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3. Liga

Liveticker
1. FC Kaiserslautern – Waldhof Mannheim 0:1
3. Liga

13:35 Uhr

Freunde, herz­lich Will­kommen zum nächsten Live­ti­cker der Dritten Liga! Heute haben wir uns mal einen rich­tigen Lecker­bissen raus­ge­sucht: Kai­sers­lau­tern gegen Waldhof Mann­heim. Wer diese Riva­lität nicht kennt oder zu schätzen weiß, ist ver­mut­lich nach 1995 geboren oder hat den Fuß­ball nie geliebt. An der Tas­tatur heute des­halb für euch mit Alex Raack ein Jahr­gang 83, dessen Zunei­gung zum Fuß­ball sich zum Bei­spiel auch darin zeigt, dass er seiner Ange­trauten dann und wann merk­wür­dige alte Fuß­ball-Songs vor­schmachtet. Zum Bei­spiel dieses. Möge auch bei euch das Schmachten beginnen!

13:45 Uhr

7500 Zuschauer dürfen heute dabei sein. In Zeiten wie diesen klingt das nach 100.000 Eupho­ri­sierten in irgend­einem alten Ost­block-Tempel. Natür­lich bitter bei so einem Derby: Gäs­te­fans sind keine zuge­lassen. Arme Lau­terer: Wer soll heute ihren Hass abbe­kommen?

13:55 Uhr

Hof­fent­lich nicht wieder jenes arme Haus­schwein, dass vor einem der letzten Auf­ein­an­der­treffen her­halten musste, um die Abnei­gung zwi­schen FCK und Waldhof dar­zu­stellen. Woher eigent­lich diese gegen­sei­tige Wut? Die hat offenbar ihren Ursprung, als die Waldhof-Buben 1983 über­ra­schend in die Bun­des­liga auf­stiegen und die Lau­terer fürch­teten, einen Groß­teil ihrer Anhän­ger­schaft nach Mann­heim zu ver­lieren. Waldhof war dann schon bald keine sport­liche Kon­kur­renz mehr, Kai­sers­lau­tern erlebte in den Neun­zi­gern seine erfolg­reichste Zeit und schmierte später gna­denlos ab. Dass sich heute, im Jahr 2020, beide Teams in der Dritten Liga wie­der­sehen, kann der Fuß­ball-Gott eigent­lich nicht gewollt haben.

1.

Erstes Derby übri­gens für die beiden Trainer der Teams, Jeff Sai­bene beim FCK und Patrick Glöckner bei den Mann­hei­mern. Kom­mentar der Kol­legen von kicker​.de: Über den Stel­len­wert (des Derbys) wurden sie aber nach eigener Aus­sage ein­ge­hend auf­ge­klärt.“ Schöne Vor­stel­lung, wie den beiden Herren lie­be­voll gestal­tete Kin­der­bü­cher mit fast nackten Hoo­li­gans gezeigt werden, die hem­mungslos auf­ein­ander ein­prü­geln und nach neun Monaten noch mehr Riva­lität gebären.

4.

Apropos Auf­klä­rung und lie­be­voll gestal­tete Kin­der­bü­cher: Lau­terns Sai­bene ist, Zitat, noch immer in der Ken­nen­lern­phase“. Nächste Woche lädt ihn Atze Fried­rich auf ein Eis mit Scho­kost­reu­seln ein. Danach viel­leicht knut­schen im Korn­feld. Dazu sanftes Fritz-Walter-Wetter.

6.

TOOOOR!!! 1:0 für Waldhof. Angriff über Lau­terns linke Seite (wo war Andy Brehme?), Ball kommt in die Mitte, da steht Kol­lege Joseph Boyamba und haut die Kugel ins Netz. Hey, super Waldhof.

10.

Dem Kol­legen von Magenta haben sie offenbar was in den Kaffee getan. Sprach erst vor dem Anstoß von einem Spiel, an das wir uns ganz sicher noch lange erin­nern werden“, bekam dann fast Schnapp­at­mung bei der Lau­terer Ver­eins­hymne, brachte ori­ginal noch ein Stu­den­tengag auf Kosten von Schiri Bad­stübner und jauchzte eben: Fühlt sich das nicht wie Fuß­ball an?“ Nun, Kol­lege, nicht ganz. Ist halt Corona, ins Sta­dion durften gerade mal 7500 und nicht ein ein­ziger Aus­wärtsfan. Mein Gott, komme mir schon vor wie ein Mecker­r­entner am Fens­ter­brett. Ich geh mal mein Ellen­bo­gen­kissen wech­seln.

15.

Tor­schütze Boyamba hat im Inter­view vor dem Spiel offenbar seinen inneren Oli Kahn ent­deckt und zu Pro­to­koll gegeben: Gerade eine Kulisse, die kom­plett gegen uns ist, kann pushen.“ Würde mich wenig wun­dern, wenn der Mann gleich in die Eck­fahne beißt oder Heiko Herr­lich anknab­bert. Nur bitte, bitte, keine Bananen.

18.

