Seit 1975 konnten die Three Lions“ kein Heim­spiel mehr gegen die deut­sche Natio­nal­mann­schaft gewinnen. Auch vor dem heu­tigen Spiel gilt die Mann­schaft von Trainer Roy Hodgson nicht gerade als Favorit. Das liegt zum einen an der Stärke der deut­schen Mann­schaft, zum anderen am jüngsten Auf­tritt der Eng­länder. Nach einer sou­ve­ränen WM-Qua­li­fi­ka­tion setzte es am Freitag im Test­spiel gegen Chile eine emp­find­liche 0:2‑Heim-Niederlage. Roy Hodgson nahm es gelassen, ver­wies auf seine Expe­ri­mente in Auf­stel­lung und Taktik und ver­sprach seinen Lands­leuten für das Duell gegen die DFB-Elf eine schlag­kräf­tige Truppe. Freund­li­cher­weise ver­riet er bereits auf der gest­rigen Pres­se­kon­fe­renz seine Startelf. Mit dabei: Joe Hart, Ashley Cole, Steven Ger­rard und Wayne Rooney. So weit, so bekannt. Eher weniger bekannt dürften dem geneigten deut­schen Fan fol­gende Namen sein: Phil Jagielka, Andros Town­send oder Daniel Stur­ridge. Wir sorgen für Abhilfe und stellen Euch die neuen Hoff­nungs­träger Eng­lands vor.

Kyle Walker (9 Län­der­spiele):

Wäh­rend man auf der linken Abwehr­seite seit Jahren auf die Dienste von Ashley Cole setzt, suchte man auf der rechten Seite min­des­tens ebenso lange nach einem pas­senden Pen­dant. Glen Johnson vom FC Liver­pool taugte eher bedingt für höhere Weihen und so darf sich nun Kyle Walker von den Tot­tenham Hot­spurs ver­su­chen. Der 23-jäh­rige ist fast schon beängs­ti­gend schnell“, wie sein ehe­ma­liger Trainer Harry Red­knapp einst äußerte. Fuß­bal­le­risch hin­gegen ist noch reich­lich Luft nach oben. Defensiv leistet sich Walker immer wieder Stel­lungs­fehler, seinem Offen­siv­spiel fehlte es lange an Genau­ig­keit.

Chris Smal­ling (8 Län­der­spiele):

Der Ver­tei­diger von Man­chester United galt eigent­lich als der ideale Nach­folger von Klub-Legende Rio Fer­di­nand. Der 1,94 Meter große Hühne ver­fügt über ein beein­dru­ckendes Kopf­ball­spiel und eine solide Spiel­eröff­nung. Beste Vor­aus­set­zungen für den Job in der Innen­ver­tei­di­gung. Unter dem neuen Trainer David Moyes jedoch kam Smal­ling in letzter Zeit haupt­säch­lich als Rechts­ver­tei­diger zum Ein­satz. Eine Posi­tion, die er test­weise auch schon in der Natio­nalelf beklei­dete. Mit mäßigem Erfolg. Nach einem Test­spiel in Polen schrieb der Inde­pen­dent“: Smal­ling ist defi­nitiv kein Rechts­ver­tei­diger von inter­na­tio­naler Klasse.“ In der Natio­nalelf spielt er seitdem wieder im Abwehr-Zen­trum. Ob er gegen die wuse­ligen kleinen Stürmer der DFB-Elf dazu kommen wird, seine Kopf­ball­stärke aus­zu­spielen, bleibt abzu­warten. Für die Zeit nach dem Fuß­ball hat Smal­ling, an dem Ex-Trainer Sir Alex Fer­guson nie einen Zweifel“ hatte, bereits vor­ge­sorgt: Smal­ling hat Abschlüsse in Tou­rismus, Medien- und Wirt­schafts­wis­sen­schaften.

Phil Jagielka (23 Län­der­spiele):

Der Rou­ti­nier unter den weniger bekannten Natio­nal­spie­lern Eng­lands. Sein Debüt gab Jagielka bereits im Juni 2008, damals noch unter Natio­nal­trainer Fabio Capello. Jagielka galt stets als ver­läss­li­cher und solider Innen­ver­tei­diger, hatte aber im Kampf um einen Stamm­platz gegen die Platz­hir­sche Rio Fer­di­nand, John Terry oder Joleon Les­cott meist das Nach­sehen. Er ist mit inzwi­schen 31 Jahren nicht nur einer der älteren Spieler Eng­lands, son­dern auch ein Ver­tei­diger der alten Schule: Kom­pro­misslos im Zwei­kampf und gut im Stel­lungs­spiel, dafür aber auch ziem­lich langsam und mit über­schau­barer Qua­lität am Ball. Da ver­wun­dert es nicht, dass Jagielka gern im Tor steht und dort eben­falls eine gute Figur abgibt, wie er in einem Spiel gegen den FC Arsenal unter Beweis stellen konnte. Nach der Ver­let­zung von Ever­tons Tor­hüter Paddy Kenny hielt Jagielka seinen Kasten für 34 Minuten sauber. In Eng­land lieben sie solche Typen. Jagie­lkas Eltern haben es geahnt, und nannten ihren Sohn in Ehrung ihrer pol­ni­scher Wur­zeln: Nikodem. Was soviel heißt wie: Men­sche­ner­oberer.

