Mit Lionel Messi braucht man Sardar Azmoun nicht kommen. Die Bewe­gungen passen nicht, findet er, der ira­ni­sche Messi. Denn so nennen sie ihn in der Heimat. Wenn sie ihn nicht gerade den ira­ni­schen Ibra­hi­movic nennen. Was der 23-Jäh­rige Azmoun wie­derum ganz gern hört, denn Ibra­hi­movic, der schwe­di­sche Riese, der sich schon mal selbst als Gott bezeich­nete, ist schon eher nach seinem Geschmack.

Mit 17 nach Russ­land

Nun ist es immer ein schlechtes Zei­chen, wenn man nur ein natio­naler Abklatsch eines inter­na­tio­nalen Super­stars ist. Die unzäh­ligen Balkan‑, Kar­paten- oder Alpen-Mara­donas der Ver­gan­gen­heit können davon einen Blues singen. Doch seinen eigenen Namen zum welt­weiten Klang­donner zu spielen, ist Azmoun noch nicht gelungen. Allein er will es so, der ira­ni­sche Messi/​Ibrahimovic, dessen Kar­rie­re­pla­nung eher eigen ist.

Bereits im Alter von 17 Jahren wech­selte er in die rus­si­sche Liga, zu Rubin Kazan. Ent­deckt vom turk­me­ni­schen Fuß­ball­funk­tionär Ivan Dani­liant, geför­dert vom turk­me­ni­schen Trainer Kurban Ber­diyev. Von ihm, zugleich ein Ersatz­vater, will er in der Folge nicht lassen. Auch weil er selbst einer turk­me­ni­schen Min­der­heit zuge­hört. Er folgt seinem Trainer zum FK Rostow, spielt dort unter anderem in der Cham­pions Leage groß auf und Jerome Boateng beim sen­sa­tio­nellen 3:2‑Heimerfolg gegen den FC Bayern im November 2016 Knoten in die Beine. Spä­tes­tens da, auf der größten Bühne des Ver­eins­fuß­balls, werden auch die euro­päi­schen Top­klubs auf ihn auf­merksam. Der FC Liver­pool, der FC Arsenal und Lazio Rom umwerben ihn, doch Azmoun bleibt in Russ­land. Auch weil er dort seiner großen Lei­den­schaft nach­gehen kann, der Pfer­de­zucht. Sechs Renn­pferde sind in seinem Besitz, gewinnen sogar bei inter­na­tio­nalen Cham­pio­naten. Das wird ihm mit dem Iran bei der Welt­meis­ter­schaft wohl kaum gelingen. Sein Trainer, der Por­tu­giese Carlos Queiroz ist sich trotzdem sicher: Er könnte der erste echte Fuß­ball­star aus Asien werden. Er ent­wi­ckelt sich stets weiter und ist unglaub­lich wiss­be­gierig.“ Von einem, der als Ent­de­cker der Welt­klas­se­spieler Luis Figo und Rui Costa gilt, ist das ein Rit­ter­schlag.

23 Tore in 32 Spielen

Die Tor­quote im Natio­nal­trikot kann sich jetzt schon sehen lassen. 23 Tore in 32 Spielen sind es bisher. Auf seine Ein­satz­zeiten umge­legt trifft er alle 86 Minuten. Zum Ver­gleich: Thomas Müller, Deutsch­lands aktuell erfolg­reichster Natio­nal­spieler, jubelt im Schnitt nur alle 184 Minuten. Sollte Azmoun diesen Rhythmus bei der Welt­meis­ter­schaft auch nur ansatz­weise bei­be­halten können, wird es wieder Ange­bote für ihn hageln. Dann wird er sich erneut zwi­schen Kom­fort­zone und sport­li­cher Her­aus­for­de­rung ent­scheiden müssen. Und damit die Frage beant­worten, ob er der ira­ni­sche Messi/​Ibrahimovic sein will, oder ein­fach nur Sardar Azmoun.