Rafael van der Vaart

»Er hat geweint, ich habe geweint«

Spielertypen wie Sie sind über die Jahre ausgestorben. Echte Spielmacher gibt es nicht mehr.
Das Spiel hat sich verändert, das stimmt. Aber nicht unbedingt zum Positiven. Ich glaube allerdings, dass sich die Zeiten wieder verändern. Die Leute wollen offensiven, spektakulären und technisch anspruchsvollen Fußball sehen. Und nicht nur Taktik und lange Bälle.

Wenn man sich Ihre Karriere anschaut, kann man durchaus sagen, dass Sie es von ganz unten bis nach ganz oben geschafft haben. Vom Bolzplatz in der Nähe des Wohnwagens bis zu Real Madrid. Wie würden Sie Ihren Weg dorthin beschreiben?
Einerseits mit großem Talent, andererseits mit mentaler Stärke. Die Mentalität des Fußballs habe ich bei Ajax Amsterdam gelernt. Aber man muss auch das nötige Glück haben, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Die meisten Talente scheitern, weil sie mental nicht stark genug sind. Ich habe gelernt, immer wieder aufzustehen und alles abzuschütteln, wenn es mal schlecht lief im Leben. Und ich habe immer geglaubt, dass ich der beste der Welt bin. Das glaube ich heute noch. Wenn ich nicht daran geglaubt hätte, wer sonst? Im Spitzenfußball ist diese Denkweise einfach eine Strategie. Ich habe viele katastrophale Spiele gemacht und trotzdem nie an meiner Qualität gezweifelt. Man muss es immer weiter versuchen.

Wie erfährt man eigentlich, dass Real Madrid an einem interessiert ist?
Ich hatte beim HSV eine starke Saison gespielt und später bei der Europameisterschaft 2008 noch mal nachgelegt, so gerät man automatisch in den Fokus großer Vereine. Ich erinnere mich noch, wie ich meinen Großvater, der in Spanien lebt, um vier Uhr nachts anrief, als der Deal durch war. Er wusste schon, worum es geht, bevor ich es ausgesprochen hatte. Er hat geweint, ich habe geweint – das war wirklich die Erfüllung eines Traumes. 

Wie ist es mit dem Druck bei Real?
Der Druck ist überall da. Wenn du gut bist, erwarten die Leute immer das Maximum von dir. Egal, wo du spielst. Und egal, wie viele Menschen dir dabei zuschauen.

Sie haben in fast allen großen Ligen Europas gespielt. Welche ist die stärkste gewesen?
Ich fand die Bundesliga immer sehr herausfordernd. Mit dem HSV gehörten wir nicht zu den Top-Vereinen der Liga, wir mussten uns erst hocharbeiten. Und wenn man erst einmal in eine Krise gerät, schauen Sie sich Schalke in dieser Saison an, kommst du nur ganz schwer wieder da unten raus. Die Abstände sind gefühlt kleiner. In anderen Ligen passiert es nicht so häufig, dass ein Top-Verein derart abrutscht wie in Deutschland. Insgesamt hat die Liga einen großen Schritt gemacht und zieht inzwischen viele interessante Spieler an. Damals haben einige in den Niederlanden gesagt: »Was will van der Vaart eigentlich in der Bundesliga?« Heute ist es nicht mehr so.