Der erste Pflicht­spiel­sieg fiel mehr als stan­des­gemäß aus. Selbst für einen Welt­meister wie Andreas Möller. 19:0 gewann Vik­toria Aschaf­fen­burg im Erst­run­den­spiel des Schlap­pe­seppel-Kreis­po­kals des Bezirks Die­burg. Das lag am mun­teren Auf­tritt von Möl­lers Ober­liga- Team, mehr noch aber am Gegner. Der Kreis­li­gist FV Epperts­hausen aus der hes­si­schen Pro­vinz gehört ganz tief an die Basis des Brei­ten­sports Fuß­ball. Davon ist Andreas Möller bei seiner ersten Lehr­stelle als Trainer zwar einige Ligen ent­fernt, der 39 Jahre alte ehe­ma­lige Spiel­ma­cher sagt trotzdem, dass er bewusst ganz unten“ anfängt.

Den Fuß­baller Möller gibt es nicht mehr“, sagt der 85-fache Natio­nal­spieler. Den Trai­ner­beruf muss ich von Grund auf lernen, da fange ich bei null an wie jeder andere Trai­ner­neu­ling auch.“ So richtig los geht es für Möller an diesem Freitag. Der ehe­ma­lige Zweit­li­gist, der durch Möl­lers Ver­pflich­tung einen rie­sigen Schub bekommen hat nach Jahren des finan­zi­ellen wie sport­li­chen Siech­tums, emp­fängt zum Sai­son­auf­takt der Ober­liga Hessen die U 23 der Frank­furter Ein­tracht, jenes Klubs, bei dem Möller einst zum Bun­des­liga-Star reifte. Das passt ja gleich ganz gut“, sagt Möller schmun­zelnd. Gegen die Ein­tracht stehen wir gleich noch mal etwas mehr im Fokus.“ Tat­säch­lich wird Möller als der pro­mi­nen­teste Akteur in Deutsch­lands Viert­klas­sig­keit das ganze Jahr lang unter beson­derer Beob­ach­tung stehen. Die Medien und viele Skep­tiker aus der Fuß­ball­branche werden bei Auf­tritten in Klein- Karben oder Wald­girmes mit Argus­augen ver­folgen, ob der als Spieler häufig als Genie gefei­erte, aber annä­hernd ebenso oft als Heintje“ oder Heul­suse“ ver­spot­tete Möller drei Jahre nach dem Ende seiner Spie­ler­kar­riere die nötige Härte für den Trai­nerjob hat.

Der vierte Platz und die Qua­li­fi­ka­tion für die neue Regio­nal­liga ist das Min­dest­ziel in Aschaf­fen­burg. 2005 absol­vierte Möller den Trai­ner­lehr­gang, danach hos­pi­tierte er unter anderem bei seinem Ex-Klub Juventus Turin. All das ersetzt frei­lich nicht den Alltag an der Sei­ten­linie. Dort redet Möller wäh­rend des Spiels in Epperts­hausen viel mit den Spie­lern, betont bei kri­ti­schen Worten stets das Posi­tive, for­dert ständig die Auf­lö­sung enger Situa­tionen per Dop­pel­pass, wie er es einst zu tun pflegte. Ich bin begeis­tert von seiner Arbeit“, sagt Team­ma­nager Her­mann Helf­mann. Er hat sich vom ersten Tag an voll rein­ge­hängt und hat keine Star­al­lüren.“

Wenn Möller indes über seine Spiel­phi­lo­so­phie reden soll, dann strahlt er eine merk­wür­dige Unsi­cher­heit aus. Auf Fragen nach seinem ange­strebten Stil ant­wortet er: Da soll sich jeder selbst ein Bild machen.“ In sol­chen Momenten wirkt Andreas Möller, der seinem Gesprächs­partner nur selten in die Augen blickt, wie ein Junge, der sich in diese kom­plexe Welt ver­irrt hat. Ob er sich dort zurecht­findet, muss er jetzt beweisen.

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