Ryu Voelkel, Sie sind Foto­graf, arbeiten jedoch haupt­säch­lich im Rahmen von Fuß­ball­ver­an­stal­tungen. Worin gründet Ihre Affi­nität zu diesem Sport?
Ursprüng­lich galt mein Inter­esse der Sport­fo­to­grafie im All­ge­meinen. Der Fokus auf Fuß­ball ergab sich eher aus seinem euro­päi­schen, viel­leicht sogar welt­weitem Status als größter und belieb­tester Sport.

Was macht für Sie den beson­deren Reiz der Fuß­ball­fo­to­grafie aus?
Eigent­lich foto­gra­fiere ich am liebsten Ama­teur­spiele. Man ist viel näher dran, kann die Emo­tionen besser fest­halten, die Atmo­sphäre des Spiels ein­drück­li­cher ver­mit­teln. Aber auch die WM ist wirk­lich ein­zig­artig: Ein sol­ches Feu­er­werk an Ein­drü­cken wollte ich dieses Mal nicht nur erleben, son­dern auch in einem Buch fest­halten.

Ihre per­sön­li­chen Ein­drücke zu bewahren – ist das der zen­trale Gedanke hinter Ihrem kürz­lich erschie­nenen Bild­band No Hands“?
Zunächst war das Pro­jekt ein guter Vor­wand für einen Bra­si­li­en­be­such wäh­rend der Welt­meis­ter­schaft. (lacht) Ich möchte mit meinen Auf­nahmen aber auch einen alter­na­tiven Blick­winkel auf das Groß­ereignis anbieten – denn der Foto­jour­na­lismus im Fuß­ball ist stark geprägt von vor­de­fi­nierten Motiven. Die Viel­falt der Fas­zi­na­tion, die der Fuß­ball auf uns ausübt, geht zu oft unter. Dar­unter leidet unsere Wahr­neh­mung des Sports.

Inwie­weit haben Sie diese Viel­falt in Bra­si­lien erlebt?
Neben meinen beruf­lich bedingten Sta­di­on­be­su­chen hatte ich auch mit den Ein­hei­mi­schen jen­seits des Events regen Kon­takt. Ich habe die Ange­wohn­heit, auf meinen Reisen das Couchsurfing“-Netzwerk zu nutzen. Der große Vor­teil ist, dass man viel mehr über Land und Leute erfährt. Dass ich in der Lage war, Dinge zu sehen und zu foto­gra­fieren, die andere nicht zu Gesicht bekommen, wäre ohne die unglaub­liche Gast­freund­schaft und Hilfs­be­reit­schaft der Men­schen vor Ort nie­mals mög­lich gewesen.

Haben Sie dadurch auch Spiele abseits der WM-Sta­dien sehen können?
In Cuiabá habe ich jemanden kennen gelernt, der mich zu einem Fuß­ball­spiel in eine Favela mit­nahm. Man fährt erst lange durch die engen Gassen des scheinbar unend­li­chen Laby­rinths – plötz­lich öffnet sich der Raum und man steht vor einem großen Fuß­ball­feld. Auf Beton spielten alle grund­sätz­lich barfuß – selbst wenn sie brauch­bare Schuhe dabei­hatten. Bei einem Kick haben mein Kol­lege und ich mit­ge­spielt: Ich beschreibe lieber nicht, was danach mit unseren Füßen pas­sierte.