Für alle, die es noch nicht mit­be­kommen haben: Dem bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball geht es schlecht. Genauer gesagt: Ihm geht es sehr schlecht. Und das zu einem denkbar ungüns­tigen Zeit­punkt, schließ­lich träumt der gesamte Zuckerhut vom WM-Titel 2014 im eigenen Land. Doch mit Zucker haben die fuß­bal­le­ri­schen Vor­träge Bra­si­liens anno 2013 in etwa so viel zu tun wie Ronald­inhos Gebiss mit ero­ti­schen Phan­ta­sien von Zahn­ärzten. Doch woran hakt es im Land des Samba-Fuß­balls? Wie konnte der Rekord­welt­meister bis auf den 18. Platz der Fifa-Welt­rang­liste abrut­schen? Hinter Fuß­ball-Zwerg­staaten wie Ecuador, Grie­chen­land und der Schweiz?

Lassen wir mal struk­tu­relle Pro­bleme wie die unmo­derne Spiel­an­lage, das infla­tio­näre Ver­heizen von Talenten und eine im Grunde trotz Mil­lio­nen­för­de­rung noch immer nicht wett­be­werbs­fä­hige Liga außen vor und widmen uns dem Kern­pro­blem des bra­si­lia­ni­schen Fuß­balls: den Spie­lern. Keine Frage, die Süd­ame­ri­kaner ent­senden immer noch ein ganze Reihe exzel­lenter Kicker in die weite Welt, einzig ist jenen Gesandten die Fähig­keit abhanden gekommen, aus der Masse her­aus­zu­ste­chen. Und das hat einen guten Grund.

Erin­ne­rungen an eine Groß­stadt-Kita

Oscar, Fred, Jean, Lucas – lässt man sich die Namen der der­zei­tigen Selecao einmal auf der Zunge zer­gehen, schmeckt man kein biss­chen Gla­mour, kein biss­chen Zuckerhut, son­dern allen­falls den filzig-faden Grün­kern-Geschmack einer durch­gen­tri­fi­zierten Groß­stadt-Kita. Vorbei scheint die Zeit, in denen Gegen­spieler allein beim Gedanken an Zau­ber­namen wie Ronald­inho, Romario oder Ronaldo die Hüft­ge­lenke ver­steiften. Denn diese Namen klangen nach Über­stei­gern von der Geschmei­dig­keit einer dahin­schmel­zenden Wachs­kerze, nach Pässen, vor denen selbst Sherpas zurück­schre­cken würden und natür­lich nach Spiel­zügen, auf die Bra­si­lianer ein Patent hatten. Bra­si­liens Fuß­ball endete lange Jahre auf einem sanft dahin gehauchten O: Joga bonito“, das schöne Spiel, in dessen Erwar­tung jeder Gegner schon vor dem Anpfiff in Angst und Schre­cken erstarrte. Gegen diese pho­ne­ti­schen Feu­er­werke wirkt die Genera­tion Aka­de­miker-Name genauso wie sie spielt: grau, satt, unin­spi­riert.

Oder denken wir an Socrates, der allein durch seinen Namen eine phi­lo­so­phi­sche Ebene in das Spiel brachte, die seine Gegen­spieler nicht nur intel­lek­tuell über­for­derte. Heute findet man an seiner Stelle einen Jungen, dessen Name klingt wie eine bil­lige Acht­ziger-Jahre-Brause, die im Zuge des all­ge­meinen Retro-Hypes mas­sen­haft in die Kühl­schränke der Groß­stadt-Agen­turen gespült wurde. Ein Namen, der nach jener bei­ßenden Ironie klingt, die in diesen Tagen alles Schöne zer­setzt. Er heißt: Miranda.

Rück­kehr zur psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung

Herr­gott, wie soll das nur wei­ter­gehen? Heißen Bra­si­liens Spieler bald iPad, Slimfit und Fail? Man kann es leider nicht mehr aus­schließen! Wird das dem bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball aus der Klemme helfen? Sicher nicht!

Gerade in Zeiten, in denen Fuß­ball­spiele immer öfter auch im Kopf ent­schieden werden, sollte sich Bra­si­lien vom Sport­li­chen abkehren und sich der psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung zuwenden. Man sollte sich end­lich wieder auf seine echten Stärken berufen. Und das sind nun mal mys­ti­sche Namen, die den Geg­nern Angst machen. Das reicht. Ganz bestimmt.

Immerhin, mit der Neu-Beset­zung seiner Innen­ver­tei­di­gung hat Natio­nal­trainer Felipe Sco­lari schon mal ein Zei­chen gesetzt. Dort spielt jetzt Dante. Wenn das so wei­ter­geht, ist mit Bra­si­lien 2014 also wieder zu rechnen.