Rafael van der Vaart

»Hecking finde ich gut«

Auch der holländische Fußball hat uns in dieser Saison überrascht. Mit Ajax’ Einzug ins Halbfinale der Champions League war vorher eher nicht zu rechnen. Was hat sich im holländischen Fußball getan in den letzten Jahren?
Manchmal liegt es einfach an den Generationen, die nachziehen. Es gibt nicht jedes Jahr fünf oder sechs Weltstars. Wichtig ist, dass wir unserer Linie treu geblieben sind. Wir haben uns den Respekt zurückerkämpft.

Was macht diese holländische Mentalität aus? Auch beim HSV ist festzustellen, dass sich die meisten Ihrer Landsleute wie Stevens, Jol, de Jong oder jetzt van Drongelen von der Unruhe um den Klub nicht anstecken lassen.
Wir kennen keine Angst. Ich würde uns als hart, aber herzlich beschreiben. Doch jeder hat für sich einen ganz individuellen Weg. Was mich beim HSV immer gewundert hat: Wenn wir gute Spieler verpflichtet haben, kam das manchmal nicht ganz raus, obwohl sie wirklich gut waren. Angeblich sei der Druck hier zu groß. Aber wovon ist eigentlich die Rede? Die Leute stehen mal vor dem Stadion, wenn du 0:3 verlierst. Und sonst? Die Fans unterstützen den Verein doch phänomenal. Ich habe das mit dem großen Druck nie verstanden. Hoffentlich behalten sie in Zukunft die Ruhe, das hängt natürlich von der Leistung ab, aber das wäre gut für den Klub 

Was denken Sie über den neuen Trainer, Dieter Hecking? 


Wir haben hier schon einige Trainer gehabt, aber Hecking finde ich gut, der hat Erfahrung und ist authentisch. Das braucht der HSV. Was mir außerdem wichtig ist: Ich bin zwar hier Ausländer, aber ich würde gerne etwas mehr Hamburger Jungs in der Mannschaft sehen. Es ist eine gute Gelegenheit, damit anzufangen. Die besten Talente der Region müssen für den HSV spielen.

Klingt so, als könnten Sie sich einen Job im Fußball gut vorstellen.
Ich möchte mir das in Ruhe überlegen. Ich war zum Beispiel mal kurz Trainer bei einem Turnier von meinem Sohn Damian. Die erste Halbzeit lief nicht so gut, nach meiner Ansprache wurde es plötzlich besser. Da hat es mich für einen kurzen Moment gepackt. Am nächsten Tag war es dann anders: Die Jungs haben exakt das Gegenteil dessen getan, was ich ihnen mitgegeben hatte. Jeder zweite Ball wurde ohne Bedrängnis lang gespielt. Dann verstehst du, dass der Job sehr viel Geduld und Ruhe erfordert. Ich muss noch herausfinden, was zu mir passt.