Seite 2: Warum Bremen an Kohfeldt festhält

Wie die Ver­letz­ten­mi­sere zu erklären wäre, wissen die Bremer nicht. Sie haben im Sep­tember einen Rasen­ex­perten aus Bel­gien ein­fliegen lassen, um zu klären, ob der Unter­grund Schuld sei – ohne Ergeb­nisse. Auf­fällig ist da schon eher, mit welch altem Kader Werder Bremen auf­tritt (oder eben nicht, das ist ja das Pro­blem), wie langsam die Spieler sind und wie ver­let­zungs­an­fällig.

Die Ver­ant­wort­li­chen um Sport­di­rektor Frank Bau­mann und die Fans wissen das. Umso ein­fa­cher fällt es ihnen zur­zeit, an Flo­rian Koh­feldt fest­zu­halten. Es sind eben äußere Umstände. Wes­halb die Logik des Geschäfts, dass der Trainer am Ende immer Schuld ist, in Bremen nicht trägt. Nicht tragen soll. Ähn­lich wie in Frei­burg oder Pader­born (so wie früher unter Klopp in Mainz) soll und will der Verein unab­hängig der Ergeb­nisse auf den Trainer setzen. Weil sich Koh­feldt als Werder-Fan sti­li­siert, könnte es klappen, dass sich auch hier eine Wir gegen die“-Mentalität ein­stellt. Eine char­mante Idee, allein: Wäh­rend in Frei­burg oder Pader­born ein Abstieg stets ein­kal­ku­liert wurde, wirkt es, als sei die aktu­elle Situa­tion für die Bre­mern – wo das Ziel im Herbst noch Euro­pa­pokal” hieß – ganz über­ra­schend ein­ge­treten.

Koh­feldt ist nicht das Pro­blem – das ist das Pro­blem

Dabei scheint es, als hätten im Verein nur die wenigsten rea­li­siert, dass der Klas­sen­er­halt zum Ene-Mene-Miste-Spiel geworden ist. Wird es am Ende der Saison min­des­tens zwei Bun­des­li­gisten geben, die noch weniger Punkte als Werder auf dem Konto haben?

Anders aus­ge­drückt: Im Kampf um den Klas­sen­er­halt ist Trainer Flo­rian Koh­feldt kein Pro­blem. Was wie­derum für Werder Bremen die schlech­teste Nach­richt ist. Denn es gibt keinen Anlass, zu glauben, dass ein anderer Trainer aus dieser Mann­schaft mehr her­aus­holen würde. In der Vie­rer­kette müsste ein neuer Mann genauso impro­vi­sieren, der Abgang von Max Kruse wäre – auch auf­grund Füll­krugs Kreuz­band­risses – immer noch nicht kom­pen­siert, der Kader bliebe so alt wie zuvor. Und wer die ver­blie­benen Spieler vor einer Woche in Düs­sel­dorf gewinnen gesehen hat, kann auch nicht von einem zu behe­benden Men­ta­li­täts­pro­blem spre­chen.

Und so hatte Davy Klaassen ges­tern Abend in Augs­burg recht: Es gibt nur zwei Mög­lich­keiten: Wir geben auf. Oder wir machen weiter.” Genau das ist das Pro­blem.