Wie ein Tipp-Kick-Männchen ins Weltall kam

Astro-Fohlen

1997 reiste der heute 62-jährige Mönchengladbacher Physiker und Astronaut Reinhold Ewald zur russischen Raumstation Mir. Auf seiner 19-tägigen Reise begleitete ihn eine Tipp-Kick-Figur von Borussia Mönchengladbach. Wie die sich im Weltraum geschlagen hat und warum Gladbach in der Zeit ohne Niederlage blieb.

Reinhold Ewald

Reinhold Ewald, am 10. Februar 1997 wurden Sie mit Ihren Kollegen Wassili Ziblijew und Alexander Lasutkin von einer Rakete mit 300 Tonnen Treibstoff und einer Geschwindigkeit von 7,5 Kilometern in der Sekunde ins Weltall geschossen. Ganz ehrlich: Hatten Sie keine Angst?
Ich vermeide das Wort Angst, weil Angst lähmt. Wir waren ja keine Versuchskaninchen, die in eine Situation hineingeworfen wurden, aus der wir uns keinen Reim machen konnten. Wir haben die Rakete, mehr aber noch die Kapsel um uns herum, intensiv kennengelernt und waren auch wirklich überzeugt, dass sie in jeder Phase des Starts Rettungsmöglichkeiten bietet. Ich hatte eher das Gefühl der Sorge, dass es nicht losgeht oder wir vielleicht auf der Startrampe stehen bleiben könnten. Ich fragte mich, wann es dann einen neuen Versuch geben würde und ob ich überhaupt noch einmal die Chance bekäme, diese fantastische Aufgabe im All wahrzunehmen.

In Ihrem »Handgepäck« begleitete Sie ein Tipp-Kick-Männchen von Borussia Mönchengladbach. Wie wurden Sie Borussia-Fan und was war Ihre Intention, ausgerechnet diese Spielfigur mit ins Weltall zu transportieren?
Als Jüngstes von vier in Mönchengladbach lebenden Kindern – mein Bruder war zehn Jahre älter als ich – war früh klar, dass ich an den Wochenenden mitgenommen wurde zum Bökelberg und dort meine Zeit verbrachte. Da fragt man sich nicht, ob man Anhänger der Spielvereinigung Rheydt wird. Als ich 1997 ins All flog, war Tipp-Kick sehr präsent in unserer Familie und wir haben oft das Spielfeld ausgerollt. Dabei lernt man schnell die verschiedenen Schnittmöglichkeiten, die mit einem Ball möglich sind. Ich wollte einmal ausprobieren, wie die Flugkurven von solchen Bällen sind, wenn man irdische Gewohnheiten nicht anwenden kann.

Und wie sind sie?
Tatsächlich geht der Ball in einer geraden Linie weg. Weil ein solch kleines Objekt in einer großen Raumstation leicht verloren geht, konnte ich das gar nicht richtig auskosten, da der Ball geradewegs zur Decke ging und von dort abprallte. Weil ich eine der ersten Digitalkameras dabeihatte, die noch nicht über die Qualität von heute verfügte, musste ich im Nachhinein feststellen, dass ich den ersten Schuss eines Tipp-Kick-Männchens im All auf eine sehr amateurhafte Art und Weise fotografiert habe.