Seite 2: „Beim nächsten Mal hören wir einfach auf zu spielen“

In den Minuten zwi­schen Foul­spiel und Elf­meter, als klar wurde, dass Lukaku schießen würde, waren die Affen­laute im Sta­dion laut und immer lauter geworden. Men­schen auf der Tri­büne, offen­sicht­lich hatten sich auch Kinder und Jugend­liche ange­schlossen, imi­tierten Gorilla-Geräu­sche. Weil der Spieler, der gleich den Elf­meter schießen würde, schwarz ist. Wider­liche Szenen.

Kein Durch­greifen

Es ist bei weitem nicht der erste Fall von Ras­sismus im ita­lie­ni­schen Fuß­ball in den letzten Jahren. Und immer wieder ist Cagliari, die Haupt­stadt Sar­di­niens, Mit­tel­punkt der Aus­schrei­tungen. Dort gewann im Februar die rechte Lega“ die Wahlen mit beein­dru­ckenden Abstand. Jene Partei, die eine ita­lie­ni­sche Natio­nal­mann­schaft gerne ohne far­bigen Spieler sähe.

In Cagliari wurde in der ver­gan­genen Saison Juves Stürmer Moise Keane mit Affen­lauten belegt, seit 2010 waren schon Blaise Matuidi, Sulley Mun­tari und Samuel Eto’o ras­sis­tisch von Cagliari-Fans belei­digt worden. Immer wieder wurde sich gewunden, die Spieler hätten pro­vo­ziert, die Affen­laute seien kaum hörbar gewesen. Nie wurde ernst­haft durch­ge­griffen.

Nicht der erste Fall

Auf anderen Plätzen waren unter anderem Kevin-Prince Boateng und Mario Balo­telli ras­sis­tisch ange­gangen worden, bis diese drohten, das Spiel­feld zu ver­lassen und auch nicht mehr zurück­zu­kommen. Und im ver­gan­genen Winter wurde Nea­pels Kal­idou Kouli­baly, aus­ge­rechnet von Inter-Mai­land-Fans, von Beginn an mit Affen­lauten belegt, bis er nach einem Foul die Nerven verlor und mit der Gelb-Roten Karte früh­zeitig den Platz ver­lassen musste.

Nea­pels Trainer Carlo Ance­lotti drohte danach: Beim nächsten Mal hören wir ein­fach auf zu spielen, auch wenn wir dadurch das Spiel ver­lieren.“ Seit dem Früh­jahr setzt die Serie A einen Poli­zei­be­amten ein, der ent­scheiden darf, ob das Spiel wegen ras­sis­ti­scher Aus­fälle unter­bro­chen oder beendet werden soll – bisher ist das nicht einmal pas­siert.