Eine Woche beim Afrika-Cup als deutscher Fan


»Ich habe Rohr gewarnt!«

Ein deutscher Fan reist nach Ägypten, um den Afrika-Cup live im Stadion zu verfolgen. Ein paar Tage später gibt er Nigerias Trainer Gernot Rohr Aufstellungs-Tipps an der Hotelbar, lobt den falschen Seedorf und klönt mit Eric-Maxim Choupo-Moting über den HSV.

Bild: Maximilian Lütgens

Maximilian Lütgens, bei der WM 2018 landeten Sie als ganz normaler Fan innerhalb von 24 Stunden zufällig im nigerianischen Fernsehen, feierten mit einem WM-Teilnehmer dessen Geburtstag und plauderten eine Runde mit DFB-Schreck Davor Suker (Hier geht’s zum Interview von damals). Lief der Afrika-Cup für Sie ähnlich erfolgreich ab?

Er war auf jeden Fall abenteuerlicher. Was in erster Linie mit dem Reisen innerhalb Ägyptens zu tun hat. Manchmal warten Busse zwei Stunden auf einen Fahrgast, der im Krankenhaus behandelt wird, manchmal hält der Fahrer an, um einem anderen Busfahrer beim Radwechsel zu helfen. Aber: Auch bei diesem Turnier konnte ich mit ein paar prominenten Akteuren sprechen. 



Mit wem?

Mit Clarence Seedorf zum Beispiel, der zusammen mit Patrick Kluivert die kamerunische Nationalmannschaft trainiert. Mit Eric-Maxim Choupo-Moting von Paris St. Germain, außerdem mit Nigerias wirklich sehr umgänglichen Trainer Gernot Rohr.



Über was haben Sie mit ihm gesprochen?

Es ging vor allem um die Aufstellung. Ich traf ihn im Teamhotel der Nigerianer, am Abend vor dem letzten Gruppenspiel gegen Madagascar. Wir tranken ein Bier zusammen, was in Ägypten – wenn überhaupt – nur in Hotels möglich ist. Rohr erzählte, dass er gegen Madagascar eine B-Elf ins Rennen schicken würde, schließlich war sein Team ja schon fürs Achtelfinale qualifiziert.



Und Sie wollten es ihm ausreden?

Ich habe ihn zumindest gewarnt. Madagascar hatte bis dahin ein Spiel gewonnen und ein Spiel unentschieden gespielt. Mir war klar, dass es für Nigeria unangenehm werden könnte. Aber Rohr meinte nur, dass es schon klappen würde.



Madagascar gewann am nächsten Tag mit 2:0.

Tja. Andererseits steht Nigeria mittlerweile im Halbfinale. Das Ergebnis war im Nachhinein also fast egal. Generell gehen Spieler und Trainer lockerer mit den Ereignissen rund um das Turnier um, als wir mit dem, was wir vom DFB gewohnt sind, vielleicht erwarten würden.



Woran machen Sie das fest?

Am Abend, als ich Gernot Rohr traf, spielte gerade Tansania gegen Kenia. Das Spiel lief unten in der Hotellobby im Fernsehen, beide Teams  waren potentielle Gegner Nigerias für das Achtelfinale. Aber kein nigerianischer Spieler schaute das Spiel. Also fragte ich mal beim Co-Trainer nach, was die denn alle machen würden. Er sagte: »Die sind auf ihren Zimmer und zocken Playstation. Darüber, was die Gegner so machen, wird uns ein anderer Co-Trainer dann rechtzeitig informieren.« Da habe ich mich dann doch etwas gewundert. 



Wie lange waren Sie in Ägypten?

Insgesamt eine Woche. In der Zeit habe ich sechs Spiele gesehen. Ich war in Kairo, in Alexandria und in Ismailia. Unterm Strich kann man sagen: Der Afrika-Cup ist ein großartiges Turnier.

Davon bekommen wir in Deutschland leider wenig mit. 

Klar, weil das fußballerische Niveau zu wünschen übrig lässt und viele Teams sehr defensiv denken. Da werden Spiele für den Fernsehzuschauer schnell langweilig.