Wie es ein Achtligist zur WM-Qualifikation geschafft hat

»Spiel doch für Guam!«

Eigentlich kämpft Aaron Krüger mit dem SV Wiesbaden gegen den Abstieg aus der achten Liga. Morgen aber spielt er in der WM-Qualifikation gegen China. Wie ist es dazu gekommen?

Foto: Privat

Aaron Krüger, wie viele Zuschauer hat so ein durchschnittliches Gruppenliga-Spiel (8. Liga, Anm. d. Red.) in Wiesbaden? 

So um die 300 schätze ich. Wieso? 

 

Ins Bird’s Nest, dem Nationalstadion Chinas, passen circa 90 000 Fans. Morgen spielen Sie dort mit der Nationalmannschaft von Guam in der WM-Qualifikation.

Echt irre. Auch wenn das Stadion gegen Guam wahrscheinlich nicht ausverkauft ist, wird dort eine beeindruckende Stimmung herrschen. Fußball explodiert da gerade. 

 

Sie sind jetzt 30 Jahre alt und geben ihr Nationalelf-Debüt. Wie kommt man so spät zur Nominierung?

Ganz einfach, der Trainer hat mich angerufen. Ich muss dafür aber etwas ausholen: Die Familie meines Vaters stammt aus Guam. 2016 war ich nach Ewigkeiten wieder dort, um Verwandte zu besuchen und Urlaub zu machen. Weil mein damaliger Verein, der SV Niederolm, zu dem Zeitpunkt mitten in der Saisonvorbereitung steckte, wollte ich mich in der Zeit fit halten - sechs Wochen sind ja selbst bei uns Amateuren eine lange Pause. Also habe ich mich online nach Fußballklubs in Guam erkundigt, genauer gesagt habe ich einfach nur »Football Guam« gegoogelt. Ich fand heraus, dass es dort eine erste, zweite und dritte Liga gibt. Nach dem Motto »Mal gucken, wie gut das da ist«, habe ich ganz frech dem Tabellenführer der ersten Liga geschrieben, denen erklärt, dass ich in Deutschland in der 8. Liga kicke, und gerne etwas mitspielen würde, solange ich im Urlaub bin. 

 

Der Tabellenführer der ersten Liga? Ganz schön ambitioniert.

Ja, das war damals der Rovers FC. Deren Kapitän antwortete mir auch gleich ganz lapidar: »Klar, komm vorbei. Sag mir einfach Bescheid, wenn du auf der Insel bist.«

 

Wie ging es weiter?  

Als ich schließlich da war, gab es erst einmal ein großes Hin und Her. In Guam war zu diesem Zeitpunkt für vier Tage der Strom ausgefallen. Als ich mich endlich melden konnte, bekam ich die Nachricht, dass ich für ein »little scrimmage« vorbeikommen solle, was so viel heißt wie »ein bisschen kicken«. Als ich dann von weitem den Platz sah, bemerkte ich schon, dass dort alle in Blau trainierten - der Nationalfarbe Guams. Ich dachte mir, dass ich vielleicht nicht richtig angezogen sei, schließlich bin ich nur in meinen Trainingssachen vom SV Niederolm aufgekreuzt. Als ich ankam, hat mich ein Ordner abgefangen und gefragt, ob ich jetzt auch für die Try-Outs des Nationalteams da wäre.