Mein neuer Lieb­lings­spieler beim FCK (und damit Nach­folger des großen Tom Dooley) heißt Kenny Prince Redondo. Ein­fach über­ra­gend, wenn Eltern ihrer Liebe für Zei­chen­trick­filme, Pop­musik und argen­ti­ni­schem Fuß­ball so freien Lauf lassen. Kleiner Wink mit dem Zaun­pfahl an meine Eltern: Wie gerne hätte ich Alf Elton Mara­dona geheißen.

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23.

Für all euch Jung­spunde da draußen: Der Mann, der den SV Waldhof Anfang der 80er in die Erst­klas­sig­keit führte, heißt Klaus Schlappner, ist inzwi­schen 80 Jahre alt, trug meis­tens einen hüb­schen Schnauz­bart und einen noch hüb­scheren Hut, vor allem aber gab der Mann wun­der­bare Pres­se­kon­fe­renzen. Beweis­stück A:

27.

Bis­lang ein ganz nor­males Dritt­liga-Spiel: Viel Krampf, biss­chen Unent­schlos­sen­heit, dafür Moti­va­tion auf beiden Seiten. Erin­nert also alles an ein han­dels­üb­li­ches Tinder-Date. Glöckner zu Sai­bene: Zur mir oder zu dir?“

32.

Ero­tisch auf­ge­laden ist dieses Derby allemal. Waldhof-Trainer Glöckner vor der Partie im Tes­to­steron-Rausch: Fakt ist: Die Jungs gut ein­ge­stellt und genauso heiß, wie ich es bin.“ Prä­dikat: Beson­ders Lechz.

37.

Boah, sen­sa­tio­nelle Dop­pel­pa­rade von Lau­terns Keeper Spahic. Erst den abge­fälschten Fern­schuss pariert, dann den Nach­schuss aus exakt 40 Zen­ti­me­tern abge­wehrt. Muss man erstmal die Eier haben, um sich so irre in den Gegner zu schmeißen. Gerührt haut sich Gerry Ehr­mann den Vor­schlag­hammer auf den kleinen Zeh und kaut dann weiter ganz in Ruhe die ros­tigen Nägel, die ihm seine Frau so lie­be­voll auf seine guss­ei­sernen Schnitt­chen geschmiert hat.

41.

Stand jetzt Lau­tern Letzter. Hinter Mag­de­burg, hinter Uer­dingen. In der Dritten Liga. Und jetzt schon wieder ein unnö­tiger Ball­ver­lust im Auf­bau­spiel plus Foul und Gelbe Karte. Zwi­schen­fazit: Der Teufel steckt im Detail.

43.

Ach ja, Kai­sers­lau­tern. Was ein Verein, was eine Geschichte, was ein Absturz. War es nicht erst ges­tern, als an der Sei­ten­linie Otto Reh­hagel im Jogger auf dem kleinen Finger pfiff und Olaf Mar­schall und Rat­inho den FCK zur Meis­ter­schaft schossen? Was wurden am Bet­zen­berg schon für große Schlachten geschlagen und jetzt muss man froh sein, dass man in der Dritten Liga nicht gegen Waldhof auf den Sack bekommt. Bleibt stark, liebe Lau­tern-Fans!

Halb­zeit

Der 1. FC Kai­sers­lau­tern am 10.10.2020. Sym­bol­foto. Bis gleich.

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46.

Weiter, immer weiter. Hat Oli Kahn immer gesagt. Muss ja. Hat unsere Omma immer gesagt. Da würde ich sowieso nicht hin­gehen.“ Hat Mann­heims Marcel See­gert geant­wortet, als ihm eben in der Halb­zeit die Frage gestellt wurde, ob er selbst mit ganz viel Kohle jemals zum FCK gehen würde. Der Jubel aus den Mann­heimer Fan­kneipen und Wohn­zimmer war sogar hier im fernen Celle deut­lich hörbar. Grüße gehen raus nach D5 und K19!

50.

Ganz andere Kör­per­sprache bei den Lau­te­rern“, erkennt der Magenta-Kol­lege Straß­burger nach den ersten drei Zwei­kämpfen. Die Vie­rer­kette tanzt die Namen der Gegen­spieler. Auf Spa­nisch.

53.

Bei­nahe-Fan­tasie-Tor vom FCK! Flanke von rechts, Sche­ren­schlag, von einer Mann­heimer Birne abge­wehrt. Kurz darauf die nächste Groß­chance. Und end­lich, end­lich, macht die Mann­schaft die 6000 glück­lich. Fritz Walter schaut von oben zu und bekommt Gän­se­haut.

58.

Nun also doch noch so etwas wie Derby-Atmo­sphäre hier. Ach, Fuß­ball, du Wech­sel­ba­de­gast der Gefühle! Es braucht nur ein paar gewon­nene Zwei­kämpfe, in den geg­ne­ri­schen Straf­raum geschla­gene scharfe Flanken, ker­nige Sprint­du­elle und die ein oder andere Chance und schon ver­än­dert sich die ganze Statik einer Partie. Für alle, die in den ver­gan­genen Jahren lieber Foot­ball oder Tennis geschaut haben: So was gibt es dann halt doch nur hier.

63.

