Seite 2: „Ihr könnt euch die Nazikeule schenken“

Am Sonntag in Köln sind die Hools so geschlossen wie lange nicht mehr auf­ge­treten. 4000 Mann sollen mit­ge­laufen sein. Die Zahl wirkt zunächst erstaun­lich, weil die Ver­an­stalter selbst wohl nur von 1000 Teil­neh­mern aus­ge­gangen waren und die ZIS (Zen­trale Infor­ma­ti­ons­stelle Sport­ein­sätze) in ihrer Datei Gewalt­täter Sport“ ledig­lich 400 Rechts­ex­tre­misten im Fuß­ball-Umfeld listet. Die Polize rückte mit etwas mehr als 1000 Beamten an.

Doch war das alles wirk­lich nicht vor­her­sehbar? Der Zug durch die Kölner Stadt passte den Hoo­li­gans. Es gab end­lich wieder eine Masse zum Ver­ste­cken, einen Mob, in dem man mehr Gleich­ge­sinnte als Kri­tiker findet, wieder harter Asphalt, kalte Straße, bekanntes Ter­ri­to­rium – und keine Wir-haben-uns-alle-lieb-Gesänge wenige Meter neben dem Fami­li­en­block der wohl­tem­pe­rierten Mul­ti­plex­arena.
 
Ande­rer­seits war die Andock­fläche riesig, denn auf das pro­kla­mierte Feind­bild der Hoo­li­gans können sich nicht nur Stramm-Rechte einigen: Die ultra­kon­ser­va­tiven Sala­fisten werden in diversen Talk­show schließ­lich seit Monaten als IS-Brut­stätte und das ulti­ma­tive Böse dar­ge­stellt. Ver­mut­lich hätte dieser Tage nicht mal das Motto Hoo­li­gans gegen schlechtes Wetter“ mehr Men­schen mobi­li­sieren können.

Action und Gewalt

In einem sol­chen End­lich-macht-mal-jemand-was-Umfeld finden sich eben auch jene Per­sonen richtig auf­ge­hoben, denen expli­zite Neo­nazi-Rhe­torik und ‑Sym­bolik von NPD-Demos ein biss­chen zu weit gehen. In einem sol­chen Umfeld können die Ver­an­stalter auch offen über Face­book und andere soziale Netz­werke trom­meln und müssen nicht in kon­spi­ra­tiven Foren Wer­bung für ihre Sachen machen. Für die einen mag die Aktion der Deck­mantel für Frem­den­hass gewesen sein, für die anderen ein Vor­wand für Action und Gewalt.

Und so kam eine wilde Mischung an Per­sonen zusammen, Par­tei­mit­glieder der Rechten, Kame­rad­schaften, NPD-Kader, Mit­läufer, in der Mitte dann auch all jene Hoo­li­gans, die sich nor­ma­ler­weise ganz gerne gegen­seitig ver­mö­beln. In den Farben getrennt, in der Sache ver­eint. Im Vor­feld hatte ein Wort­führer der Demons­tra­tion via You­tube erklärt: Ein Aufruf an die Medien: Ihr könnt euch die Nazi­keule schenken.“
 
Bei der Demo skan­dierten dann Teil­nehmer Aus­länder raus!“ oder Natio­naler Wider­stand“. Der Sound­track zur Ver­an­stal­tung stammt von der Rechts­rock­band Kate­gorie C/​Hungrige Wölfe“, die wie­derum auf dem You­tube-Channel der Ver­an­stalter ver­linkt ist und am Sonntag bei der Ver­an­stal­tung auf­trat. Diese Band hält es wie die HoGeSa“. Sie nennt sich unpo­li­tisch. Auch ihr Motto lautet: Fuß­ball ist Fuß­ball, Politik ist Politik“.