Seite 2: Der „Golden Boy“ des schottischen Fußballs

In Chi­cago lernt Heron, der auch als Musiker durchaus beein­dru­ckendes Talent besitzt, die Opern­sän­gerin Bobbie Scott kennen. Mit ihr bekommt er 1949 das erste von vier Kin­dern. Einen Sohn, er nennt ihn Gil. Gil Jr. kann gerade laufen, da setzt ihn sein Vater das erste Mal ans Kla­vier und lehrt den Zwerg seine ersten Melo­dien. Später kommen noch Gayle, Denis und Kenny zur Welt. Kennys Leben endet tra­gisch: Er stirbt bei einem Drive-by-shoo­ting in Detroit.

Celtic war einer der größten Namen im Welt­fuß­ball!“

1951 macht Celtic Glasgow auf seiner US-Tournee Halt in Detroit. Einer der mit­ge­reisten Celtic-Scouts schaut sich ein Spiel der Wol­verines an, Gil Heron erwischt einen ful­mi­nanten Tag. Und erhält wenig später ein Angebot aus Schott­land: So eupho­risch hat der Scout von seinem neu­esten Fund berichtet, dass der Klub Heron sofort für eine Saison unter Ver­trag nehmen will. Der kann nicht anders und sagt zu. Celtic“, erzählt Heron viele Jahre später, war für mich damals einer der größten Namen im Welt­fuß­ball.“ Zurück lässt er Frau und Familie, die Ehe mit Bobbie schei­tert. Erst 26 Jahre später werden sich die beiden wie­der­sehen.

Am 18. August 1951 gibt Heron sein Debüt für Celtic. Beim 2:0‑Sieg gegen Gree­nock Morton schießt er gleich ein Tor. Er ist der erste schwarze Fuß­baller in der zu diesem Zeit­punkt 64-jäh­rigen Geschichte des Tra­di­ti­ons­klubs. Der gebür­tige Jamai­kaner erobert die Herzen der Schotten im Sturm. Zwar wird er in der gesamten Saison nur fünfmal in der Liga und einige Male in anderen Wett­be­werben ein­ge­setzt, doch seine spek­ta­ku­läre Spiel­weise und sein extra­va­ganter Style machen den Neu­ling bald über die Grenzen Glas­gows hinaus populär. Heron beein­druckt nicht nur die Damen­welt mit auf­re­gend geschnit­tenen Anzügen, soge­nannten Zoot Suits“, sty­li­schen Filz­hüten und gelben Schuhen. Im Moment“, urteilt eine Glas­gower Zei­tung, ist Gil Heron der ›Golden Boy‹ des schot­ti­schen Fuß­balls.“ Und nach seinem nächsten Auf­tritt im Celtic Park: 50.000 Fans feiern Heron als die größte Sache seit der Erfin­dung des Tor­pfos­tens.“

Die Geburt des schwarzen Pfeils“

Doch schon ein Jahr später ver­lässt Heron Celtic. An Star­stürmer John McPhail ist auch für den so ath­le­ti­schen Angreifer aus Übersee kein Vor­bei­kommen. Immerhin: Als sich Heron aus Glasgow ver­ab­schiedet, hat er sich seinen Platz in den Geschichts­bü­chern des Klubs gesi­chert – und außerdem einen neuen Spitz­namen. Black Arrow“, der schwarze Pfeil, tin­gelt noch zwei wei­tere Jahre durch den bri­ti­schen Fuß­ball, gibt Gast­spiele bei Third Lanark und Kid­der­minster Har­riers, ehe er 1954 zu den Detroit Corin­thians zurück­kehrt. Nach der Kar­riere heuert er in einer der zahl­rei­chen Fabriken der Motor City“ an.