Als Gast­geber der WM 1994 waren die USA auto­ma­tisch qua­li­fi­ziert, was nicht wenige Kom­men­ta­toren zu der Bemer­kung ver­an­lasste, dass die Amis es anders auch nicht geschafft hätten. Damals – wie heute wieder – waren fiese Bemer­kungen dieser Art nicht ohne Grund­lage: Beim Tur­nier 1990 hatten die USA in drei Vor­run­den­spielen drei Nie­der­lagen mit gleich acht Gegen­toren kas­siert; davor war es dem Team vierzig Jahre lang nicht gelungen, auch nur die Qua­li­fi­ka­tion zu über­stehen.

Doch so schlechte Fuß­baller können die Ame­ri­kaner zu jener Zeit nun auch wieder nicht gewesen sein. Denn obwohl es einem großen Teil der Öffent­lich­keit ent­ging und auch in den Sta­tis­tik­bü­chern nicht explizit fest­ge­halten ist, schickten die USA sehr wohl ein Team in die Qua­li­fi­ka­tion zur WM 1994 – das dann auch noch einen his­to­ri­schen Tri­umph fei­erte!

Von Augs­burg in die Welt

Man muss aller­dings sagen, dass es ein selt­sames Team war, viel­leicht das unge­wöhn­lichste der WM-His­torie. Und um die Span­nung ein wenig zu erhöhen, könnte man an dieser Stelle auch noch ein­flechten, dass die Geschichte dieses Teams in gewisser Weise 1964 begann, und zwar in Augs­burg.

Hier war damals ein aus Costa Rica stam­mender US-Ame­ri­kaner namens Arnie Ramirez sta­tio­niert. In Augs­burg lernte Ramirez nicht nur seine (spa­ni­sche) Frau kennen, son­dern spielte auch Fuß­ball, und zwar sowohl für die Mili­tärelf des 24. Infan­te­rie­re­gi­ments als auch für Schwaben Augs­burg. 

Da wusste er ver­mut­lich noch nicht, dass der Fuß­ball den Rest seines Lebens bestimmen sollte. Nach seiner Rück­kehr in die Heimat schrieb sich Ramirez bei der Long Island Uni­ver­sity in Brooklyn ein und ver­stärkte das dor­tige Col­lege-Team, später wurde er Trainer der Mann­schaft und hielt den Posten fast zwanzig Jahre lang.

Strei­kende Natio­nal­spieler

Wäh­rend dieser Zeit traf Ramirez viele Leute und schloss Freund­schaften. Zum Bei­spiel mit Dr. Roberto Mon­roig, dem Prä­si­denten des Fuß­ball­ver­bandes von Puerto Rico. Das Zusam­men­treffen mit Mon­roig war nicht weiter unge­wöhn­lich, denn obwohl Puerto Rico ein eigen­stän­diger Mit­glieds­ver­band der FIFA ist, zählt das Land zu den so genannten ame­ri­ka­ni­schen Außen­ge­bieten“ und steht somit unter der Ver­wal­tung der USA. 

Das wurde Anfang des Jahres 1992 wichtig. Puerto Rico sollte in der Vor­runde der WM-Qua­li­fi­ka­tion am 21. März in Santo Dom­ingo antreten, der Haupt­stadt der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik. Es war keine leichte Auf­gabe: Puerto Rico hatte noch nie auch nur ein ein­ziges WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel gewonnen und war kaum acht Monate zuvor auf eigenem Platz von den Domi­ni­ka­nern geschlagen worden. Zu allem Über­fluss ent­schloss sich Dr. Mon­roig wenige Wochen vor dem wich­tigen Spiel, seinen Natio­nal­trainer zu feuern. Das sorgte für Unmut bei den Spie­lern. Sie traten in den Streik und wei­gerten sich zu spielen, sollte Mon­roig seine Ent­schei­dung nicht rück­gängig machen.