Karl-Heinz Körbel über seine lange Karriere bei Eintracht Frankfurt

»Als würden wir zu einer Beerdigung fahren«

Sie haben 602 Bundesligaspiele bestritten, alle für Frankfurt. Wollten Sie nie woanders hin? 

Klar, einmal habe ich sogar gekündigt. Am letzten Spieltag 1983 musste Bruno Pezzey in der Halbzeit in der Kabine behandelt werden. Die Gelegenheit nutzte unser Schatzmeister, um ihm zu kündigen. Es war kein Geld mehr da, um ihn zu bezahlen. Nach der Saison flog ich mit Pezzey in den Urlaub in die USA. Er sagte: »Charly, ich rede mit dem Rehhagel. Du kommst mit nach Bremen.«

Charly Körbel bei Werder? 

Bum-kun Cha wurde ebenfalls verkauft, ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft auseinanderfällt. Und dann setzte mir Bruno diesen Floh ins Ohr. Also schickte ich aus den USA meine Kündigung, hier war helle Aufregung. Als ich 14 Tage später wieder nach Frankfurt kam, hatte der Verein neue Spieler geholt und Trainer Zebec machte mich zum Kapitän. Also zog ich meine Kündigung zurück.

Stimmt es, dass Sie beim berüchtigten Saisonfinale in Rostock beinahe Ihr Comeback gegeben hätten? 

Ich war Co-Trainer unter Stepi und noch topfit. In den Wochen vor Rostock verletzten sich immer mehr Spieler, Stepi sagte: »Ab jetzt trainierst du voll mit.« Wir besorgten mir sogar eine Spielgenehmigung. Doch nach dem Abschlusstraining meinte Stepi, er könne das nicht riskieren. Ich sagte: »Stepi, das ist ein großer Fehler. Wenn du Deutscher Meister werden willst, dann nur mit mir.«

Sie haben Recht behalten. 

Es hat nicht sollen sein. Am Tag vor dem Spiel stand plötzlich Roland Koch, Christoph Daums Co-Trainer in Stuttgart, bei uns am Trainingsplatz. Das brachte uns zusätzlich durcheinander. In Frankfurt war unterdessen schon die große Party geplant. Stepi hatte mit dem Radiosender FFH bereits einen Meister-Song vorbereitet, der dürfte im Archiv verschwunden sein. Am Spieltag sagte ich zu unserem Zeugwart Toni Hübler: »So können wir nicht Meister werden.« Hinzu kam, dass Stepi seine Linie als Trainer verließ, er stellte zum Beispiel Axel Kruse auf, den er zuvor wochenlang ignoriert hatte. Während des Spiels kam Pech dazu, der nicht gegebene Elfmeter. Irgendwann rannte unser Ersatztorwart Thomas Ernst hinter das Tor von Daniel Hoffmann und schrie ihn an: »Jetzt lass endlich den Ball durch, ihr seid doch schon abgestiegen.« Aber es klappte nicht, und wenig später saßen wir im Bus zum Flughafen und fühlten uns, als würden wir zu einer Beerdigung fahren.

Sie waren auch unter Jupp Heynckes Co-Trainer. Die Ära Heynckes und den Spielerstreik von Anthony Yeboah, JayJay Okocha und Maurizio Gaudino sehen viele in Frankfurt als Knackpunkt der Eintracht-Geschichte. 

Das wird bis heute falsch dargestellt. Wir spielten im Training Fünf gegen Zwei, Tony, Jay-Jay und Maurizio haben nur Quatsch gemacht. Heynckes ermahnte sie, aber die drei nahmen das nicht ernst. Jupp guckte sich das eine halbe Stunde an, dann verdonnerte er sie zum Waldlauf. Tony war sauer, ich sagte ihm: »Geh zum Trainer und entschuldige dich, dann ist die Sache gegessen.« Aber Tony wollte nicht. Mehr noch, er sagte gegenüber der Presse: »Er oder ich.«

Gelaufen wurde trotzdem. 

Nachmittags trafen wir uns zum Waldlauf. Heynckes lief mit, weswegen Yeboah vorne das Tempo ordentlich anzog. Was dazu führte, dass Heynckes nur noch hinterherhechelte. Als wir zurück waren, sagte Heynckes den Spielern dennoch, dass sie im Kader seien. Aber die drei sagten ab. Sie seien mental nicht in der Lage zu spielen. Heynckes blieb nichts anderes übrig, als sie zu suspendieren. Tony und Jupp sind einfach nicht miteinander klargekommen. Tony meinte mal: »Der Trainer hat böse Augen.« (Lacht.) Ich persönlich habe von Jupp viel gelernt und schätze ihn.