Lieber Nasser Al-Khe­laifi,

herz­li­chen Glück­wunsch zur Über­nahme von Paris St. Ger­main. Einen netten Klub hast Du Dir da aus­ge­sucht, Ronald­inho hat da mal gespielt, glaube ich. Cool. Jetzt lese ich seit Wochen immer wieder neue Mel­dungen über Dich, Deine Inves­to­ren­gruppe aus Katar“, Dein vieles Geld und Deine Pläne mit PSG. Du wirst lachen: Ich freue mich für Dich!

Laut trans​fer​markt​.de hast Du in dieser Saison schon mehr als 100 Mil­lionen Euro aus­ge­geben und möch­test nun, ich las es gerade, noch einmal 100 Mil­lionen Euro aus­geben, um Luis Suarez und Gon­zalo Higuain ein­zu­kaufen. Respekt. Und das soll noch längst nicht alles sein. In den nächsten fünf oder sechs Jahren, hast Du gesagt, wollen wir diesen Betrag jähr­lich inves­tieren.“ Respekt II. Schon bald soll Dein Verein die Cham­pions League gewinnen und nebenbei einen neuen Lionel Messi“ her­vor­bringen. Respekt III.

Was macht man, wenn man reich ist? Die Welt zuscheißen! Yeah!

Ich trete Dir wohl nicht zu nahe, wenn ich behaupte, dass Dir in den ver­gan­genen Jahren ganz offen­sicht­lich lang­weilig gewesen ist. Und was macht man als schwer­rei­cher und gelang­weilter Mann? Man scheißt die Welt mit seinem Geld zu. Ein­fach, weil man es kann. Yeah!

Meine Kol­legen und Kum­pels sagen: So ein rei­cher Protz wie Du hat im Fuß­ball nichts ver­loren. Sie spre­chen von Tra­di­tion und lang­jäh­riger Jugend­ar­beit und Fest­geld­konten und so Zeugs, das Du wahr­schein­lich noch nie gehört hast. Ich sage: Who cares? Tra­di­tion hat PSG nicht, gute Jugend­ar­beit wird tra­di­tio­nell eh in anderen fran­zö­si­schen Städten geleistet und Fest­geld­konten? Wozu, frage ich, braucht man etwas so Spie­ßiges wie ein Fest­geld­konto“, wenn man so viel Kohle hat, wie Du? Eben. Des­halb mein Rat: Mach doch ein­fach weiter so wie bisher.

Irgendwie finde ich ja auch, dass man nicht ein­fach mit Geld die Welt regieren darf, schon gar nicht unsere kleine feine Fuß­bal­l­erd­beer­welt. Ande­rer­seits habe ich früher auch sämt­liche Cheats ein­ge­setzt, um mir bei Mana­ger­spielen die tollsten, besten, pro­mi­nen­testen, fan­ta­sie­vollsten Mann­schaften der Welt zusammen zu kaufen. Mann, hat das Spaß gemacht! Scheiß auf die Jugend­spieler, habe ich mir gesagt, und ein­fach gleich Ronaldo gekauft. Der war ja damals quasi so etwas wie der Lionel Messi von heute. Die Cham­pions League habe ich mit meiner Truppe übri­gens auch gewonnen. Fünfmal in Folge. Dann war mir lang­weilig, ich musste mir andere Beschäf­ti­gungen suchen. Inter­net­pornos zum Bei­spiel. Hey, das wäre doch auch was für Dich, wenn es in zehn Jahren nur noch semi­span­nend ist, Fuß­ball­spieler zu kaufen!

Blöd: Deine Super-Truppe könnte theo­re­tisch gegen Basel ver­lieren

Leider, und das ist der Haken an der Sache, unter­scheidet sich der echte Fuß­ball dann doch an einigen Stellen vom Fan­ta­sie­fuß­ball, den wir beide so gerne mögen. Manche Spieler, so teuer sie auch sein mögen, passen ein­fach nicht zusammen. Keine Ahnung, warum das so ist. Und einen anstän­digen Trainer brauchst Du auch, der den teuren Fuß­baller auch mal anständig in den Hin­tern treten kann. Keine Ahnung, warum das so ist. Manche Spieler ver­lieren sogar ihre Form, ver­letzen sich, haben pri­vate Pro­bleme oder ein­fach keine Lust mehr. Die inter­es­siert es plötz­lich nicht mehr, dass sie Luis Suarez, Gon­zalo Higuain oder Lionel Messi heißen und ver­dammt viel Kohle gekostet haben. Und wenn es ganz blöd läuft, dann ver­liert Deine Mann­schaft ein­fach so in der Cham­pions League gegen Basel, Trond­heim oder Nikosia und fliegt raus. Frag mich nicht, wie das mög­lich ist, wo doch Deine Mann­schaft 300 Mil­lionen Euro mehr gekostet hat. Scheiß Mann­schafts­spiel, was soll man machen.

Trotzdem, mein lieber Nasser Al-Khe­laifi, lass Dich nicht ent­mu­tigen! Ich freue mich über jeden pro­mi­nenten Neu­zu­gang in Deiner Mann­schaft und wenn Du tat­säch­lich bald einen neuen Lionel Messi aus dem Hut zau­berst, dann kaufe ich mir im nächsten Urlaub viel­leicht sein Trikot auf dem Schwarz­markt. Ver­spro­chen. Denke in den kom­menden fünf oder sechs Jahren immer daran: Du könn­test Deine Kohle auch wesent­lich sinn­loser ver­bal­lern. Für Nutten und Koks, für teure Yachten, die einsam über die Welt­meere schip­pern, für teure Partys mit fal­schen Freunden, für ver­wöhnte Bälger, Atom­bomben oder Tennis. Beim Fuß­ball bekommst Du wenigs­tens noch was raus für Dein Geld. Und wenn es nur ein wenig Zeit­ver­treib ist.

Herz­lichst,

Dein Alex Raack