Die irre Story eines Fußballmanager-Wunderkinds

»Ich hatte Albträume und Schweißausbrüche«

Cherno Samba galt als Wunderkind des englischen Fußballs. Doch nach einem geplatzten Wechsel wollte er sich das Leben nehmen. Eine große Karriere machte er nur in der virtuellen Welt.

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Cherno Samba, stimmt es, dass Sie früher besser waren als Wayne Rooney? 

Wayne ist ein super Typ. Ich kenne ihn aus der Jugend-Nationalelf. Wenn der Trainer mit zwei Stürmern gespielt hat, standen wir zusammen auf dem Platz. Wenn wir nur mit einer Spitze gespielt haben, bekam ich den Vorzug – und er saß auf der Bank. Ich habe damals Tore wie zum Spaß geschossen, vier, fünf Stück pro Spiel.

Trotz Ihres Talents hat es nicht zur großen Karriere gereicht. Sie haben für Klubs wie Millwall und Plymouth, den FC Cadiz in Spanien, Haka in Finnland oder Panetolikos in Griechenland gespielt. Was ist schiefgelaufen?
Ich habe mich nicht genug angestrengt. Ich war besser als alle anderen, auf dem Platz fiel mir alles leicht. Deshalb glaubte ich, mich nicht bis an meine Grenzen pushen zu müssen. Wenn wir im Training zehn Läufe machen sollten, habe ich nur sechs gemacht. Ich habe nicht alles gegeben, so ehrlich muss ich im Nachhinein sein. 

Ein Wendepunkt war Ihr gescheiterter Wechsel von Millwall zum FC Liverpool. Da waren Sie 15 Jahre alt. Was ist passiert? 

Ich habe bei verschiedenen Vereinen ein Probetraining gemacht, in Leeds, bei Manchester United, bei Arsenal und Liverpool. Ich bin zwar Fan von Manchester United, aber ich wollte unbedingt zu Liverpool. Der Klub hat sich am meisten um mich bemüht.

Wie? 

Ich bekam zum Beispiel ein paar Tage nach dem Probetraining einen Anruf von Michael Owen. Ich saß gerade mit meinen Freunden im Schulbus. Sie glaubten mir nicht. Also habe ich mein Handy auf laut gestellt. Der ganze Bus ist ausgeflippt. Spätestens da war klar, dass ich zu Liverpool wollte. Ich konnte Michael doch nicht hängenlassen.

Warum kam der Wechsel dann doch nicht zustande? 

Millwall hat zwei Millionen Pfund gefordert, doch die Klubs wurden sich nicht einig. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich erinnere mich noch genau, wie mich mein Vater aus meinem Zimmer in die Küche rief und mir die Nachricht überbrachte. Ich habe mich auf den Boden geworfen und geheult wie ein kleiner Junge. Das hat für mich alles verändert. Ich wollte nichts mehr mit Fußball zu tun haben. 

Sie haben trotzdem weitergemacht und bekamen bei Millwall einen Profivertrag. 

Ja, aber Fußball war für mich nicht mehr dasselbe. Ich habe mich nicht mehr verbessert. Ich habe mit 15, 16 Jahren schon in der U19 gespielt und war mit 19 immer noch in der U19. Irgendwann war klar, dass es bei Millwall nicht weitergehen würde. Ich habe immer wieder Angebote aus dem Ausland bekommen.