Regel­mä­ßige Leser dieser Rubrik werden sich viel­leicht daran erin­nern, dass wir vor etwas mehr als fünf Monaten einem Team begegnet sind, das angeb­lich mit einem Fluch belegt wurde, weil es einen Hexen­meister um dessen Lohn betrog.

Das klingt ein biss­chen wie eine Geschichte von Clive Barker, dem eng­li­schen Hor­ror­spe­zia­listen, Autor und Regis­seur von Hell­raiser“ und Can­dyman“. Doch viel­leicht ist so etwas in der Art tat­säch­lich einem anderen Clive Barker zum Ver­hängnis geworden, jeden­falls wenn man dem ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­listen Mark Zeigler glaubt. 

Jener zweite Clive Barker wurde 1994 Natio­nal­trainer von Süd­afrika. Zwei Jahre später führte er das Team zu seinem größten Tri­umph, dem Gewinn der Afri­ka­meis­ter­schaft. Doch das Sah­ne­häub­chen folgte noch. In der Qua­li­fi­ka­tion für die WM 1998 in Frank­reich setzte sich Süd­afrika zunächst in einem Playoff gegen Malawi durch und erreichte so die Grup­pen­phase. Dort hießen die Gegner Kongo, Sambia und Zaire.

Süd­afrika unter Druck 

Es begann nicht gut für Bar­kers Team, denn aus den ersten drei Spielen holte er bloß einen Sieg. Da nur der Grup­pen­sieger zur WM fahren würde, war Süd­afrika schon stark unter Druck, als man am vierten Spieltag gegen Zaire antrat.

Die Partie fand Ende April 1997 in der Stadt Lomé in Togo statt, weil in Zaire die bewaff­neten Aus­ein­an­der­set­zungen tobten, an deren Ende aus Zaire die Demo­kra­ti­sche Repu­blik Kongo wurde. Vor 7.000 Zuschauern ging Süd­afrika durch Doctor Khu­malo in Füh­rung (der übri­gens so genannt wird, weil sein zweiter Vor­name Doc­torson“ lautet), doch nur wenig später glich Zaire aus. 

In der 66. Minute schlug Doctor Khu­malo auf dem rechten Flügel ein paar Haken, dann flankte er mit links vors Tor. Am Elf­me­ter­punkt stieg Phil Masinga hoch und köpfte zum 2:1 ein. Danach mussten Barker und die Seinen noch mächtig um den Sieg zit­tern. So traf Zaires Landou Ndom­basi in der Nach­spiel­zeit nur den Pfosten den süd­afri­ka­ni­schen Tores.

Magi­scher Sieg? 

Jener Pfosten sah übri­gens ganz normal aus. Das ist der Erwäh­nung wert, weil fünf Jahre später, im Juni 2002, Mark Zeigler für die Zei­tung San Diego Union-Tri­bune“ einen Artikel ver­fasste, in dem es hieß, die Sache wäre damals nicht mit rechten Dingen zuge­gangen.

Süd­afrika sicherte sich bei der Qua­li­fi­ka­tion zur WM 1998 angeb­lich die Dienste eines gefei­erten Juju-Mannes aus Togo“, schrieb Zeigler. Mit diesem Begriff ist ein Zau­berer oder Hexen­meister gemeint. Er schlach­tete zwölf Hühner“, fuhr Zeigler fort, mischte das Blut mit einigen anderen Sub­stanzen und wies die Süd­afri­kaner an, die Tor­pfosten der Gegner damit zu bestrei­chen.“