität. Lauter als der Jubel­schrei der Spa­nier war nur das Seufzen von Unai Simon. ¡Uff!

41.

Claudia Neu­mann bezeichnet die spa­ni­schen Ecken als humorlos. Und tat­säch­lich, den Eck­stoß führt Mario Barth aus. Fragt: »Kennste, kennste? Was ist der Unter­schied zwi­schen Ein­wurf und Ecke?« Die Pointe geht dann irgendwie unter im gefüllten Sta­dion der deut­schen Humor­lo­sig­keit.

45.

Fast eine kroa­ti­sche Konter-Chance. Rebic läuf einem langem Ball in Rich­tung Sech­zehner hin­terher, aber Unai Simon, nun gar kein nasser Sack mehr, kommt raus und drischt die Pille so hoch­kon­zen­triert weg, als wäre es das ein­zige, was er je gelernt hätte. Ich glaube, der spielt heute keinen kurzen Pass mehr.

45.+1

Und dann ist auch schon Halb­zeit. Nach anfäng­li­chem Sekun­den­schlaf wegen Tiki-Taka von Ratio­pharm hat Unai Simon uns lie­be­voll wach­ge­küsst und wir hatten ein rich­tiges Fuß­ball­spiel, inklu­sive dem per Huf erzielten Tor von Sarabia. Morata putzt in der Halb­zeit unter­dessen seinen Schuh.

18.57 Uhr

Muss mal was los­werden. Also. Ich finde es ja ok, TV-Kommentator*innen zu kri­ti­sieren. Sich über sie lustig zu machen. Und ich finde, viele TV-Kolleg*innen machen es sich zu ein­fach, dann von Bashing“ zu reden. Und klar, vieles ist eine Frage des Geschmacks, sowohl in der Art, zu kom­men­tieren, als auch in der Art, Kritik zu üben. Wobei nicht jedes Argu­ment für jeden gleich schwer wiegt, nicht jede Argu­men­ta­ti­ons­kette für jeden gleich über­zeu­gend ist. Aber immerhin gibt es dann Argu­mente. Womit wir bei Claudia Neu­mann wären, die hier und heute dieses Spiel kom­men­tiert für das ZDF und die das so ast­rein macht, dass nicht mal uns Flach­pfeifen ein Semi­pri­ckel vom halb­garen Gag aus den Syn­apsen huscht über ihren Kom­mentar. Und wenn ich dann in diesem Internet lese: Ver­stehe nicht wie man diese Dame nimmt zum kom­men­tieren eines sol­chen Top­spiels… Ihr Tut mir echt leid.… ZDF“, dann erin­nere ich mich an die weisen Worte meines Groß­va­ters: Geht’s noch?

18.58 Uhr

In meinem ZDF-Live­stream steht jetzt Kurze Unter­bre­chung. Gleich geht’s weiter“. Und besser könnte ich die erste Hälfte aus spa­ni­scher Sicht auch nicht zusam­men­fassen.

46.

Anstoss zur zweiten Halb­zeit. Spa­nien jetzt von rechts nach Morata.

47.

Erste Auf­re­gung, weil: Rück­pass zu Unai Simon. Der den Ball diesmal sou­verän ver­ar­beitet. Was die Kroaten sicht­lich erschüt­tert, weil: Match­plan im Arsch.

50.

Kroa­tien seit Beginn der zweiten Halb­zeit übri­gens mit Andrej Kra­maric. Und irgendwo bei Hof­fen­heim beisst Dietmar Hopp in seinen 50-Euro-Apfel, str­igelt seinen Cur­evac und lob­preist sich und die Welt: Da habt ihr euer Gegen­mittel!

52.

Klingt wie eine Szene rund um eine Bar, die sich in meinem Schatten eta­bliert hätte: Sarabia am langen Pfosten. Endet wie eine Szene rund um eine Bar, die sich in meinem Schatten eta­bliert hätte: Mit einer Ent­schul­di­gung beim Neben­mann.

57.

