Als die Spieler des FC Bologna in der Halb­zeit vom Feld trot­teten, war ihnen nicht klar, wie schön dieser Sonntag noch werden sollte. Drei Tore hatten sie sich beim Auf­steiger in Bre­scia gefangen, der zwi­schen­zeit­liche Anschluss­treffer hatte nichts bewirkt. Und auf dem Weg in die Kabine dürften sie vor allem Einen schmerz­lich ver­misst haben: Ihren Trainer. Sinisa Miha­jl­ovic war nicht mit zum Spiel in die Lom­bardei gefahren – son­dern krebs­krank im Kran­ken­haus geblieben.

Wegen einer Che­mo­the­rapie musste der 50-jäh­rige Serbe die Partie im Kran­ken­bett ver­folgen und dabei fest­stellen, dass seine Mann­schaft nicht gut ins Spiel fand: Bologna kas­sierte früh zwei Gegen­tore und lag zur Halb­zeit mit 1:3 hinten. Für einen Trainer wie Miha­jl­ovic, der zuvor trotz töd­li­cher Krank­heit nicht auf die Trai­ner­bank hatte ver­zichten wollen und dort nach der ersten Che­mo­the­rapie wieder Platz genommen hatte, muss es brutal gewesen sein, der eigenen Mann­schaft dabei zuzu­sehen, wie sie aus­ge­rechnet gegen einen Auf­steiger unter­zu­gehen drohte. Dut­zende von Kilo­me­tern ent­fernt, ohne ein­greifen zu können. Scheinbar.

Auf­hol­jagd und Über­ra­schungs­be­such

Denn in der Pause rich­tete sich Miha­jl­ovic per Video­anruf an seine Mann­schaft. Was genau in der Kabine in Bre­scia pas­sierte, ist nicht über­lie­fert. Nur so viel: Nach der Ansprache gingen seine Spieler raus und drehten die Partie zum 4:3.

Damit steht der FC Bologna der­zeit auf Platz zwei der Serie A. Wem sie den gelun­genen Auf­takt zu ver­danken hatten, wussten die Spieler sehr gut. Zurück aus Bre­scia hielt der Mann­schaftsbus in Bologna am Ospe­dale Sant’Orsola. Die fei­er­wü­tige Truppe stieg aus, stellte sich vor einen Fas­sade des Kran­ken­hauses und blickte gebannt zu einem der Fenster hoch. Nach kurzer Zeit streckte dort ein über­glück­li­cher Sinisa Miha­jl­ovic seinen Kopf heraus. Die Spieler johlten, applau­dierten einige Sekunden und besangen ihren Trainer: Dai Sinisa alè!“