Schon länger liegt das Gefühl der Krise wie eine Wolke über dem deut­schen Fuß­ball. In der Bun­des­liga scheint der Meister schon vor Sai­son­be­ginn fest­zu­stehen, wäh­rend die Klubs inter­na­tional hinter der abso­luten Spitze her­laufen. Stärker noch ist aber das Gefühl einer mora­li­schen Krise. Neu­lich schwiegen fast überall mal wieder die Fans, aus Pro­test über den miss­lun­genen Dialog mit dem Deut­schen Fuß­ball-Bund. Aber auch aus Unbe­hagen über all das, was einen großen Teil des Publi­kums vom Fuß­ball ent­fremdet, äußerte sich dabei.

Neu ist das Gefühl der Ent­frem­dung bei­leibe nicht, doch erstaun­li­cher Weise ist das Thema von den deut­schen Pro­fi­klubs kaum einmal richtig dis­ku­tiert worden. Das ist auch des­halb erstaun­lich, weil sich die Krise langsam ins Geschäft frisst. Man­cher­orts sind die Zuschau­er­zahlen rück­läufig, die Ein­schalt­quoten im Fern­sehen sind es auch auch. Und so was gefällt bekannt­lich auch Spon­soren nicht. 

Der deut­sche Pro­fi­fuß­ball steht an einem Schei­deweg“

In diesem Zusam­men­hang ist das Posi­ti­ons­pa­pier ziem­lich bemer­kens­wert, das das Prä­si­dium des 1.FC Union ges­tern vor­legte. Dort heißt es: Der deut­sche Pro­fi­fuß­ball auf Ver­eins­ebene steht an einem Schei­deweg. Seine nach wie vor her­aus­ra­genden wirt­schaft­li­chen Wachs­tums­po­ten­ziale basieren auf seiner gesell­schaft­li­chen Rele­vanz und hohen Sym­pa­thie­werten. Doch statt diese Bedin­gungen sorg­fältig zu pflegen, ent­fernt sich der Pro­fi­fuß­ball von denen, die ihn aus­ma­chen – den Men­schen.“

Im Moment bereitet die Deut­sche Fuß­ball Liga eine so genannte Struk­tur­re­form“ vor. Auch dazu gibt es ein Papier, das aller­dings ziem­lich struk­tu­rell-tech­nisch ist und die ent­schei­dende Frage offen lässt: Wel­chen Fuß­ball wollen wir eigent­lich? Ver­mut­lich haben viele Ver­eins­bosse und Manager sogar Ant­worten auf diese Frage, und viel­leicht wird man sie nun auch mal hören.