Andros Town­send (3 Län­der­spiele):

Der Senk­recht­starter der dies­jäh­rigen Pre­mier-League-Saison. Das Eigen­ge­wächs der Tot­tenham Hot­spurs legte bisher die typi­sche Kar­riere eines eng­li­schen Nach­wuchs­spie­lers hin. Will meinen: Town­send tin­gelte von einer Aus­leihe zur nächsten. Obgleich gerade erst 22 Jahre alt, spielte er so mitt­ler­weile schon bei zehn ver­schie­denen Ver­einen. Für Auf­sehen sorgte der flinke Rechts­außen, der in seiner Art zu spielen an Gareth Bale erin­nert, als er im Oktober wäh­rend eines Pre­mier-League-Spiels über eine Wer­be­bande flog und einen dahinter pos­tierten Pres­se­fo­to­grafen erwischte. Der Foto­graf trug eine gehö­rige Platz­wunde davon, Town­send musste für einige Minuten mit der Sauer­stoff-Fla­sche ver­sorgt werden, spielte die Partie aber zu Ende. Später ent­schul­digte sich er sich beim Foto­grafen: Sorry für die schlechte Can­tona-Imi­ta­tion.“ Auch Town­sends erste Schritte in der Natio­nalelf sorgten für Wirbel. Trainer Roy Hodgson soll seiner Mann­schaft in der Kabine mit den Worten füt­tert den Affen“ auf­ge­for­dert haben, Town­send besser in Szene zu setzen.

Tom Cle­verly (12 Län­der­spiele):

Nach dem Paul Scholes 2011 erst­mals seine Kar­riere beendet hatte, meinte Sir Alex Fer­guson, in Eigen­ge­wächs Tom Cle­verly den geeig­neten Nach­folger gefunden zu haben. Ähn­lich wie Andros Town­send war der zen­trale Mit­tel­feld­spieler bis dahin an unter­klas­sige Teams ver­liehen worden, um die nötige Spiel­praxis zu erhalten. Doch so richtig konnte Cle­verly den Vor­schuss­lor­beeren nicht gerecht werden. Zwar kam er in den fol­genden Spiel­zeiten regel­mäßig auf seine Ein­sätze, doch von einem Stamm­platz konnte keine Rede sein. Oft genug ver­traute Fer­guson im Mit­tel­feld­zen­trum lieber auf die Dienste von Oldie Ryan Giggs oder zog Ver­tei­diger Phil Jones eine Reihe nach vorn. Sowohl in Man­chester, als auch im eng­li­schen Natio­nal­team, für wel­ches er 2012 unter Fabio Capello debü­tierte, ist er seitdem umstritten. Die einen halten ihn für den über­schätz­testen Spieler Man­ches­ters, die anderen ver­weisen auf seine her­vor­ra­gende Pass­quote. Seine zwei stärksten Argu­mente im Kampf um einen Natio­nal­mann­schafts-Stamm­platz? Zum einen ist Cle­verly erst 24 Jahre alt, und damit neun, bzw. elf Jahre jünger als Steven Ger­rard und Frank Lam­pard, zum anderen ist die über­schau­bare Kon­kur­renz in Person von Jack Wils­here häufig ver­letzt. Zum Hoff­nungs­träger taugt man so aber weniger.

Adam Lallana (1 Län­der­spiel):

Ganz neu dabei ist Sout­hamp­tons Adam Lallana. Mit seinen immerhin schon 25 Jahren fir­miert der Mit­tel­feld­spieler aller­dings nur noch so halb unter dem Schlag­wort Nach­wuchs­hoff­nung. Auf der anderen Seite ist das auch der Grund, warum Lallana noch bei Sout­hampton unter Ver­trag steht. Die augen­schein­lich Hoch­be­gabten wie Gareth Bale, Theo Wal­cott oder Alex-Oxlade Cham­ber­lain wurden dem Verein noch in ihrer Teen­ager-Zeit weg­ge­kauft. Lallana blieb und ent­wi­ckelte sich still und stetig weiter. Bei seinem National-Elf-Debüt am Freitag gegen Chile spielte er zusammen mit seinem Team­kol­legen aus Sout­hampton, Jay Rodri­guez, der einen ganz ähli­chen Kar­riere-Weg hinter sich hat. Am Ende steht die immer gleiche Frage: Spielen Lallana und Co. bei den klei­neren Ver­einen der Liga, weil sie für die grö­ßeren nicht gut genug sind? Oder weil die großen Teams auf die Strahl­kraft inter­na­tio­naler Super­stars setzen? Lallana selbst ist das erstmal ganz egal. Nach seinem ersten Län­der­spiel gab er wenig über­ra­schend zu Pro­to­koll: Ich hoffe, das war nicht das letzte Mal. Ich bin hungrig auf mehr.“

Daniel Stur­ridge (8 Län­der­spiele):

Gegen Adam Lallana ist Daniel Stur­ridge mit seinen acht Län­der­spielen fast schon ein alter Hase. Auch seine fuß­bal­le­ri­sche Vita liest sich wie die eines ganz Großen. Stur­ridge stand bereits bei Man­chester City und dem FC Chelsea unter Ver­trag, ehe er Anfang 2013 zum FC Liver­pool wech­selte. An der Anfield Road gelang ihm dann nach­haltig ein­zu­lösen, was er seit seiner Jugend ver­sprach. Stur­ridge ist extrem schnell, aber im Gegen­satz zu so man­chem ver­kappten Sprinter auch am Ball durchaus zu gebrau­chen, zudem noch sicher im Abschluss. Das Manko seiner Jugend, hin und wieder trotz aller Bega­bung im Spiel die fal­schen Ent­schei­dungen zu treffen, hat sich nun, da er inzwi­schen 24 Jahre alt ist, rela­ti­viert. In elf Liga­spielen erzielte er bereits acht Treffer. Zudem beweist Stur­ridge, dass es so etwas wie ein Stürmer-Gen gibt. Onkel Dean Stur­ridge schnürte jah­re­lang die Stiefel für Derby County. Dass die Leute den jungen Stur­ridge häufig Dean rufen, stört Daniel nicht: Ich bin stolz auf meine Familie.“