Antonin Panenka über seinen legendären Elfmeter

Haben Sie sich spontan für den Lupfer entschieden?

Ich sage Ihnen was: Schon Monate vor dem Turnier wusste ich, dass ich so schießen würde, käme es zu einem Elfmeterschießen. In Tschechien schoss ich schon seit Jahren die Elfmeter auf diese Weise. Zuerst hatte ich es im Training geübt, dann in einem Freundschaftsspiel ausprobiert, schließlich auch in der Liga. Nur einen Monat vor der Europameisterschaft chippte ich im Derby gegen Dukla Prag einen Elfmeter ins Tor. Glücklicherweise war damals kein deutscher Späher im Stadion. 

Bei der EM 1980 haben Sie erneut einen Elfmeter geschossen. Aber nicht gelupft. Warum?

Es war im Spiel um Platz Drei gegen Italien. Dino Zoff stand im Tor, er dachte, ich würde erneut lupfen und bewegte sich nur leicht. Aber ich hatte schon geahnt, dass er auf einen Lupfer spekulieren würde und schoss den Ball ins Eck. 

Ihr Elfmeter 1976 machte Sie auf einen Schlag berühmt. Durften Sie auch deswegen ins Ausland wechseln? 

Plötzlich war ich in aller Munde. Ich wurde zur Weltauswahl eingeladen, gemeinsam mit Superstars wie Johan Cruyff, Franz Beckenbauer, Kevin Keegan oder Carlos Alberto spielte ich in Dortmund bei einem Benefiz-Spiel. Eine schöne Erfahrung, die ich ohne den Elfmeter wahrscheinlich nicht gemacht hätte. Aber als Profi in den Westen zu gehen, war schwierig. Es gab zwar großes Interesse von West-Klubs an unseren Spielern – ich hatte Angebote aus Schweden, Belgien, Spanien und Österreich –, aber man durfte erst wechseln, wenn man 32 war und mindestens 50 Spiele für die Nationalmannschaft gemacht hat. Das war die Vorgabe des Sportministeriums. Daher konnte ich erst 1981 ins Ausland gehen. In dem Alter wäre es in einer Top-Liga wie Deutschland oder Spanien schon schwierig geworden, daher ging ich nach Österreich zu Rapid Wien.

Trotzdem sind Sie zur Legende geworden, der Panenka-Heber wird heute noch gemacht. Wie lebt es sich in den Geschichtsbüchern des Fußballs?

Ich bin sehr stolz, dass meine Idee weiterlebt. Viele ausgezeichnete Spieler machen meinen Trick, das ist eine große Ehre. Und Teil der Fußballgeschichte zu sein, ist natürlich auch sehr schön. (Lacht.) Damit hätte ich nie gerechnet.