2:1 für Spa­nien! Weil Azpi­li­cueta sein erstes Län­der­spiel-Tor über­haupt erzielt, nachdem er da ein­fach mal in den Straf­raum ein­dringt. Was machst Du hier“, scheint Alvaro Morata ihn noch zu fragen. Ich bin hier, um ein Kopf­ball-Tor zu schießen!“ Ein was?“ Ein Kopf­ball-Tor!“ Kopf­ball-was?“ Tor!“ Sagt mir nix!“ Oh, ok, warte kurz, die Kroaten werden wach, ich mach mal kurz!“

60.

Lieber Manuel Neuer, machen Sie sich nichts draus: Wer sich jetzt nicht #CROESP fühlt, hat Kroa­tien nie geliebt.

63.

Man muss doch auch das Posi­tive sehen: Wenn Deutsch­land morgen raus­fliegt, kann Neuer zusammen mit den Kroaten nach Dubrovnik in den Urlaub fahren und Fascho-Lieder grölen. Das wird man jawohl nochmal singen dürfen.

66.

Rebic schei­tert frei­ste­hend mit einem ein­fa­chen Schuss. Aber der ist in etwa so schlecht wie das letzte Bier ges­tern Abend. Wird dann mit Kopf­schmerzen aus­ge­wech­selt.

69.

Unai Simon fallen ein paar Find­linge vom Herzen. Denn er hält hier welt­klas­se­mäßig die bisher beste Chance der Kroaten. Die spa­ni­sche Ver­tei­diger tragen jetzt wegen der akuten Stein­schlag­ge­fahr Helme.

71.

Die spa­ni­schen Fans feiern jetzt jeden Ball­kon­takt ihrer Mann­schaft. Und selbst Real-Madrid-Fans feiern auf einmal den Match­plan von Luis Enrique. Und apropos Fuß­ball-Folk­lore: Jetzt wird auch noch Dani Olmo ein­ge­wech­selt, der ja selbst so etwas wie ein Halb-Kroate ist, seitdem er fünf Jahre lang bei Dinamo Zagreb gespielt hat und sogar vom Ver­bands­prä­si­dent Davor Suker gefragt wurde, ob er nicht für Kroa­tien spielen will. Läuft jetzt aber für Spa­nien auf und kommt sogar ins Vier­tel­fi­nale. Gut, dass Suker nicht Manuel Neuer gefragt hat.

73.

Tor Morata! Nein, doch nicht. Abseits. Der Treffer von Morata zählt natür­lich nicht. Sonst hätte er den Ball ver­mut­lich auch noch irgendwie drüber gesetzt. Hab ich schon erwähnt, dass es hier komisch riecht? Hat irgendwer was am Schuh?

77.

Jetzt aber: Gooooooooooooooooool! Ferran Torres und natür­lich nicht Morata netzt super-lässig ein. Nimmt einen langen Ball im Vor­bei­laufen mit der Hüfte (!) an, wäh­rend der kroa­ti­sche Ver­tei­diger Gva­dial schon beim Zugu­cken seine Beine ver­knotet und ein­fach hin­fällt. Torres macht dann ein­fach die Bude. Wir stehen wie Morata mit weit offenem Mund da. 3:1. Und was heißt eigent­lich Urlaub auf Kroa­tisch? Ich ruf mal Manuel Neuer an.

80.

Noch nach­zu­lie­fern: eine gelbe Karte für den Sports­ka­me­raden Bro­zovic. Lassen Sie sich später nicht durch die irri­tie­rende Notiz im Spiel­pro­to­koll ver­wirren, bitte. Dass Hals-Tattoo von Bro­zovic fir­miert tat­säch­lich unter Foul­spiel“:
Bildschirmfoto 2021 06 28 um 19 32 26

83.

Eben­falls nach­zu­lie­fern: der Tor­jubel der spa­ni­schen Bank. Opti­sche Über­le­gen­heit bis ins kleinste Detail. Beein­dru­ckend.

85.

