Unsere neue Serie: Wir prä­sen­tieren jeden Tag das aktu­elle Mann­schafts­foto eines Bun­des­li­gisten und zeigen in unserer Bil­der­ga­lerie die schönsten his­to­ri­schen Schüsse. Diesmal: der Auf­steiger Hertha BSC.

1.
Der neue Star
Da die Gemein­sam­keiten von Her­thas Rück­kehrer Kaka mit Real Madrids Kaká nicht weit über den Ruf­namen hinaus rei­chen, dürfte sich Maik Franz den Titel des star­t­räch­tigsten Neu­zu­gangs ver­dient haben. Dessen ehr­fürch­tiger Ruf­name hat es schon in die Adress­zeile seiner Home­page geschafft: iron​-mike​.de. Die Karls­ruher Fans tauften ihn so. Aber­wit­zige Wort­spiele mit härter/​Hertha böten sich selbst­ver­ständ­lich an, ver­bieten sich aber ebenso selbst­ver­ständ­lich qua Grund­ge­setz und werden bei Miss­ach­tung mit Ver­ach­tung bestraft (siehe Titel­zeile 11FREUNDE-Heft 115). Maik Franz freut sich trotzdem, wie der nach oben gezo­gene linke Mund­winkel verrät.



2.
Wer ist er denn?
Dem Deutsch-Ame­ri­kaner John Anthony Brooks, letzte Reihe, zweiter von links, wurde vor­sorg­lich der Phy­sio­the­ra­peut Rein­hard Maerz zur Seite gestellt – schließ­lich steht rechts neben ihm besagter Maik Franz. Brooks stammt aus der eigenen Hertha-U23 und ist zarte 18 Jahre jung, die Kno­chen dürften noch halb­wegs heile sein. Die wird er nun in der ersten Liga mit Hin­gabe hin­halten müssen: Brooks spielt in der Innen­ver­tei­di­gung. Viel­leicht schaut er des­halb etwas aus­drucksarm. Jeden­falls im Ver­gleich mit Maik Franz.

3.
Eine kleine Stil­kritik
Trikot-Her­steller Nike gab an, für die neuen Tri­kots – wie schon 2010 – nur recy­clete Mate­ria­lien ver­wendet zu haben. Dem­nach wurden für jedes Hertha-Trikot acht Plas­tik­fla­schen ein­ge­schmolzen und zu neuem Garn wie­der­ver­wertet. Viel­leicht sind des­halb keine Fla­schen auf dem Mann­schafts­foto zu sehen. Absurd-komi­sche Wort­witze über Fla­schen in Fuß­ball­tri­kots böten sich auch hier selbst­ver­ständ­lich an, aber wir ver­zichten auch dieses Mal. Statt­dessen fragen wir uns: Warum dieses Shoo­ting vor der Wald­ku­lisse? Höl­zerne Saison? Natür­li­cher Fuß­ball? Wald vor lauter Bäu.… nein, wir ver­zichten auch diesmal. Aber auf­grund wessen Mari­en­er­schei­nung darf das Mas­kott­chen Her­thinho mit aufs Foto? Und wer hat Fabian Lus­ten­berger (zweite Reihe, fünfter von links) den schwei­ni­schen Witz erzählt, über den er sich so köst­lich amü­siert? Thomas Kraft schließ­lich schießt in stil­kri­ti­scher Hin­sicht den Vogel ab, indem er den Kana­ri­en­vogel-Anzug trägt. Aus acht Oran­gen­saft­fla­schen genäht.

4.
Was fehlt?
Der haupt­städ­ti­sche Flair, die urbane Atmo­sphäre, der viel­be­sun­gene Metropol-Cha­rakter der Stadt Berlin will und will ein­fach nicht auf den Verein Hertha über­springen. Dem­entspre­chend pro­vin­ziell wirkt das Mann­schafts­foto. In Berlin steppt der Bär, auf dem Hertha-Foto zirpen die Grillen. In Berlin wohnen 3,4 Mil­lionen, die Hertha zieht es zurück aufs Land. Und was wirkt klein­städ­ti­scher als ein über­großes Plüsch­mas­kott­chen? Da kann es auch noch so mecha­nisch lachen, den Mief des Dorf­schüt­zen­festes wird Her­thinho nicht los. Bleiben noch die Acces­soires: Da ihr die neue Zweit­liga-Meis­ter­schale offen­sicht­lich zu pein­lich war (Kose­name: Meis­ter­felge“), prä­sen­tiert die Hertha not­ge­drungen zwei Apo­theken-Koffer links und rechts der Wer­be­bande. Arme Haupt­stadt.

5.
Pro­gnose 2011/12
Wenn in einem Land der Haupt­stadt­klub in die erste Liga auf­steigt, fragt man sich, was davor in diesem Land schief­ge­laufen sein muss. Inso­fern kann Hertha fast nur gewinnen, das Schlimmste haben sie hinter sich. Es sei denn natür­lich, sie steigen noch einmal ab. Aber sie haben ja Markus Babbel. Galt der letzte Hertha-Trainer mit Kon­zept, der Schweizer Lucien Favre, einst als Mini-Arsène Wenger“ (Süd­deut­sche Zei­tung), so scheint es, als wolle Babbel sich zum Mini-Guar­diola mau­sern. Der phä­no­ty­pi­sche Teil der Meta­mor­phose hatte ja schon zu seinen Stutt­garter Zeiten begonnen, nun soll langsam auch der spiel­tech­ni­sche folgen. Gewiss, es han­delt sich um ein ambi­tio­niertes Lang­zeit­pro­jekt, das aber in der kom­menden Saison für den 10. Platz reicht.