Wenn man ein neues Pro­dukt am Markt eta­blieren möchte, ent­scheidet über den Erfolg oft der Zeit­punkt der Ein­füh­rung. Die Tage, in denen die Som­mer­pause quä­lend lang wird, weil der Sai­son­start der Bun­des­liga noch drei Wochen und das erste Pokal­wo­chen­ende noch zwei Wochen ent­fernt sind, scheinen im Fuß­ball günstig, seine Neue­rung zu prä­sen­tieren. Sie heißt 3. Liga, und heute Abend um 20.30 Uhr beginnt die neue höchste Spiel­klasse des Deut­schen Fuß­ball-Bundes (DFB) ihre erste Saison mit dem Spiel der Tra­di­ti­ons­klubs Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden, das live im Fern­sehen des MDR über­tragen wird. Von einem »his­to­ri­schen« Tag reden gar manche Funk­tio­näre, der DFB hofft, eine neue »Qua­li­täts­marke« erschaffen zu haben. Näher am Pro­fi­fuß­ball der Deut­schen Fuß­ball-Liga (DFL) mit den beiden Bun­des­ligen will man mit der Liga sein, in der die Zweit­li­ga­ab­steiger und die oberen Tabel­len­hälften der vor­ma­ligen Regio­nal­ligen Nord und Süd zusam­men­ge­fasst sind. In denen spielten de facto auch nur Pro­fi­fuß­baller, die meisten Ver­eine kämpften in der alten 3. Liga aber schwer um eine gesunde finan­zi­elle Basis.



Auch in der neuen 3. Liga sind die Fern­seh­rechte an die öffent­lich-recht­li­chen Sender ver­geben, 590 000 Euro statt wie in der Regio­nal­liga 375 000 Euro erhält jeder Klub. Aus­schnitte aus den Top­Spielen laufen sams­tags vor der Bun­des­liga in der Sport­schau, auch das ZDF will im Sport­studio und in der Sport­re­por­tage am Sonntag berichten. Das hört sich nach guter Posi­tio­nie­rung an, in der Zweiten Liga bekommen die Klubs aber zwi­schen 3,7 und 7,5 Mil­lionen Euro. »Natür­lich sagt jeder, dass ihm das Fern­seh­geld zu wenig ist. Man muss der Liga ein bis zwei Jahre Zeit geben, um sich zu eta­blieren«, sagt Soeren Oliver Voigt, der Geschäfts­führer von Ein­tracht Braun­schweig. »Wenn die Liga ange­kommen ist, muss man die Markt­for­schungs­daten aus­werten und sehen, ob wir für über­re­gio­nale Spon­soren inter­es­sant sind.«

Denn jetzt geht es für die Nie­der­sachsen auch gegen den SV Sand­hausen und Wacker Burg­hausen. »Die Ver­eine aus dem Süden können wir noch nicht so ein­schätzen, ebenso wie die gene­rellen Risiken der neuen Liga«, sagt Voigt. Mit der vom DFB gefor­derten Infra­struktur wie einem Sta­dion mit Platz für 10 000 Zuschauer und Rasen­hei­zung sowie einem Leis­tungs­zen­trum hatten die Braun­schweiger keine Pro­bleme, da sie bis 2007 in der Zweiten Liga spielten. Mit einem Etat von etwa sechs Mil­lionen Euro zählt die Ein­tracht neben den Zweit­li­ga­ab­stei­gern aus Aue, Jena, Pader­born, Offen­bach sowie For­tuna Düs­sel­dorf zu den Favo­riten. Auch in der bun­des­weiten Liga wird es viele Derbys alter Rivalen mit vielen Zuschauern geben, nicht so gerne gesehen als Gäste werden hin­gegen die zweiten Mann­schaften der Bun­des­li­gisten. Die Tra­di­ti­ons­klubs haben durch­ge­setzt, dass sich ledig­lich vier davon für die 3. Liga qua­li­fi­zieren durften – nur drei haben es aller­dings geschafft.

Bis auf die Aus­nahmen FC Bayern, VfB Stutt­gart und Werder Bremen scheint die viel beschwo­rene Nach­wuchs­för­de­rung der Pro­fi­klubs Pro­bleme zu haben. Ab der nächsten Saison ist die Anzahl der zweiten Mann­schaften aber nicht mehr limi­tiert – und schon geht die Angst bei den Tra­di­ti­ons­klubs um, in Zukunft nur noch unat­trak­tive Gegner zu haben, die nicht einmal eigene Fans mit­bringen. In der neuen, drei­ge­teilten vierten Liga, die jetzt Regio­nal­liga heißt, sind 22 von 60 Mann­schaften Zweit­teams. Wobei es auch aktu­elle Ängste vor denen gibt, die in dieser Saison kommen werden, denn Klubs wie bei­spiels­weise Dynamo Dresden haben viele gewalt­be­reite Anhänger, die jetzt durch ganz Deutsch­land reisen.