Tja, so schnell kann das gehen. Dani Olmo ver­passt das 4:1, Claudia Neu­mann am ZDF-Mikrofon dekla­riert völlig zurecht, dass die Sache nun aber den­noch sehr deut­lich sei, da wür­felt“ sich Kroa­tien zurück ins Spiel, wie ZDF-Co-Kom­men­ta­torin Ariane Hingst tref­fend for­mu­liert. Denn ich sag mal so: Hätte Wil­helm Tell so viele Ver­suche aus so absurder Nähe gebraucht, um diesen ver­dammten Apfel vom Kopf zu schießen, wäre der Mann als Mas­sen­mörder in die Geschichts­bü­cher ein­ge­gangen. So aber plumpst der Ball laut Tor­li­ni­en­tech­no­logie über die Linie, wie Schiri Cakir mit maximal tes­to­ste­ro­niger Geste auf sein Arm­ge­lenk bedeutet. Und nein, lieber Karl-Heinz Rum­me­nigge: Das Ding gibt es nicht auch von Rolex. Sorry. Echt.

88.

Man sagt ja, der Fuß­ball sei ein Spie­gel­bild des Lebens. Aber wer hätte gedacht, dass #CROESP mit 2:3 das­selbe Mischungs­ver­hältnis hat wie mein Mus­kel/­Kör­per­fett-Anteil? Fas­zi­nie­rend.

90. +1

Sechs Minuten Nach­spiel­zeit. Oder wie man in Spa­nien sagt: 1.000 Pässe.

90. +2

Sagen, was ist: 3 zu 3. Bzw.: Bums mich! Flanke von links und dann köpft Pasalic aus der gemüt­li­chen Rei­se­flug­höhe von gefühlt zehn Kilo­me­tern ins spa­ni­sche Unglück. Es sind die großen Fragen der Men­scheit: Wer hat JFK ermordet? Warum klebt Alles­kleber alles, aber nicht an der Innen­seite der Tube? Und wie zur Hölle konnte Kroa­tien-Spa­nien in die Ver­län­ge­rung gehen?

19:53 Uhr

Kurz vor dem Ende der regu­lären Spiel­zeit hatte Spa­nien übri­gens fast noch eine Groß­chance. Fast auch des­wegen, weil Morata am Straf­raum aus­rutschte und hin­fiel. Nicht im Bild: Luis Enri­ques Sor­gen­falten. Und mit wem soll Manuel Neuer jetzt Urlaub machen?

19.54 Uhr

Ver­län­ge­rung also. Luis Enrique schwört die Seinen ein: Ok, Leute, nix pas­siert. Wir hatten eh die kalten Tapas geplant für später. Wer unbe­dingt was Warmes will: Wir orga­ni­sieren was aus der Piz­zeria. Ver­spro­chen.“

91.

Anstoß Kroa­tien und kurz darauf die erste Groß­chance für Kroa­tien. Luis Enrique packt der­weil schon mal seinen Koffer und bekommt nun wohl doch keinen Star­schnitt in der Marca. Triste.

94.

Bei den Kroaten geht jetzt alles: Modric spielt jeden Ball per Außen­rist und schafft es jetzt sogar, Kopf­ball­du­elle mit dem Ellen­bogen zu gewinnen. Und das in dem Alter. Und um diese Uhr­zeit.

96.

Kra­maric ver­gibt die größt­mög­liche Chance. Der Hof­fen­heimer muss einen nach einem starken Pass von der Grund­linie nur noch den Ball rein­drü­cken. Macht das aber nur mit der Wirk­sam­keits­quote von Cur­evac. Bestellt noch einen Sputnik an der Bar: der Ticker. Und Unai Simon? Hat sich offenbar seine Erin­ne­rung an die erste Halb­zeit löschen lassen und hält den Ball mit seinen Nerven aus Stahl­seilen.

99.

Was ist hier los? Es geht hin und her, als wäre das hier ein F‑Ju­gend-Spiel auf einem Klein­feld. Bloß mit mehr Tor­chancen! Denn wäh­rend ich das hier schreibe: nimmt sich Morata ein Herz und straft alle Kri­tiker Lügen. Und zwar per Direkt­ab­nahme in den kurzen Winkel. Goooooooooooool! Kriecht der­weil schon mal nach Canossa in den Urlaub: der Ticker.

103.

