Ein Delegierter berichtet vom DFB-Amateurfußball-Kongress

»Stimmung wie im Vereinsheim«

Der DFB lud Vertreter aus ganz Deutschland zum dritten Amateurfußball-Kongress ein. Gerd Thomas war als Jugenbeirat vom Berliner Fußballverband einer von ihnen. Wofür er Reinhard Grindel lobt und was er dennoch für unangemessen hält.

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Gerd Thomas, vergangenes Wochenende besuchten Sie den DFB-Amateurfussball-Kongress in Kassel. Was hatten Sie sich von dem Kongress erhofft?

Ich habe mir gar nicht so viel erhofft. Mein Ziel war es, viele neue Menschen aus anderen Regionen kennenzulernen und zu hören, was die so zu erzählen haben. Aber mir war von Anfang an klar, dass wir da in Kassel jetzt nicht die Sportwelt revolutionieren würden.

Wie war der Austausch?

Es war sehr interessant zu erfahren, was den Menschen aus den einzelnen Regionen auf dem Herzen liegt. Da herrschte so einiges an Redebedarf, dem man von Seiten des DFB noch viel mehr hätte entgegen kommen müssen.

Inwiefern?

Das Format der Konferenz war teilweise etwas langweilig. Es gab zu viele Podiumsdiskussionen. Das war mehr eine Art klassischer Frontalunterricht mit vollgeschriebenen Powerpoint-Folien. Da hätte ich mir gewünscht, mehr zu diskutieren. Ich frage mich: Hat sich der DFB mal beraten lassen? Es gab nicht nur zu viele Vorträge, sie haben den Delegierten auch inhaltlich kaum neue Erkenntnisse bringen können, das waren ja größtenteils alles selber Experten und Expertinnen. Die sind ja nicht ohne Grund eingeladen worden. Es ist auf jeden Fall eine gute Idee so einen Kongress zu machen. Dass der DFB so etwas überhaupt veranstaltet, kann man neben der ganzen Kritik auch mal positiv bewerten. Aber man hätte deutlich mehr erfahren können, wenn man der Basis mehr Raum zum Austausch gegeben hätte.

Wenn der DFB dreihundert Delegierte einlädt, sollte man doch aber meinen, dass er sich dann auch gut vorbereitet.

Allerdings. Vor allem wenn man bedenkt, dass eine Menge investiert wurde. Dreihundert Delegierte, die essen, schlafen und trinken.

Klingt ja fast nach einer neuen DFB-Lustreise.

Darüber wurde natürlich auch gescherzt und gesagt, dass sei jetzt »unsere Lustreise«. Aber sonst haben wir auf dem Kongress nicht darüber geredet. Das war jetzt nicht so, dass sich das DFB-Präsidium hingesetzt hätte, um sich unseren Fragen zu stellen.

Konnte man dennoch mit den Mitgliedern des DFB Präsidiums ins Gespräch kommen? Auf Bildern von dem Kongress sieht man Präsident Reinhard Grindel gemeinsam mit anderen Kongressteilnehmern zusammen am Tisch sitzen und reden. Eine kleine PR-Aktion oder hat das tatsächlich so stattgefunden?

Nein, das hat Grindel nicht nur für die PR getan. Das hat mich auch positiv überrascht und das muss man dem Präsidium auch lassen: Die gesamte DFB-Spitze war alle drei Tage komplett da und hat wirklich mit den Teilnehmern an den Tischen gesessen und mitdiskutiert. Das war kein Kongress nach dem Motto »Wir werfen jetzt heute mal ein paar Brocken hin, diskutiert mal schön, wir kommen zur Abschlussrede wieder.«