Max Eberl über das neue alte Mönchengladbach

»Man kann nicht nur mit Jungen arbeiten«

Wer fällt eigentlich die Entscheidung, welcher Spieler kommt und wer nicht - der Sportdirektor?
Nein, es gibt keine Entscheidung, bei der nicht das Präsidium inklusive Hans Meyer und Rainer Bonhof so wie Lucien Favre mit am Tisch sitzen und sagen: »Ja, so machen wir das.« Auf diese Weise waren wir übrigens mit den Transfers für diese Saison bereits im März fertig, sieht man von Thorgan Hazard ab, dessen Ausleihe sich kurzfristig ergeben hat, für den wir dann Amin Younes nach Kaiserslautern ausgeliehen haben.

Weshalb stehen auf der Flipchart die drei Schlagworte: Führungsspieler, eigene Talente, externe Talente?
Es muss Leitlinien geben und einen Plan, wie die Mannschaft aussehen soll. Führungsspieler braucht man, weil man nicht nur mit Jungen arbeiten kann. Man braucht aber auch Talente, ob sie nun geholt oder von uns ausgebildet sind. Bei Transfers habe ich das immer im Auge.

Das klingt bei allem Respekt nicht sehr originell, und die meisten Ihrer Managerkollegen würden es vermutlich ähnlich aufschreiben.
Aber wie es gelebt und umgesetzt wird, bleibt das Entscheidende. Nicht nur die Strategie ist wichtig, sondern dass man nachhaltig an ihr festhält. Man darf nicht sagen: »Jetzt hat A nicht funktioniert, jetzt springe ich ganz schnell auf B. Und wenn B nicht funktioniert, springe ich ganz schnell auf C.« Ich glaube, dieses «sich von Jahr zu Jahr hangeln« wird über kurz oder lang dazu führen, dass du in den Graben fällst.

Wobei die Frage bleibt: Wer bekommt Nachhaltigkeit in einem Geschäft hin, in dem meisten nur von Wochenende zu Wochenende geschaut wird?
Das stimmt schon. Wer hat die ganzheitliche Systematik? Wer hat den Trainer dafür? Und wer hat die Spieler dafür? Mit Talenten arbeiten ist einfach gesagt, aber man muss Talente mit einem gewissen Niveau haben. Wir hatten letzte Saison ein Spiel, da stand Ter Stegen im Tor, Herrmann, Jantschke und Younes haben gespielt und Korb wurde eingewechselt. Das sind fünf Nachwuchsspieler von uns. Heute spielt Ter Stegen in Barcelona, Patrick Hermann ist im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft, Younes und Korb sind in der deutschen U21-Nationalmannschaft und Tony Jantschke war deren Kapitän.

Was würde sich ändern, wenn Borussia Mönchengladbach es in dieser Saison in die Champions League schaffen sollte?
Wir dürften, wenn wir ein Belohnungen auf dieses Niveau angleichen. Wir haben auch aus der Vergangenheit gelernt, mit wirtschaftlich überschaubarem Risiko durchs Leben zu gehen. Schon vor zwei Jahren, als wir Vierter geworden sind und in der Qualifikation zur Champions League standen, haben wir nicht gesagt: So, jetzt investieren wir, alles auf diese Karte. Dafür ist diese Demut aus den Erfahrungen der Vergangenheit einfach zu groß. Wir haben gelernt, keine verrückten Dinge zu machen.

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