Vieles liegt dann eben doch im Blut. Rafael Cer­vero war ein begna­deter Ham­mer­werfer. In den Fünf­zi­ger­jahren hielt er sogar den spa­ni­schen Rekord und war auf dem Sprung zu den Olym­pi­schen Spielen. Doch letzt­lich ent­schied er sich für eine beruf­liche Kar­riere als Arzt.

70 Jahre später könnte nun sein Sohn in seine Fuß­stapfen treten. Zwar steht Diego Cer­vero nicht auf dem Sprung zu Olympia und auch einen Ham­mer­wurf-Rekord hält er nicht. Diego Cer­vero ist Fuß­ball­profi und steht der­zeit beim Dritt­li­gisten Bara­kaldo CF unter Ver­trag. Aber wie sein Vater ist auch Diego Cer­vero gelernter Arzt. Schon in jungen Jahren beglei­tete er seinen Vater in den OP. Wäh­rend er für seinen Hei­mat­verein Real Oviedo spielte, absol­vierte er par­allel ein Medi­zin­stu­dium an der Uni­ver­sität Oviedo. Sieben Jahre lang.

Ich kann alles machen: Tele­fo­nieren, Betten umher­schieben, Fie­ber­messen, waschen, putzen.“

Diego Cervero

Auf­grund seines Daseins als Pro­fi­fuß­baller konnte Cer­vero aller­dings die in Spa­nien zum Prak­ti­zieren not­wen­dige Fach­arzt-Aus­bil­dung nicht antreten. Dies hatte er sich für die Zeit nach der Fuß­ball­kar­riere vor­ge­nommen. Doch um das Coro­na­virus zu bekämpfen, hat die spa­ni­sche Regie­rung die gel­tenden Bestim­mungen nun gelo­ckert. Und Cer­vero will helfen.

Ich habe nicht das Wissen, das andere Ärzte haben“, sagte der 36-Jäh­rige dem eng­li­schen Guar­dian. Aber ich kann alles machen: Ich kann das Telefon besetzen, Betten umher­schieben, Fie­ber­messen, bei der Wäsche helfen, putzen.“ Eine Gegen­leis­tung will Cer­vero nicht. Ich for­dere nichts: Ich will keinen Arzt-Posten und ich arbeite umsonst. Egal wo.“

Tor von der Mit­tel­linie

Dabei lief es sport­lich für den Stürmer zuletzt sogar her­vor­ra­gend. Nachdem er in der Hin­runde bei Atle­tico Baleares auf Mal­lorca keinen Fuß auf die Erde bekommen hatte, wech­selte er im Winter ins Bas­ken­land zu Bara­kaldo CF. Dort blühte er im Spät­herbst seiner Kar­riere noch einmal auf, erzielte sechs Tore in sechs Spielen. Beim 4:2‑Sieg über die zweite Mann­schaft von Real Sociedad traf er gleich dreimal, ein Tor erzielte er sogar von der Mit­tel­linie.

Doch wie nahezu überall auf der Welt ruht seit Mitte März der Ball auch in Spa­niens dritter Liga. Also Trai­ning im Home­of­fice. Doch Cer­vero wollte sich mit der Situa­tion nicht abfinden: Ich hatte ein­fach das Gefühl, helfen zu müssen.“ Also hielt er Rück­sprache mit seinem Verein, der dar­aufhin ein Video ver­öf­fent­lichte, in dem Cer­vero seine medi­zi­ni­sche Hilfe anbietet.

Doch der 36-Jäh­rige beließ es nicht bei dem Video, das manch einer viel­leicht bös­willig auch als Social-Media-PR-Lip­pen­be­kenntnis abtun könnte. Cer­vero klemmte sich selbst hinter den Hörer, rief Kli­niken an, schrieb Mails, fragte bei ehe­ma­ligen Kom­mi­li­tonen nach. Doch bis­lang mel­dete nie­mand Bedarf an.

Aber auf­geben kommt für Cer­vero nicht infrage. Medizin ist eine Beru­fung“, sagt er. Fuß­ball ist für ihn der­zeit absolut zweit­rangig. Dass viele Mann­schaften schon wieder mit dem Trai­ning begonnen haben, hält er für mora­lisch frag­würdig: Wieso erlauben wir Fuß­bal­lern, auf einem Feld her­um­zu­rennen, wäh­rend die Kinder zuhause die Wände hoch­gehen?“ Auch eine bal­dige Wie­der­auf­nahme des Spiel­be­triebs sieht er ange­sichts der dafür benö­tigten Test­ka­pa­zi­täten kri­tisch: Was ist mit der Oma, die den Test viel drin­gender braucht?“

Seinen eigenen Vater sieht Cer­vero aktuell übri­gens einmal die Woche. Mitt­wochs bringt er seinen Eltern die Ein­käufe vorbei. Dann winkt er zum Fenster hinauf. Die Leute haben mir den Spitz­namen Doc‘ gegeben, aber er ist der echte Doc“, sagt Cer­vero dem Guar­dian. Ein Chirurg, mein Idol.“