Almuth Schult über die deutschen WM-Chancen und frische Eier vom Bauernhof

»Mittlerweile liebt er uns«

Die deutsche Mannschaft befindet sich derzeit im Umbruch. Wie weit ist sie schon?
Wir hatten innerhalb eines Jahres drei Verantwortliche auf der Trainerbank. Allein das sorgt schon für einen Umbruch, weil alle ihre eigene Philosophie haben. Wie weit wir sind, wird man tatsächlich erst bei der WM sehen. Wir haben mit Martina Voss-Tecklenburg noch nicht viele Länderspiele und Lehrgänge gehabt, und es ist insgesamt nur eine kurze Vorbereitungszeit.

Wie ist es denn, wenn man die Qualifikation mit dem einen Trainer, sprich: Horst Hrubesch, bestreitet und das Turnier mit einer anderen Trainerin?
Man darf sich nicht so viele Gedanken darüber machen. Es ist, wie es ist. Wir sind Horst Hrubesch dankbar, dass er sich während der Qualifikation so für uns eingesetzt hat. Aber jetzt beginnt ein neues Kapitel.

Wie war das Verhältnis des Teams zu Hrubesch?
Horst Hrubesch hat zugegeben, dass er sich vor seinem Engagement bei uns nicht so intensiv mit dem Frauenfußball beschäftigt hat. Mittlerweile liebt er uns und erkundigt sich immer nach Tickets. Es ist wunderschön, wenn man solche gestandenen Persönlichkeiten aus dem Männerfußball auch für den Frauenfußball begeistern kann.


Bild: Paulina Hildesheim

Sie selbst hatten im Frühjahr eine Maserninfektion. Haben Sie währenddessen um die WM-Teilnahme gefürchtet?
Zu der Zeit habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht, ich wollte einfach gesund werden. Leider konnte niemand so genau sagen, wie lange sich eine solche Infektion bei einem erwachsenen Menschen hinzieht. Das ist was anderes als, sagen wir mal, ein Meniskusriss, wo es heißt, das dauert mindestens drei Monate, bis du wieder was machen kannst.

Eine persönliche Frage: Wann hat die deutsche Nummer eins eigentlich gemerkt, dass sie zu Höherem berufen ist?
Als ich acht Jahre alt war, bekam ich eine Einladung in die U14-Kreisauswahl. Aber das kann auch daran gelegen haben, dass im Kreis Lüchow-Dannenberg die Auswahl an Spielerinnen nicht besonders groß war.

An die Nationalelf haben Sie damals also noch nicht gedacht?
Nein. Aber als ich 13 war, sprach mich mein Cousin an und sagte: »Wenn du dein erstes Länderspiel machst, komme ich vorbei.« Und einer aus dem Nachbardorf meinte, zum ersten Spiel für die Nationalmannschaft würde er mir eine Kiste Bier ausgeben.

Und? Hat er?
Hat er gemacht, klar.

Stimmt es, dass Sie heute nicht nur beim Nationalteam im Tor stehen, sondern es auch mit Grundnahrungsmitteln beliefern?
Ich komme von einem Bauernhof, und tatsächlich ist es so, dass ich viele Kolleginnen vom VfL Wolfsburg mit frischen Eiern versorge. Inzwischen gilt das auch für Mitspielerinnen aus der Nationalmannschaft, zumindest dann, wenn es sich logistisch und unter Beachtung der Kühlkette einrichten lässt. Solange das gut ankommt, ist meine Familie stolz, dass sie quasi Eierlieferant des Spitzenfußballs ist.