Sieht das nur so aus, oder ist der Rasen im guten alten Fritz-Walter-Sta­dion ein ganz schöner Acker? Gleich pflanzt Sai­bene im geg­ne­ri­schen Fünfer ein paar Miro Kloses an. Oder wie der Bota­niker sagt: Miro­klosus Blau­bach­di­edel­kopfus.

66.

Kopf­ball Bach­mann, Glanz­pa­rade Bar­tels! Hätte Rene Higuita zwar mit der Hacke nach vorne gespielt, aber Mann­heim ist nicht Kolum­bien und Bar­tels ist nicht Higuita, des­halb wie­der­hole ich mich: Glanz­pa­rade!

70.

An dieser Stelle nehme ich mir die Zeit, um end­lich ein Lob­lied auf die Frisur von Jeff Sai­bene zu singen. Hinten lang, vorne buschig, dazu dieser Mit­tel­scheitel, der seit 1979 ein­fach nicht mehr wächst, herr­lich. Man möchte glatt der Föhn sein, mit dem sich der gute Jeff mor­gens die Mähne in Form bringt. Danach raus auf die Straße, Espresso, Mor­gen­zei­tung, Käse­bröt­chen, Gewin­ner­lä­cheln. Natür­lich nur, wenn seine Mann­schaft dieses Ding hier noch drehen sollte. Stand jetzt: Kai­sers­lau­tern, Bet­zen­berg, die Frisur sitzt. Trotzdem 0:1.

72.

Apropos Haare, apropos Lau­tern. Wer diese Legende noch kennt, bekommt eine Locke von Tim Jür­gens. Die rich­tige Ant­wort bitte an: wearsomeflowersinyourhair@​11freunde.​de

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77.

Wahn­sinns­szene eben vor dem Mann­heimer Tor. Ball kommt zu Hanslik, der zieht mit rechts ab, Tor­wart Bar­tels ist schon geschlagen, aber Abwehr­mann Gözütok klärt auf der Linie. Junge, Junge. Soll der Aus­gleich hier nicht fallen? Und dann dieses: TOOOOR!!! 1:1 durch Ritter! Lau­tern wieder da, das Derby raucht und faucht und am Bet­zen­berg brennt die Hütte.

80.

Woran man merkt, dass man ein alter Sack geworden ist: Wenn man sich Mühe geben muss, einen der aktiven Spieler in Liga 3 zu kennen und sich dann freut, wenn mal wieder der Sohn eines frü­heren Kickers im Kader auf­taucht. Wie am heu­tigen Tage Jesper Ver­laat, Soh­ne­mann vom ehe­ma­ligen Wer­de­raner Frank. Das Haupt­haar hat er defi­nitiv vom Papa geerbt, Glück­wünsch. Wann bringt Sai­bene den Schwipp­sch­wager von Ailton?

83.

Straß­burger beschwört den Mythos Bet­zen­berg“ und in der Pfalz stellen sich gerade alle Haare auf. Rot­wein auf Lebens­zeit für den Mann am Mikro, wenn der FCK dieses Spiel tat­säch­lich noch dreht. Viel­leicht, lieber Kol­lege, gibt es auch ein paar Fla­schen für die Tetrapak-Trinker von 11FREUNDE. Wir tickern dann auch unseren Rausch, ver­spro­chen. Love and hicks.

88.

Der ein­ge­wech­selte Ciftci bei­nahe mit dem Füh­rungs­treffer. Dann hätten sie end­lich einen guten Grund, um diesen unglaub­lich dichten Voll­bart im Ver­eins­mu­seum aus­stellen zu können. Gleich neben den Locken von Harry Koch und dem Minipli von Olaf Mar­schall. Zwei Reihen weiter erwarten sie übri­gens die Waden­mus­ku­latur von Martin Wagner und das Selbst­ver­trauen von Mario Basler.

90.

Mann­heim war stark, Mann­heim war über­legen, Mann­heim bestimmte die Melodie dieser Partie. Seit der Halb­zeit nur noch Lau­tern am Mic. So klingt das seit der 46. Minute:

90.+1.

Nach­spiel­zeit ist ange­bro­chen. Unge­bro­chen noch immer der Kampf­geist der Gast­geber. Eine zweite Halb­zeit, die längst dafür ent­schä­digt hat, was sich die 6000 in den ersten 45 Minuten hier geben mussten. Und was ver­misse ich in sol­chen Momenten all jene, die nicht bei diesem Spiel sein können. Volles Haus am Bet­zen­berg, Süd­west-Derby, Schmacht. Noch zwei Minuten.

Abpfiff

Ende, aus, es bleibt beim 1:1. Zwei Mann­schaften und Halb­zeiten, die unter­schied­li­cher nicht sein konnten, sehr viel gefres­senes Gras, sehr viel Der­by­fee­ling, Danke dafür! Der Live­ti­cker reibt sich jetzt erstmal mit Lat­schen­kiefer ein und sucht im Internet nach Klaus-Schlappner-Pepi­tahüten, wünscht euch ein wun­der­bares Fuß­ball-Wochen­ende und freut sich schon aufs nächste Wie­der­sehen!