Warum die Frauen des 1. FC Köln im Gefängnis trainierten

»Sport verbindet und schafft ein Einheitsgefühl«

Im Inneren des Gefängnisses angekommen ging es dann auf den Fußballplatz. Wie lief das Training genau ab?
Es war ein normales Training mit Passübungen und Schusstraining. Beim Spiel wurden die Mannschaften durchgemischt. Da wollte jeder gewinnen und es wurde sich nichts geschenkt. Während der Trainingseinheit konnten wir uns schon austauschen. Danach haben wir im Gemeinschaftsraum im Zellentrakt die Möglichkeit gehabt, mit den Mädels Kuchen zu essen, den sie selbst gebacken haben. Sie waren total offen und es wurde gelacht. Das Eis war gebrochen.

Berührungsängste gab es also gar nicht? Die meisten der Frauen sitzen wegen Körperverletzungsdelikten hinter Gittern.
Natürlich wussten wir, dass sie schwerere Verbrechen begangen haben. In Deutschland kommt man ja nicht wegen einmal Schwarzfahren ins Gefängnis. Aber die Mädels waren sehr offen und hatten überhaupt keine Probleme, darüber zu reden, warum sie im Gefängnis sitzen. Es wurde schnell persönlich. Sport verbindet und schafft ein Einheitsgefühl.

Sie sprechen von einem Einheitsgefühl. Wollten Sie dieses mit dem Training auch vermitteln und glauben Sie, Sie können ein Vorbild für die Frauen zwischen 16 und 24 Jahren sein?
Es wurde im Vorhinein nicht explizit besprochen, aber es ist offensichtlich, dass wir mit einer Vorbildfunktion hinein gegangen sind. Es ging um Teamfähigkeit, Respekt vor den Mitspielerinnen, Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und auch das Einhalten von Regeln und festen Strukturen. All das, was in einem Mannschaftssport wichtig ist und was auch auf die Lebenswirklichkeit übertragbar ist. Sonst schafft man es nicht in die 1. Bundesliga. Die Insassinnen sind sehr fußballbegeistert. Einige haben gesagt, dass sie nach ihrer Strafe in ein Team wollen. Sie haben sogar scherzhaft gefragt, ob sie beim FC anfangen können.

Konnten Sie auch etwas von den Insassinnen lernen?
Die jungen Frauen haben in ihrem Leben schon viel erlebt. Teilweise sitzen sie nicht zum ersten Mal im Gefängnis. Manche Frauen können ja gar nicht viel dafür, da sie in andere Umstände hineingeboren wurden als wir. Dennoch haben sie immer noch Mut und wollen einen neuen Angriff nehmen, wenn sie wieder raus sind. Das fand ich imponierend.

Der Tag hat also Eindruck hinterlassen. Was nehmen Sie für sich mit?
Es ist ein nachhaltiges Erlebnis gewesen, dass auch nachdenklich macht. Wir haben die ganze Rückfahrt im Auto darüber gesprochen. Dieses Gefühl nicht in Freiheit zu sein - das vergisst du nicht. Man lernt zu schätzen, was das bedeutet. Wenn es erneut einen Besuch in der JVA geben wird, bin ich definitiv wieder dabei.