Wird Indien das neue Fußball-Mekka?

»Die Begeisterung ist da«

Der in Deutschland lebende Chris Punnakkattu Daniel bloggt über indischen Fußball. Zum Start der neuen Indian Super League sprachen wir mit ihm über Freddie Ljungbergs Kondition und nächtliche Überraschungen für Robert Pires.

imago images

Chris Punnakkattu Daniel, in der ersten Woche der neuen Indian Super League verfolgten in Indien 170 Millionen Menschen das Geschehen, etwa doppelt so viele wie bei der Weltmeisterschaft. Wieso boomt der indische Fußball erst jetzt so richtig?
Fußball ist definitiv kein neuer Sport in Indien. Beim Kalkutta-Derby zwischen Mohun Bagan und East Bengal kommen bis zu 120.000 Menschen ins Stadion. Die Begeisterung und Tradition ist da, sie hat nur nicht so eine prominente Stellung wie beispielsweise Cricket. Inder sind Erfolgsfans.

Die Super-League erweckt auch in Europa viel Aufsehen, gerade weil viele Altstars wie Marco Materazzi und David Trezeguet nach Indien gewechselt sind. Was bedeutet das konkret für den indischen Ligabetrieb?
Im Vorfeld ist viel Falsches kommuniziert worden. Die ISL ist keine neue Liga, sondern eher ein Turnier, das zehn Wochen lang mit acht Mannschaften ausgetragen wird. Es ist nicht so, dass die ISL nun die erste indische Liga -die I-League- ablöst, es geht schlichtweg darum, den indischen Fußball durch große Medienpräsenz und viel Geld national als auch international populärer und interessanter zu gestalten.

Es soll also ein Hype kreiert werden, der Zuschauer anlockt, um den indischen Fußball langfristig zu etablieren?

Richtig. Als Vorbild fungiert da die Indian Premier League, die Cricket Liga. Auch dort hat man internationale Stars geholt und durch PR-Aktionen viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Altstars mögen ihren Zenit schon überschritten haben, ihre Namen sind aber in Indien noch unglaublich präsent.

Der Versuch im Jahr 2012, Fußball in Indien populärer zu machen, scheiterte letztendlich. Sehen Sie diese Gefahr auch bei der ISL?

Das Projekt 2012 wurde aus vielerlei Gründen wieder eingestampft, ist mit dem jetzigen Projekt aber kaum vergleichbar. Die Gefahr, dass so ein Projekt kein Erfolg wird, ist immer da. Man muss eine abschließende Bilanz ziehen: Was war der Nutzen, wie hoch ist gegebenenfalls das Minus? Dann schaut man, ob eine zweite Saison Sinn macht.

15 Bücher

15 Bücher

Zweite Chance