Für die Kroaten ist es ein Spiel zum Heulen: Kaum ver­gibt Kra­maric die nächste Chance, netzt auf der Gegen­seite nach einem Zucker­pass von Dani Olmo der ein­ge­wech­selte Mikel Oyarzabal ein. Tor! 3:5 für Spa­nien, wenn ich alles richtig mit­be­kommen habe. Wo ist mein Taschen­rechner?

105.+1

Morata ist jetzt alles egal. Läuft nochmal alleine in der geg­ne­ri­schen Hälfte ein Solo gegen die kroa­ti­sche Hin­ter­mann­schaft, ganz so, als wenn so etwas wie Selbst­zweifel über­haupt nicht exis­tieren würden. Schlägt man im Lexikon »Resi­lienz« nach, ist dort ver­mut­lich eine Abbil­dung von diesem Solo zu finden. Immerhin: Am Ende bleibt Morata doch Mensch und irgendwie in einem Innen­ver­tei­diger hängen. Und zum Glück dürfen wir kurz mal ein­atmen: Denn es ist Halb­zeit der Ver­län­ge­rung.

106.

Anstoss zur zweiten Halb­zeit der Ver­län­ge­rung. Und da will man mal Luft und ein biss­chen aus­holen, da ver­schraubt der ein­ge­wech­selte Budimir wie Du mir doch glatt direkt den Anschluss­treffer. Frei­ste­hend und aus 16 Metern. Scheinbar eine seiner leich­teren Übungen, weil: Macht er mit links.

109.

Jetzt aber doch biss­chen Leer­lauf. Ver­ständ­lich. Denn dieses Spiel hatte nun wirk­lich schon genug intus. Als würde man einen gemüt­li­chen Aus­flug aufs Land planen. Man hat gar nichts Bestimmtes im Sinn, so seine Favo­riten viel­leicht. Die Eis­diele in diesem netten Dorf mit dem Stor­chen-Nest viel­leicht. Einen Sprung in den See gleich nebenan. Aber dann, gleich hinter der Stadt­grenze: Gratis-Feu­er­werk und Rem­mi­demmi. Und dann putzen sie dein Auto und gleich noch deinen Gaumen. Komm, hier, Span­ferkel für alle und Schaum­wein aus Schläu­chen. Wie, Du brauchst biss­chen Geld? Rei­chen die zehn Tau­send? Und nicht ver­gessen, ein Erin­ne­rungs­foto zu machen, ja?! Ver­spro­chen!

112.

Luka Modric ver­lässt das Feld, wird aus­ge­wech­selt. Und nie sah das Hissen einer weißen Flagge schöner aus.

115.

Die kroa­ti­schen Spieler schauen sich an: Bei dir noch was im Tank?“ Ne, nur Luft!“ Boah, Luft, geil. Kann ich haben?“

118.

Alvaro Morata nochmal mit dem Sprint, was für ein Typ. Legt den Ball dann neben das Tor ans Außen­netz. Klas­si­scher Bei­fang. Und wäh­rend ich das schreibe, pren­gelt mir die Wer­bung der 11FREUNDE-Seite 99 Tipps für den Ruhe­stand, wenn ihr Port­folio 500.000 Euro erreicht hat“ in die Wahr­neh­mung. Dabei bräuchte ich doch nur einen ein­zigen Tipp, näm­lich: Wie zur Hölle soll mein Port­folio 500.000 Euro errei­chen? Und: Was ist ein Port­folio? Und da ist es wieder – #CROESP. Story of my life.

120.

Zweimal einen Rück­stand auf­holen und trotzdem nicht wei­ter­kommen. Wer hätte gedacht, dass Kroa­tien und meine Schul­zeit so viel gemeinsam haben?!

20.33 Uhr

Und dann ist es vorbei. Spa­nien jubelt, Kroa­tien trauert. Was ange­sichts dieser beiden Ener­gie­leis­tungen unge­fähr ähn­lich aus­sieht. Und auch der Ticker ist platt. Bleibt nur noch zu sagen: Danke, Fuß­ball. Und immer schön #CROESP bleiben.