Als das Schlimmste über­standen war, also ein fuß­bal­le­risch arm­se­liges Spiel, wussten die meisten der Zuschauer, dass sie doch nicht ganz umsonst gekommen waren an diesem son­nigen Sonn­tag­nach­mittag. 70 621 hatten sich auf den Weg ins Olym­pia­sta­dion gemacht, sie folgten dem wochen­langen Werben des Zweit­li­gisten Hertha BSC um eine Traum­ku­lisse gegen den SC Pader­born 07. Wäh­rend des Spiels aber wird sich der eine oder andere Besu­cher gefragt haben, ob es wirk­lich eine so gute Idee gewesen ist. Das Spiel hielt so wenig von dem, was ein gutes und span­nendes Duell für gewöhn­lich aus­macht. Immerhin gelangen Hertha mit­ten­drin irgendwie ein paar Tör­chen, was am Ende zu einem 2:0 (2:0)-Erfolg über einen unbe­darften Gegner reichte.

Hertha über­nimmt damit wieder die Tabel­len­füh­rung im Unter­haus. Markus Babbel hatte sich für das Spiel vor der gewünschten Traum­ku­lisse für eine offen­sive Aus­rich­tung seiner Startelf ent­schieden. Für den Abräumer Fabian Lus­ten­berger durfte Gestalter Raf­fael ran. Aber so gut diese Absicht auch gemeint war, der Mann­schaft gelang es eigent­lich nie, diese auf den Rasen zu bringen. Über­grei­fend kickte der große Favorit ohne Tempo, ohne Mut und ohne Idee. In Sachen Spiel­an­lage, Technik und Taktik war bei bestem Willen kein Niveau­un­ter­schied zu den Bemü­hungen der Pader­borner aus­zu­ma­chen. Der Sieg ist da, aber es war ein hartes Stück Arbeit“, sagte hin­terher Trainer Babbel, der zumin­dest den Willen“ seiner Spieler gespürt haben wollte.

Wenn man es positiv wenden will, darf ein zufäl­liger Pfos­ten­treffer der Ber­liner nach wenigen Minuten erwähnt werden. Eigent­lich wollte Patrick Ebert eine Flanke vor das Tor schlagen, unbe­ab­sich­tigt segelte der Ball ans Gehäuse der Pader­borner. Nach einer halben Stunde konnte dann Pierre-Michel Lasogga einen wirk­lich guten Steil­pass von Raf­fael nicht ver­werten. Es war die einzig gute Aktion des Bra­si­lia­ners Raf­fael. Lasogga dagegen hatte seinen besten Auf­tritt, als er kurz vor dem Halb­zeit­pfiff zufällig richtig im Straf­raum stand. Chris­tian Lell hatte aus dem Halb­feld und im Weg­rut­schen den Ball ein­fach mal vor das Pader­borner Tor gedro­schen, Lasogga hielt seinen Fuß hin und beein­flusste so die Flug­kurve des Ball derart, dass das Spiel­gerät ins Tor fliegen konnte. Es war das zehnte Sai­sontor für Her­thas jungen Mit­tel­stürmer.

Die Fans jubelten –doch nicht weil es so schön aussah

Kurz darauf, die regu­läre Spiel­zeit des ersten Abschnitts war bereits vor­über, drückte Kapitän Andre Mija­tovic den Ball per Kopf nach einer Ecke von Ebert zum 2:0 über die Tor­linie. Das war es schon an Zähl­barem. Die Fans auf den voll­be­setzten Rängen jubelten – nicht weil es so schön aussah, was ihnen geboten wurde, son­dern weil ihre Mann­schaft auf Sieg­kurs lag.

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild wenig, qua­li­tativ hoch­wer­tiger Fuß­ball wurde wei­terhin nicht geboten. Die Pader­borner wurden etwas fre­cher, was den Ber­li­nern wie­derum mehr Räume eröff­nete. So konnte Hertha ein paar Konter fahren, ohne dabei wirk­lich zwin­gend zu werden. Nach einer Stunde kam dann Lus­ten­berger für den ent­täu­schenden Nikita Ruka­vytsya. Her­thas Trainer Babbel hätte aber auch zwei, drei andere Spieler vom Feld nehmen können, es hätte keinen fal­schen Spieler getroffen.

Keine posi­tive Eigen­wer­bung

Viel­leicht darf man als Zuschauer eines Zweit­li­ga­spiels nicht beson­ders hohe Ansprüche haben, aber Hertha will sich eigent­lich für höhere Auf­gaben emp­fehlen. Dass der Klub auf­steigen wird, wird kaum noch bezwei­felt. Ob aber das Team in der Bun­des­liga ein gutes Bild wird abgeben können, bleibt wei­terhin frag­lich. Posi­tive Eigen­wer­bung in dieser Hin­sicht konnte die fah­rige Hertha-Mann­schaft ges­tern jeden­falls keine betreiben.

Am Ende waren sie beim Gast­geber über das nackte Ergebnis froh. Wenigs­tens gewonnen. Somit dürfte sich der Schaden, den das lang­wei­lige und wenig über­zeu­gende Spiel beim Publikum ange­richtet hat, in Grenzen halten. Der Auf­stieg wird immer wahr­schein­li­cher, über das Wie redet nie­mand mehr. Ist auch besser so.