Der Fußball, mein Leben & ich: Thomas Allofs

»Es war Hass auf dem Platz«

Er war der Mario Götze der Spätsiebziger, stand im ersten Profijahr im Europapokalfinale gegen den FC Barcelona. Trotzdem war er für viele nur »der kleine Allofs«. Heute wird Thomas Allofs 60 Jahre alt. Ein Gespräch über Bundestrainer, Bruderschaft und Brazil-Zigarren.

Der Fußball, mein Leben & ich: Thomas Allofs Volker Schrank
Heft#118 09/2011
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Das Interview erschien erstmals in 11FREUNDE #118. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhältlich. 

Thomas Allofs, wie sehr hat es Sie genervt, nur der »kleine Allofs« zu sein?
Das ist nun mal das Los des Zweitgeborenen. Es gab eine Phase, in der mich das sehr geärgert hat. Ich habe den Namen auch nicht sonderlich gemocht.

1988 bestritten Sie Ihr einziges A-Länderspiel über 90 Minuten. Warum hat es nie zu mehr gereicht?
Allofs: Holger Hieronymus, Stefan Engels und ich waren vor der WM 1982 schon vom DFB eingekleidet worden. Wir hatten das Geld für die Schallplatte bekommen, die wir mit Michael Schanze aufgenommen haben. Dann teilte uns der Bundestrainer mit, dass er nur mit 19 Spielern plane, nicht mit 22.

Wie hat Jupp Derwall seine Entscheidung begründet?
Er wollte nicht so einen großen Kader haben. Unverständlich, weil andere Spieler nicht fit waren. Es wäre für alle eine Chance gewesen, denn wir waren junge Spieler, die noch viel lernen konnten.

Wo haben Sie den Sommer verbracht?
Ich habe mit meinem Bruder Urlaub gemacht, am Gardasee. Wir haben die Spiele im Fernsehen gesehen. Klaus war dann vier Jahre später in Mexiko dabei.

Sie waren von 1979 bis 1982 immerhin Stammspieler in der neugegründeten U 21.
Ich spielte zusammen mit Pierre Littbarski, Bernd Schuster und Jogi Löw. Und es war die erste Trainerstation von Berti Vogts. Wir wurden 1982 Vize-Europameister, verloren erst im Endspiel gegen England. Im Sturm: Rudi Völler und ich.

Welches Spiel war das eindrucksvollste?
In Peking haben wir in einer riesigen Schüssel vor 100 000 Leuten gespielt. Und als wir ins Schwimmbad wollten, wurden alle aus dem Becken geworfen, damit wir ungestört baden konnten.

Ihr Bruder war 22 Jahre alt, Sie gerade erst 19, als Sie mit Fortuna Düsseldorf im Europapokalfinale standen. Er hat Sie öffentlich als talentierter eingeschätzt als sich selbst. Ein Nachteil?
Die Erwartungshaltung war größer als bei anderen jungen Spielern. Und ich wurde natürlich ständig mit ihm verglichen. Die Leute sagten: »Wenn der drei Jahre älter ist, ist er bestimmt besser als der Klaus.« Ich hätte den Erwartungen gerne entsprochen, aber ich konnte das nicht erzwingen. Ich war eher ein zierlicher Spieler. In meinem ersten Profijahr habe ich gerade einmal 61 Kilo gewogen.

Zwei Brüder, die es in die Bundesliga schafften, das muss irgendwo herkommen. Waren Ihre Eltern Sportskanonen?
Unser Vater spielte Fußball, beim SV Walbeck. Er war nach dem Krieg an den Niederrhein gegangen, weil es in Düsseldorf keine Arbeit für ihn gab. Dort hat er meine Mutter kennengelernt, die ihrerseits Handball spielte. Wir haben in den Ferien auch immer mal für den SV Walbeck gekickt, höchst illegal, mit anderen Spielerpässen.

Klaus hat über Ihre gemeinsame Kindheit einmal gesagt: »Egal ob Fußball oder Mensch ärgere dich nicht, es war immer ein Wettkampf zwischen uns.«
Wir haben auf 60 Quadratmetern gelebt, hatten anfangs kein Kinderzimmer. Unser Vater hat in der Gerresheimer Glashütte gearbeitet. Wir haben also auf die Türen zwischen Flur, Wohnzimmer und Küche gespielt.

Wer hat häufiger gewonnen bei Ihren Wettkämpfen?
Der kleinere Bruder haut sich da natürlich mehr rein. Mit dem Ziel, den großen Bruder zu schlagen. Das ist auch schon mal gelungen – aber vielleicht hat mich Klaus einfach gewinnen lassen.

Was haben Sie neben dem Sport gemeinsam unternommen?
Was man als Jugendliche halt so macht. Einmal haben wir sogar heimlich zusammen geraucht. Damals gab es ja noch »Ernte 23«.

Haben Sie sich als Jugendspieler auch für die erste Mannschaft der Fortuna interessiert?
Mein Bruder war akribischer Sammler. Wir sind immer zusammen zum Bilderdienst Horstmüller in der Stadtmitte gegangen und haben uns Fotos zum Unterschreiben geholt: Lothar Weschke, Willi Hettfeld, Werner Lungwitz.