1. Was­ser­spiele
Der beson­dere Ser­vice im sie­dend heißen Sommer: Der gast­ge­bende Klub küm­mert sich kos­ten­frei um aus­rei­chend nasse Abküh­lung für Gäs­te­fans. Ein­fach bei der ört­li­chen Feu­er­wehr oder Polizei nach­fragen, die stellen nur allzu gern druck­volles Was­ser­spiel­zeug zur Ver­fü­gung. Kleiner Tipp: Bei den offi­zi­ellen Stellen hor­den­weise Pro­blem­fans im Gäs­te­block ankün­digen und dann bei jedem kri­ti­schen Gesang die Hähne voll auf­drehen. Und bei Außen­tem­pe­ra­turen von über 30°C wird sich nach anfäng­li­cher Irri­ta­tion selbst der hart­ge­sot­tenste Ver­treter der Gegen den modernen Fußball“-Bewegung dem Bade­spaß ergeben. Auch lustig: Der Ein­satz der Was­ser­freuden im Winter. Denn wer schlit­tert nicht gerne über frisch gefro­renes Eis? Die Gäs­te­fans werden sie lieben. Garan­tiert.

2. Pfer­de­show
Spä­tes­tens seit den Stu­den­ten­pro­testen 1968 ein beliebtes Opium für das Volk: Beamte zu Pferd. Ein paar als Poli­zisten ver­klei­dete pralle Damen hoch zu Ross setzen und munter durch die Massen traben lassen. Sie werden sehen, beim Anblick der mas­sigen Vier­beiner wird selbst der schlimmste Feind zur Weich­flöte und sucht schnell den nächsten Apfel­händler, um sich die Liebe des Gauls zu ergau­nern. Ist das geschafft, greift post­wen­dend das Ponyhof-Syn­drom: Strie­geln, Aus­reiten, Abrub­beln, Stall aus­misten – das Hottehü wird zur neuen Obses­sion. Für hass­erfüllte Fan­ge­sänge gegen den ansäs­sigen Fuß­ball­verein ist dann sicher keine Zeit mehr. 

3. Betreten ver­boten
Der Klas­siker: Ein­fach kurz vor dem Anpfiff ein Schild mit der Auf­schrift Betreten der Bau­stelle ver­boten – Eltern haften für ihre Kinder“ vor dem Gäs­te­block auf­stellen. Die Alles­fahrer aus der Ferne werden ihnen den deut­li­chen Gefah­ren­hin­weis nach­sehen und sich statt­dessen den Sehens­wür­dig­keiten ihrer Stadt zuwenden. Pro­blem gelöst.

4. Stars lesen vor
Ein Trend aus dem Buch­laden nebenan: Alt­stars des gast­ge­benen Ver­eins lesen ab zwei Stunden vor dem Anpfiff aus ihrer herz­er­grei­fenden Bio­gra­phie. Der Clou: Ent­weder die Geschichten sind so fes­selnd, dass alle gespannt lau­schen und schweigen. Oder noch besser: Die betagten Fuß­ball­rentner lassen es sich nicht nehmen, ihre ersten Lebens­jahre in aller epi­schen Breite aus­zu­führen. Das Motto: Früher hatten wir ja nix, da sind wir barfuß zur Schule gegangen. Durch den Schnee.“ Gähn­faktor 10! Spä­tes­tens zum Anpfiff sind alle Kra­wall­ma­cher ein­ge­schlafen.

5. Show­or­chester Unge­lenk
Sie sind beliebt wie Otto Waalkes und Franz Becken­bauer zusammen: die Militär- und Poli­zei­or­chester dieser Repu­bilk. Warum sonst werden sie zu jedem Län­der­spiel in die Sta­dien gekarrt, um die Natio­nal­hymnen der ent­le­gendsten Staaten (Aser­bai­dschan, Est­land, Eng­land) zum Besten zu geben? Diese stets feh­ler­freien Mei­len­steine der Unter­hal­tungs­musik lassen einen Schluss zu: Da liegt Talent brach. Sollten sich also unlieb­same Gesänge aus dem Gäs­te­block ankün­digen, spielt ab sofort das ört­liche Poli­zei­or­chester vor der Kurve zum Tusch auf.

6. Video­be­weis
Fuß­ball­ver­eine sind längst moderne Unter­nehmen. Warum sollte man sich also weiter vor den neu­esten Trends und Gepflo­gen­heiten der begehrten Ziel­gruppe (zah­lungs­kräf­tige Jugend­liche) ver­sperren? Ab sofort stellen sie im Gäs­te­block Lap­tops mit Rie­sen­bild­schirmen auf – W‑Lan inklu­sive. Sie werden sehen, zwi­schen Face­book-Status-Updates und You­tube-Video­wett­be­werben („Kennste den?“) bleibt über­haupt keine Zeit mehr für Schmäh­ge­sänge gegen den Gegner.

7. Fips für alle
Zu jedem Heim­spiel orga­ni­sieren sie Fips Asmussen als Anheizer im Gäs­te­block. Wohl kaum ein Unter­hal­tungs­künstler hat wohl mehr Erfah­rung darin, ganze Hallen in Bruch­teilen von Sekunden leer zu spielen. Ein paar tau­send ange­trun­kene Halb­starke sind da seine leich­teste Übung. Alter­na­tiven: Gunter Gabriel oder Mario Barth.

8. Die Mischung stimmt
Nord­korea hat es bei zahl­rei­chen Sport­ver­an­stal­tungen vor­ge­macht: Der gezielte Ein­satz von garan­tiert neu­tralen Zuschauern kann ganze Massen steuern. Mischen sie ein­fach ein paar Ver­eins­kader in den auf­müp­figen Gäs­temob (Ideales Misch­ver­hältnis 2:1), die mit glas­klaren Argu­menten („Aber denkt doch mal nach: Der Verein schafft in dieser Region massig Arbeits­plätze“ oder Hier ist auch nicht alles schlecht“) die Kri­tiker besänf­tigt. In der Folge orga­ni­sieren die freund­li­chen Stim­mungs­ma­cher bunte Cho­reo­gra­phien mit Fähn­chen und anspruchs­vollem Gesang. Sicher findet sich ein Haupt­sponsor, der diese tolle Aktion finan­ziert und gleich­zeitig zu Wer­be­zwe­cken nutzen kann.

9. Bier müssen draußen bleiben
Bis 500 Meter vor dem Ein­gangstor gibt es Frei­bier für alle Gäs­te­fans. Ins Sta­dion schafft es der Pöbel dann doch sowieso nicht mehr.

10. Fiepen
Nur für ganz Aus­ge­buffte: Plat­zieren sie unmit­telbar unter der Gäs­te­kurve ein Gerät, dass unan­ge­nehme Gesänge mit noch unan­ge­neh­meren Geräu­schen über­tönt. Aber Vor­sicht, könnte Ärger geben.