Seite 3: Ausgeprägte Feindbildkultur

Natür­lich kann und darf man nicht jeden Teil­nehmer der Demons­tra­tion in die rechts­ex­treme Ecke ste­cken. Und man darf auch nicht in die Falle tappen, die gesamte Hoo­li­gan­szene als rechts­ex­trem zu brand­marken, im Gegen­teil: Hoo­li­ga­nismus war immer eine Sache, die auch in linken Fan­szenen statt­fand, beim FC St. Pauli genauso wie bei Arsenal Kiew. Der Poli­to­loge Richard Geb­hardt stellte am Montag in einem Inter­view mit Zeit Online“ fest: Nicht jeder Hoo­ligan ist ein Neo­nazi. Wie fast überall gibt es Abstu­fungen, Zwi­schen­töne.“ Doch Geb­hardt erklärt auch, dass sich die Hoo­li­gans ständig im rechts­of­fenen Milieu bewegen“ und daher für eine solche Mobi­li­sie­rung anfällig“ seien.
 
Und genau das ist der Punkt seit den Acht­zi­gern: Bestimmte Hoo­li­gan­szenen, und beson­ders jene, die sich am Sonntag in Köln zusam­men­taten, bieten klare Anknüp­fungs­mög­lich­keiten für rechts­ex­tremes Gedan­kengut – selbst oder gerade wenn sie sich als unpo­li­tisch bezeichnen. Denn das Auf­treten dieser Hoo­li­gans ist gekenn­zeichnet durch ein archai­sches Männ­lich­keits­bild mit einer aus­ge­prägten Feind­bild­kultur, hoher Gewalt­ak­zep­tanz und min­des­tens frag­wür­digen Hin­ter­gründen.

So wird auch im November eine hoch­ex­plo­sive und ver­wor­rene Mischung zurück auf die Straße gehen, falls die HoGeSa“ in Ham­burg am 15. November auf­laufen wird. Und selbst wenn auch das wei­terhin nicht bedeutet, dass in den Sta­dien eine gezielte Unter­wan­de­rung befürchtet werden muss, ist diese Ent­wick­lung zumin­dest besorg­nis­er­re­gend.