Tomislav Piplica über Patzer, den Krieg und Cottbus

»Ich bin eigentlich ein weicher Typ«

Sie haben mal gesagt: »Ich spiele auch für das Publikum, das will ein bisschen unterhalten werden.« Wie kamen Sie mit Disziplinfanatiker Ede Geyer zurecht?
Manchmal sagte er: »Deinetwegen bekomme ich noch einen Herzinfarkt an der Seitenlinie.« Aber er war nicht so hart, wie viele glauben. Er hat ein Riesenherz gehabt, das er nur nicht so oft zeigen wollte. Als er mal nach einem sehr guten Spiel wieder nichts gesagt hat, fragte ich ihn: »Trainer, wann willst du mich mal loben?« Er antwortete nur: »Pipi, warum soll ich dich loben? Du weißt doch selbst, dass du gut gespielt hast!«

Sie sollen auch gerne gefeiert haben.
Als Profi hat man damals nicht so asketisch gelebt wie heute. Geyer hat gewusst, dass wir auch mal losgezogen sind, aber er ließ uns machen. Er wusste, dass man den Spielern gewisse Freiheiten geben muss, damit sie sich wohl fühlen. Ich erinnere mich noch an eine Party bei meinem Stammitaliener, auf der er auch war. Ich bestellte dort immer »Gigi«. Drei, viermal, einen Gigi bitte. Irgendwann fragte Geyer: »Mensch, Pipi, was ist eigentlich dieses Gigi?« Ich druckste rum, dann ließ ich ihn nippen und er grinste. Gigi war das Codewort für Johnnie-Walker-Cola.

Stürmer werden gerne nach Ihrem besten Tor gefragt. Erinnern Sie sich an Ihre beste Parade?
Der größte Sieg war ziemlich sicher das 1:0 bei 1860 München am 34. Spieltag 2001. Dadurch sind wir in der Bundesliga geblieben. Aber die größte Parade? (Überlegt.) Es gab einige im Spiel bei Bayer Leverkusen im Sommer 2007. Ich war damals schon 38, aber in diesem Spiel hielt ich wirklich alles. 21 Schüsse in 90 Minuten, Endstand 0:0 (der »Kicker« gab Piplica die Note 1, d. Red.), danach gratulierte sogar René Adler mir altem Sack.

Die Mediziner hatten Ihnen längst zu einem Karriereende geraten.
Als ich 35 war, erlitt ich einen dreifachen Schulterblattbruch, und unser Vereinsarzt sagte: »Das war’s.« Ich ließ mich dann in einer Berliner Spezialklinik operieren. Danach habe ich am Comeback gearbeitet wie ein Besessener, meine Frau sagte: »Pipi, du trainierst mehr als zu der Zeit, als du gesund warst.« Ich wollte den Leuten beweisen, dass es noch geht. Ich wollte selbst bestimmen, wann Schluss ist.

Sind Sie abergläubisch?
Ich hatte meine Rituale und Routinen. Bei jedem Spiel musste ich neue Handschuhe tragen. Ich bete auch jeden Tag. Aber ich fahre auch jeden Tag über die Autobahn von Leipzig nach Nordhausen, da ist es ganz gut, wenn man vorher betet. Ich bin eigentlich ein weicher Typ.

Ihr ehemaliger Mitspieler Christian Beeck nannte Sie allerdings »Eisenbieger«.
Ich hatte viele Spitznamen: »Pipi«, »Pirat«. Geyer nannte mich mal »Partisan«, weil ich Mehrtagebart trug und langhaarig war. Und Eisenbieger hieß ich eben wegen meines Händedrucks. Ich mag es nicht, wenn man beim Händeschütteln das Gefühl hat, man habe einen toten Fisch in der Hand.

Mitte der Nullerjahre tauchte Ihr Name im Zusammenhang mit dem Wettskandal um Ante Sapina und Robert Hoyzer auf. Was hatten Sie mit den beiden zu tun?
Nichts. Ich bin Profisportler und möchte, dass der Fußball sauber bleibt. Es gab allerdings ein Foto aus dem Café King.

Wieso?
Das Café King war unter Kroaten sehr bekannt. Als ich in Berlin war, bin ich dort mal auf einen Kaffee oder Tee hingegangen. Aber ich war deswegen kein Betrüger. Genauso wenig bin ich Politiker, weil es Bilder von mir mit Angela Merkel oder Gerhard Schröder gibt.

Was hatten Sie mit Schröder und Merkel am Hut?
Beide besuchten auf ihren Wahlkampftouren im Osten auch mal unser Stadion der Freundschaft. Schröder schoss dabei einen Elfmeter gegen mich, den ich natürlich durchlassen sollte. Aber ich hatte keine Lust, dieses inszenierte Spiel mitzumachen und hielt den Schuss. Das gab später etwas Ärger vom Verein.