Gerhard Delling hört auf

»Die Entwicklung von RB Leipzig ist beschämend für manch Traditionsverein«

Sie sprachen vom Medienmodus, in den die Fußballprofis der heutigen Generation bei Interviews schalten. Hat man es als Reporter in anderen Sportarten leichter?

Vom Grundsatz her eigentlich nicht. Aber es ist schon so, dass sich ein Gespräch beispielsweise mit einem Handballer oder einem Leichtathleten häufig anders entwickelt als mit einem Fußballprofi – weil Erstere nicht jeden Tag interviewt werden. Sie reagieren in der Regel offener.

Beschäftigt sich eigentlich der Fernsehmoderator wie der Trainer nach dem Spiel mit der Videoanalyse, um Fehler zu erkennen und daraus für das nächste Spiel zu lernen?

Wenn man mit dem Job anfängt auf jeden Fall. Aber inzwischen muss ich mir nicht mehr am nächsten Tag die Aufzeichnung anschauen, um zu erkennen, was vielleicht nicht so gut gelaufen ist. Das weiß ich sofort nach der Sendung. Ich meine damit nicht Versprecher oder Blackouts, sondern Dinge, die dem Zuschauer wahrscheinlich gar nicht aufgefallen sind, wenn ich im Gespräch nicht dort hingekommen bin, wo ich eigentlich hin wollte. Auch über eine unglückliche Wortwahl kann ich mich schwer ärgern. Oh Mann, warum hast du das gesagt, frage ich mich dann und bin auch bereit, mich dafür manchmal zu zerfleischen.

Beim Spieler ist die Tagesform mitentscheidend – beim Moderator auch?

Anfangs, wenn man neu im Job ist, dann schon. Da ist es wichtig, wie man sich fühlt. Aber je mehr Routine man hat, desto weniger kommt es auf die Tagesform an. Trotzdem sind auch in unserem Metier echte Höhepunkte nur in bester Verfassung möglich.

Bei Ihrem letzten Spiel könnte RB Leipzig seinen ersten großen Titel holen – ein Graus für viele Fußballtraditionalisten.

Es ist ein Albtraum – ein Albtraum für Traditionsvereine wie den Hamburger SV. Der hat in den vergangenen Jahren wahrscheinlich nicht viel weniger Geld ausgegeben – oder sagen wir verbrannt – als RB Leipzig. Leipzig hat vorgemacht, was man erreichen kann, wenn man einen vernünftigen Plan hat. Beim HSV war alles schon da, beispielsweise die hervorragende Fanstruktur. In Leipzig musste alles erst aufgebaut werden. Die Entwicklung von RB Leipzig ist beschämend für manch Traditionsverein. 

Haben Sie sich denn schon Ihre Worte am Ende der Übertragung vom Pokalfinale überlegt? Gibt es zum Abschied ein Wiedersehen vor der Kamera mit ihrem langjährigen kongenialen Partner Günter Netzer?

Er wird sicher nicht im Bild auftauchen. Dann würden wir beide im Mittelpunkt stehen. Und das wäre mir eher peinlich. Ich habe mich ja schon am vergangenen Samstag nach über 30 Jahren Sportschau in der gebotenen Kürze verabschiedet. Und so soll das auch beim Pokalfinale sein. Es wird auch ohne mich weiter Fußball gespielt. Und es wird auch ohne mich weiter Fußball übertragen.