Als all die Schlachten geschlagen, alle Faust­schläge aus­ge­teilt und Rote Karten kas­siert waren, konnte Jose Luis Chil­avert nur lässig mit den Schul­tern zucken. Was haben die Leute erwartet?“, fragte Para­guays Fuß­ball­le­gende nach dem Ende seiner aktiven Kar­riere 2005. Mit dem Gesicht, das ich habe, musste ich den Bad Boy spielen. Der Good Guy – das bin ein­fach nicht ich.“

Und den Bad Boy, Chil­avert spielte ihn voller Lei­den­schaft. Den meisten Fuß­ball­fans ist Chil­avert wegen seiner für einen Tor­wart unge­wöhn­lich vielen Treffer bekannt. 67 Frei­stoß- und Elf­me­ter­tore erzielte der Mann, der bereits mit 15 Jahren in der ersten para­gu­ay­ischen Liga debü­tiere, wäh­rend seiner Lauf­bahn. Aller­dings ist die Liste seiner Skan­dale fast ebenso üppig. Ich will der Becken­bauer des para­gu­ay­ischen Fuß­balls werden“, sagte er 2010, und war doch schon längst dessen Vinnie Jones.

Er ver­drosch einen para­gu­ay­ischen Prä­si­dent­schafts­kan­di­daten

Schließ­lich hatte Chil­avert zu diesem Zeit­punkt bereits eine 25 Jahre wäh­rende Kar­riere hinter sich, in der er sich fröh­lich durch die Ligen geschlä­gert hatte. 1996 wurde er zu drei Monaten Haft auf Bewäh­rung ver­ur­teilt, weil er nach einer Nie­der­lage einen Platz­wart des Geg­ners ver­prü­gelt hatte. Im selben Jahr war er nach einem Liga­spiel dazu auf­ge­for­dert worden, einem gewissen Lino Oviedo öffent­lich­keits­wirksam die Hand zu schüt­teln. Chil­avert aber beschimpfte den Mann und begann, auf ihn ein­zu­dre­schen. Es han­delte sich dabei um keinen Gerin­geren als einen dama­ligen para­gu­ay­ischen Prä­si­dent­schafts­kan­di­daten, gegen den wegen Putsch­ver­suchs ermit­telt wurde. Als der Leib­wächter Ovi­deos dazwi­schen­ging, ver­drosch Chil­avert eben kur­zer­hand diesen.

Von dieser Art Skandal gibt es dut­zende in Chil­averts Kar­riere. Spu­ck­at­ta­cken, ver­bale Ent­glei­sungen, Faust­schläge – als er Anfang der Neun­ziger bei Sara­gossa nur auf der Bank saß, ohr­feigte er aus Frust regel­mäßig seine Mit­spieler. Das alles hin­derte Chil­avert frei­lich nicht daran, sich als Stolz meines Landes“ oder bester Tor­wart der Welt“ zu beti­teln. Allein: rein sport­lich war das – eine Weile zumin­dest – nicht einmal unbe­dingt über­trieben.