Rafael van der Vaart

»Der ist sowieso eine Legende«

Erst einmal müssen Sie sich ja offiziell von der aktiven Karriere verabschieden. Wer macht eigentlich mit?
Wir beginnen jetzt damit, alte Teamkollegen vom HSV und meinen anderen Teams wie der niederländischen Nationalmannschaft einzuladen. Auch aus meiner ersten Zeit beim HSV hoffe ich viele Jungs wieder zu sehen: Jarolim, Barbarez, Beinlich oder Mehdi (Mahdavikia, Anm. d. Red.). Vielleicht kommen die Leute ja für Mehdi. Der ist sowieso eine Legende: Ich habe in jedem zweiten Spiel ein Tor geschossen, aber die Fans riefen immer »Meeehdiiii«, haha, ist das nicht toll?

Das kann man halt ganz gut rufen.
Anders kann ich mir das auch nicht erklären. Aber Spaß beiseite: Natürlich sind auch viele andere Kollegen wie Sneijder, van Bommel, van der Sar, Robben, Heitinga, Kluivert, Seedorf und van Nistelrooy eingeladen. Einige von ihnen haben bereits bestätigt, dass sie kommen, und ich hoffe, dass sie alle kommen werden.

Wie schwer ist es Ihnen eigentlich gefallen, Ihre Karriere zu beenden?
Ich habe den Fußball und die Menschen herum immer geliebt. Für mich ging es dabei auch nicht nur ums Gewinnen, sondern die Leute mit geilen Pässen oder Finten zu begeistern. Selbst in Dänemark, wo nicht so viele zugeschaut haben. Ich musste dann aber einsehen, dass es vorbei ist. Und es ist auch gut so, wie es ist. Ich bin zufrieden.

Und was kann der junge Damian van der Vaart vom alten Rafael van der Vaart für seine fußballerische Laufbahn lernen und besser machen?
Puh, das fragen viele. Aber ich sage immer, dass man vor allem aus Fehlern lernen muss. Dazu muss man sich überhaupt trauen, welche zu machen. Die Geschichte mit dem Valencia-Trikot hätte ich damals besser nicht machen sollen, aber sie hat mich als Mensch reifen lassen. Nur mit idealen Schwiegersöhnen gewinnst du keine Meisterschaft, du brauchst auch ein paar Kerle mit Ecken und Kanten. Fragen Sie mal meine Trainer, wie ich damals als junger Spieler so drauf war. Mit mir war es nicht immer einfach. Aber wenn man selbst Kinder bekommt, wird man mit der Zeit weicher. Ich kann heute über mich sagen, dass ich ein Weichei geworden bin. Die Familie ist für mich das größte und wichtigste überhaupt. Es war schön, mal ein paar Tore im Bernabeu-Stadion geschossen zu haben. Aber jetzt bin ich am glücklichsten. Und was ich meinen Kindern besonders an Herz lege: Ich bin kein besserer Mensch, nur, weil ich gut Fußball spielen kann. Jeder hat seine Qualitäten, die wir nicht höher oder niedriger als unsere eigenen bewerten sollten.

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