Ein Mus­kel­fa­ser­riss setzt den Tor­hüter des deut­schen Vize-Meis­ters Werder Bremen wahr­schein­lich für zehn bis zwölf Tage außer Gefecht. Seit Jahren geht es in der Kar­riere des exzen­tri­schen Schluss­manns ähn­lich schrill und bunt zu wie der­zeit zum 973. Mal auf dem Bremer Frei­markt, dem tra­di­tio­nellen han­sea­ti­schen Volks­fest auf der Bür­ger­weide.



»Man muss ihn ein­fach lieben – oder hassen«, brachte kürz­lich sein ehe­ma­liger Mit­spieler Patrick Owo­mo­yela, jetzt in Diensten von Borussia Dort­mund, den Cha­rakter des extro­ver­tierten Kee­pers auf den Punkt. »Zwi­schen King und Loser geht es im Pro­fi­fuß­ball eben ganz schnell hin und her, gerade als Tor­wart. Aber man darf das nicht zu sehr an sich her­an­lassen«, lautet die Maxime des 26-Jäh­rigen, der aktuell die Nummer zwei im Tor der deut­schen Natio­nal­mann­schaft ist, obwohl er in die Liga schon 19 Gegen­tore kas­sierte – Höchst­wert aller 18 Klubs.

Weniger Mus­keln, mehr Geschmei­dig­keit

Was dem frü­heren Lau­terer noch fehlt, ist ein echtes Län­der­spiel und ein Titel mit Werder Bremen, beides ist für Wiese aber nur noch eine Frage der Zeit: »Meinen Natio­nal­mann­schaftstraum, den jeder Fuß­baller träumt, werde ich mir bestimmt noch erfüllen. Und was Werder angeht: In den drei Jahren in Bremen war ich einmal Dritter und zweimal Zweiter, jetzt muss der Titel her.« Dafür arbeitet Wiese, der nach zwei Kreuz­band­rissen ins­ge­samt fast ein Jahr pau­sieren musste, inten­siver denn je, hat sogar Mus­kel­masse abge­baut, um noch beweg­li­cher zu werden.

Den­noch: Auf der Linie und bei Eins-gegen-Eins-Situa­tionen in der Nähe der Welt­klasse, sind die Defi­zite in der Straf­raum­be­herr­schung und bei hohen Flanken noch längst nicht ver­schwunden. Immer in Ver­bin­dung gebracht wird der gebür­tige Rhein­länder aber auch mit spek­ta­ku­lären Aus­set­zern wie der schon legen­dären Wiese-Rolle in der Königs­klasse bei Juventus Turin 2006 und einer rüden Kung-Fu-Attacke im letzten Bun­des­liga-Nord­derby gegen Stürmer Ivica Olic vom Ham­burger SV in der ver­gan­genen Saison. Diese Aktion brachte einen HSV-Fan derart auf die Palme, das er den stets son­nen­bank­ge­bräunten Schluss­mann wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung anzeigte, zu einem Gerichts­ver­fahren kam es aller­dings nicht.

Privat haben Lebens­ge­fährtin Grit und Töch­ter­chen Alina Wiese schon ein biss­chen gezähmt, nur von seinem extra­va­ganten Hobby mag der selbst­be­wusste Keeper nicht lassen – der Modell­flie­gerei. An trai­nings­freien Tagen ist Wiese regel­mäßig auf dem Flug­platz von Ahl­horn zu finden, wo er mit der Fern­be­die­nung Mini-Jets steuert, die eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 300 Kilo­me­tern pro Stunde errei­chen können.