Zum Karriereende von Wesley Sneijder

Das tapfere Sneijderlein

Vorgestern hat Wesley Sneijder einen Schlussstrich unter seine Laufbahn gezogen. Warum damit nicht nur eine großartige Karriere sondern ein ganzes Fußball-Kapitel zu enden scheint.

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Die Rückennummer zehn hat etwas Magisches. In jeder noch so tief spielenden Kreisligamannschaft prügelt man sich um das Leibchen, wenn es aus dem Trikotkoffer hervorschaut. Es gibt sogar Bundesligisten, namentlich den SC Freiburg, denen der Zauber, der von der Nummer zehn ausgeht, zu ungeheuer ist. Um innerhalb der Mannschaft keine Neid- und Eifersuchtsdebatte entstehen zu lassen, wird sie seit geraumer Zeit nicht mehr vergeben.

Was einen Zehner der Extraklasse auszeichnet, sind fußballerische Raffinesse, ein gewisser Hang zur Dramatik, Charisma und eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Kurzum: Wesley Sneijder.

Für sein Leben gerne

Im Alter von sieben Jahren verlässt er das heimische Utrecht, um in der Akademie von Ajax Amsterdam das Fußballspielen zu lernen. Dass Sneijder dort am richtigen Ort ist, zeigen YouTube-Videos aus seiner A-Jugend-Zeit. Er lässt Gegner stehen, bereitet Tore vor, tritt Freistöße. Mal nutzt er seinen rechten, mal den linken Fuß. Seine Beidfüßigkeit wird ihn die gesamte Karriere begleiten. Er spielt mit ernstem und fokussiertem Blick, sobald aber der Ball im Tor ist, überkommt ihn eine jugendliche Freude. Ein kurzer und intensiver Moment echten Glücks. Er spielt für sein Leben gerne.



Sein Mentor zu dieser Zeit ist Danny Blind. Als A-Jugend-Trainer ist er es, der das Talent von Sneijder erkennt und ihn in die erste Mannschaft beordert. Die Wege der beiden werden sich später noch mehrfach kreuzen. Blind trainiert ihn auch als Cheftrainer von Ajax, als Co-Trainer der Nationalmannschaft und später sogar als Bondscoach. Im Februar 2003 macht Sneijder schließlich sein erstes Spiel für die Profis gegen Willem II Tilburg. Es kommt noch besser, denn nur einen Monat später debütiert er für die Nationalmannschaft, für die er bei je drei Welt- und Europameisterschaften antritt. Mit 18 Jahren, damals noch mit Gelfrisur statt Glatze und ohne Tattoos. Wie auch bei Arjen Robben lässt sich erkennen: Niederländische Spieler verlieren, je älter und besser sie werden, ihre Haare.

Ganz die Amsterdamer Schule ist Sneijder ein Kind des Voetbal total. Sein natürlicher Lebensraum ist die offensive Position im Mittelfeld, die Zehn hinter den drei Stürmern. Von dort aus kann er die Angreifer mit millimetergenauen Vertikalpässen versorgen und das Spiel nach seinem Willen dirigieren.