Nur drei Tage nach dem Peter Stöger ent­lassen wurde, ver­kün­dete der 1. FC Köln heute, dass Armin Veh der neue starke Mann in der Dom­stadt wird. Doch nicht etwa als Coach an der Sei­ten­linie. Nein, Veh wird Geschäfts­führer Sport. Auch wenn er sofort begeis­tert“ war, ist es eine Auf­gabe, der der Augs­burger kaum gewachsen scheint. Damit geht der Klub ein enormes Risiko ein.

Lange Auf­ga­ben­liste
Die Lage der Rhein­länder ist äußerst prekär. Noch vor der Rück­runde steht Köln so gut wie sicher als Absteiger fest. Nur ein Wunder könnte die Geiß­böcke noch in der Liga halten. In der Win­ter­pause soll das Team ver­stärkt werden, um doch noch den Klas­sen­er­halt zu schaffen. Von der Tat­sache mal abge­sehen, dass es ein schwie­riges Unter­fangen wird, Spieler zu einem Wechsel nach Köln zu über­reden – der Effzeh darf und will es mit den Aus­gaben nicht über­treiben. Schließ­lich gilt es, den Kader schon mal vor­sichts­halber zweit­li­ga­taug­lich zu machen. Ganz nebenbei muss drin­gend ein neuer Trainer her, der einer­seits die Fer­tig­keiten eines klas­si­schen Feu­er­wehr­manns mit­bringt und ander­seits einen Neu­aufbau und Wie­der­auf­stieg bewerk­stel­ligen kann. Alle diese Auf­gaben warten auf den Nach­folger von Jörg Schmadtke – also auf Armin Veh.


Bei einer solch umfang­rei­chen To-do-Liste, setzt der 1. FC Köln auf einen erfah­renen Mann. Mit über 600 Bun­des­liga-Spielen als Trainer auf dem Buckel scheint Veh durchaus der geeig­nete Mann für diesen Job zu sein. Doch die Erfah­rungen des gebür­tigen Augs­bur­gers begrenzen sich über­wie­gend auf das Trai­neramt. Und selbst dort lief es nach der Meis­ter­schaft mit dem VfB Stutt­gart vor zehn Jahren eher durch­wachsen. Erst über­nahm Veh für 27 Spiel­tage den VfL Wolfs­burg. In Ham­burg hielt er sich ebenso kurz. Danach hießen die Sta­tionen noch je zwei Mal Frank­furt und Stutt­gart. Vehs Erfah­rung als Geschäfts­führer sind der­weil nicht nur über­schaubar, sein Manager-Zeugnis fällt denkbar schlecht aus.


In Wolfs­burg geschei­tert
Im Sommer 2009 über­nahm er die undank­bare Auf­gabe, die Meis­ter­mann­schaft des VfL Wolfs­burg von Felix Magath zu über­nehmen – und zwar in einer Dop­pel­funk­tion als Trainer und Manager. Wirk­lich gut geschlagen hat er sich bei dieser Auf­gabe nicht. Er ver­pflich­tete Spieler wie Oba­femi Mar­tins, Karim Ziani, Réver und Thomas Kah­len­berg, alle­samt mit kaum nach­hal­tigem Ertrag. Auf­grund von schlechten Ergeb­nissen wurde Veh bereits zur Win­ter­pause ent­machtet und bekam mit Dieter Hoeneß einen erfah­renen Manager zur Seite gestellt. Geholfen hat es nicht, Veh musste vor­zeitig gehen. Auch in Stutt­gart über­nahm Veh inte­rims­weise den Job des Sport­di­rek­tors – für grade einmal zwei Monate. 


Mit dieser Vita im Gepäck soll Veh nun den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten und gleich­zeitig auf die zweite Liga vor­be­reiten. Man könnte argu­men­tieren, dass feh­lende Erfah­rung mit viel harter Arbeit und Fleiß ega­li­siert werden könnten. Armin Veh machte in der Ver­gan­gen­heit jedoch nie einen Hehl daraus, dass es für ihn auch ein Leben abseits des Fuß­balls gibt. Als Trainer genoss er nicht unbe­dingt den Ruf eines akri­bi­schen Arbei­ters. Das mag ihn zwar sym­pa­thisch machen, leichter wird die Her­ku­les­auf­gabe in Köln dadurch aber nicht.


Der Mode­rator
Beim Effzeh sieht man das anders. Mit Stolz ver­kün­dete Prä­si­dent Werner Spinner die Ver­pflich­tung des Augs­bur­gers als Auf­bruch­si­gnal“. Veh erfülle sämt­liche Kri­te­rien per­fekt“, hätte viel Erfah­rung und sei über­haupt ein sehr kom­mu­ni­ka­tiver Mensch. Dass der neue starke Mann sein künf­tiges Geschäfts­führer-Pen­dant Alex­ander Wehrle noch aus gemein­samen Stutt­garter Zeiten kennt, scheint bei dieser Per­so­nalie aller­dings das Haupt­kri­te­rium gewesen zu sein. Ich habe immer gesagt, dass ein Sportler in die Geschäfts­füh­rung gehört und bin sehr froh, dass diese Lücke jetzt mit Armin Veh her­vor­ra­gend besetzt ist“, so Wehrle.


Tat­säch­lich scheint das gute Ver­hältnis zwi­schen Wehrle und Veh der ein­zige Trumpf bei der Ver­pflich­tung des neuen Geschäfts­füh­rers Sport zu sein. Mit seiner kom­mu­ni­ka­tiven, mensch­li­chen Art könnte der 56-Jäh­rige die Rolle eines Mode­ra­tors zwi­schen Vor­stand, Geschäfts­füh­rung und sport­li­chem Bereich ein­nehmen. Denn genau dort gab es in letzter Zeit einige Miss­ver­ständ­nisse – nicht zuletzt zwi­schen Jörg Schmadtke und Peter Stöger, die wohl auch zur Kölner Krise führten. Sollte das jedoch Vehs ein­ziges Ass im Ärmel sein, scheint dieses Expe­ri­ment bereits zum Schei­tern ver­ur­teilt zu sein, bevor es richtig begonnen hat.